Bei der Aufsichtsratssitzung der Flughafen Stuttgart GmbH am 14. Juli 2026 wurde Nicole Razavi, Ministerin für Verkehr des Landes Baden-Württemberg, zur neuen Vorsitzenden des Kontrollgremiums gewählt.
Sie übernimmt das Amt von Winfried Hermann, der die Position seit Oktober 2011 innehatte und nun aus dem Amt geschieden ist. Mit diesem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats leitet die Flughafengesellschaft eine neue Phase in ihrer Führungsebene ein.
In ihrer neuen Funktion betonte Razavi die Bedeutung des Landesairports für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Baden-Württembergs. Sie hob hervor, dass ein moderner Flughafen eine enge Verzahnung der Verkehrsträger Straße, Schiene und Luftfahrt benötigt, um seine Funktion als überregionaler Verkehrsknotenpunkt optimal zu erfüllen. Diese intermodale Vernetzung soll ein Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit im Aufsichtsrat werden.
Die Neubesetzung markiert einen historischen Einschnitt in der Geschichte des Stuttgarter Flughafens, da Winfried Hermann das Gremium über eine Dauer von fast 15 Jahren und damit über mehrere Legislaturperioden hinweg leitete. Razavi ist nach Persönlichkeiten wie Arnulf Klett und Manfred Rommel die zehnte Person auf diesem Posten seit der Nachkriegszeit. Auf die neue Vorsitzende warten komplexe Aufgaben, da der Flughafen Stuttgart wie viele Regionalflughäfen vor der Herausforderung steht, die Passagierzahlen im europäischen Kurzstreckennetz zu stabilisieren und gleichzeitig die Schienenanbindung durch das Großprojekt Stuttgart 21 operativ zu integrieren.
Kritische Stimmen aus der Luftfahrtbranche weisen darauf hin, dass die traditionelle Besetzung des Aufsichtsratsvorsitzes mit dem jeweils amtierenden Landesverkehrsminister eine starke politische Einflussnahme auf das operative Geschäft des Flughafens zementiert. Dies kann im Spannungsfeld zwischen regionalen Wirtschaftsinteressen, kommunalen Lärmschutzforderungen und den betriebswirtschaftlichen Realitäten der Luftfahrtgesellschaft zu anhaltenden Zielkonflikten führen. Die neue Vorsitzende wird sich daran messen lassen müssen, wie ausgewogen sie diese widerstreitenden Interessen im Kontrollgremium moderiert.