Der Fachverband der Seilbahnen Österreichs feiert im Jahr 2026 das hundertjährige Bestehen der heimischen Seilbahnbranche mit einer großflächigen Werbekampagne. Eine goldene Seilbahngondel reist im Rahmen dieser Aktion als Werbebotschafterin durch das gesamte Bundesgebiet.
Die Tour startete im Frühjahr im Wiener Schloss Schönbrunn und machte seither an verschiedenen Stationen Halt, darunter bei den beiden historischen Seilbahnanlagen auf der Rax und an der Zugspitze, die in diesem Jahr ihr hundertjähriges Betriebsjubiläum begehen. Zuletzt wurde die Gondel bei der Radrundfahrt Tour of Austria in St. Johann im Pongau als Kulisse für Publikumsaktionen genutzt.
Die vom Branchenverband konzipierte Kampagne zielt darauf ab, die Relevanz der Seilbahnwirtschaft außerhalb der klassischen alpinen Regionen im alltäglichen Umfeld der Bevölkerung zu demonstrieren. Durch die Platzierung der Kabine im städtischen Raum und bei Großveranstaltungen sollen Bürger direkt angesprochen und zur Teilnahme an einem begleitenden Gewinnspiel animiert werden. Bei diesem Gewinnspiel wird ein sogenanntes „Jahrhundertticket“ verlost, dessen genaue Konditionen und Nutzungsmöglichkeiten vom Fachverband bisher jedoch nicht im Detail veröffentlicht wurden. In den kommenden Jahren stehen weitere Jahrestage an, darunter die Jubiläen der Pfänderbahn und der Feuerkogelbahn im Jahr 2027 sowie der Gerlitzen-Kanzelbahn im darauffolgenden Jahr.
Branchenanalysten betrachten die aufwendige Werbekampagne auch vor dem Hintergrund aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen für die österreichischen Bergbahnen. Die Betreiber stehen unter erheblichem Druck, die steigenden Betriebskosten durch hohe Energiepreise und die notwendigen Investitionen in Beschneiungsanlagen und Modernisierungen zu kompensieren. Gleichzeitig führt die spürbare Verteuerung der Lifttickets zu anhaltenden Diskussionen über die soziale Verträglichkeit des alpinen Tourismus für die einheimische Bevölkerung. Kritiker merken an, dass öffentlichkeitswirksame PR-Aktionen wie die Gondeltour zwar die historische Bedeutung der Branche hervorheben, aber keine Lösungen für die strukturellen Probleme und die volatile Nachfrage in schneearmen Wintern bieten.
Die Seilbahnwirtschaft stellt traditionell einen wichtigen Pfeiler der österreichischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft dar. Ob rein symbolische Aktionen im städtischen Raum ausreichen, um das Interesse an teuren Bergsportaktivitäten langfristig bei breiten Schichten der Bevölkerung zu sichern, bleibt in der Fachwelt umstritten. Der Fachverband setzt ungeachtet dessen auf die Fortführung der Tour, um die technologische Entwicklung und die wirtschaftliche Rolle der Betriebe im ländlichen Raum weiter zu thematisieren.