Ein Bezirksgericht in Tokio hat einen 44-jährigen Piloten der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways wegen eines sexuellen Übergriffs zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt.
Das Gericht sah es nach der Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der Mann im Oktober 2023 eine Flugbegleiterin während eines beruflich bedingten Aufenthalts mehrfach unsittlich berührt hatte. Die Richter wiesen die Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten in der Urteilsbegründung zurück und betonten, dass der Mann seine Vorgesetztenfunktion innerhalb der Besatzungshierarchie bewusst ausgenutzt habe.
Das Opfer gab während des Verfahrens an, sich aus Angst vor beruflichen Repressalien und Nachteilen bei der Dienstplanung nicht unmittelbar gegen den Übergriff gewehrt zu haben. In der japanischen Luftfahrtbranche herrscht traditionell eine strikte und autoritäre Hierarchie an Bord von Verkehrsflugzeugen, bei der dem Kapitän die absolute Weisungsbefugnis über das Kabinenpersonal zukommt. Diese ausgeprägte Machtstruktur führt laut Berichten von Branchenbeobachtern häufig dazu, dass Fehlverhalten von Führungskräften im Cockpit verspätet oder aus Angst vor Kündigungen gar nicht gemeldet wird.
Die Fluggesellschaft All Nippon Airways reagierte auf den Vorfall und das Gerichtsurteil mit einer offiziellen Entschuldigung und kündigte an, die internen Compliance-Richtlinien sowie die Schulungen zur Prävention von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung zu verschärfen. Dennoch steht das Unternehmen in der japanischen Öffentlichkeit in der Kritik, da der Fall Mängel in den Kontroll- und Meldesystemen der Fluglinie offenbart. Arbeitsrechtler weisen darauf hin, dass neben strafrechtlichen Konsequenzen für die Täter vor allem eine grundlegende Reform der Unternehmenskultur in traditionellen japanischen Betrieben notwendig sei, um ein sicheres Arbeitsumfeld für das Kabinenpersonal zu gewährleisten.