Eine aktuelle Untersuchung von 66 europäischen Städten hat erhebliche Unterschiede in Bezug auf Faktoren aufgezeigt, die maßgeblichen Einfluss auf das Wohlbefinden von Reisenden haben.
Die im Juli 2026 veröffentlichte Studie des Branchenbeobachters Vape and Go bewertet urbane Destinationen anhand von Daten zur Lärmbelastung bei Tag und Nacht, Kriminalitätsindizes, dem Anteil an Grünflächen, der Luftqualität sowie der Infrastruktur für Fußgänger. Während nord- und osteuropäische Städte wie Tallinn, Zürich und Tartu durch ein hohes Maß an Ruhe und Sicherheit überzeugen, weisen bekannte Metropolen im Süden und Westen des Kontinents, darunter Neapel, Athen und Marseille, oft eine Kombination aus hoher Lärmbelastung, erhöhten Kriminalitätsraten und unzureichenden Erholungsräumen auf. Die Ergebnisse bieten eine differenzierte Entscheidungshilfe für die Reiseplanung, verdeutlichen jedoch auch die strukturellen Probleme vieler europäischer Großstädte.
Methodische Grundlagen der Untersuchung
Um die Lebensqualität und das Stresspotenzial für Besucher messbar zu machen, wurden verschiedene statistische Indikatoren herangezogen. Ein wesentlicher Faktor ist die Lärmexposition der Bevölkerung durch Straßen- und Schienenverkehr. Hierbei unterscheidet die Studie zwischen der Belastung während des Tages und der empfindlicheren Nachtruhe. Darüber hinaus flossen der lokale Kriminalitätsindex sowie der Sicherheitsindex in die Gesamtbewertung ein. Die räumliche Gestaltung der Städte wurde über den prozentualen Anteil von Parkanlagen und die Dichte an Fußgängerwegen pro Quadratkilometer erfasst. Schließlich wurde die Luftqualität anhand eines standardisierten Verschmutzungsindexes bewertet.
Kritische Stimmen weisen darauf hin, dass eine solche quantitative Erhebung subjektive Empfindungen nur bedingt widerspiegeln kann. So wird das lebhafte Treiben in südeuropäischen Städten von einigen Reisenden als störender Lärm wahrgenommen, während andere gerade diese Dynamik als Teil des kulturellen Erlebnisses schätzen. Dennoch liefert der Datenvergleich objektive Anhaltspunkte über die physischen Belastungsfaktoren in den jeweiligen Ballungsräumen.
Hohe Lebensqualität im Norden und Osten Europas
Die estnische Hauptstadt Tallinn führt die Rangliste mit einer Gesamtbewertung von zweiundneunzig Komma acht von einhundert möglichen Punkten an. Ausschlaggebend für diese Positionierung ist vor allem die ausgeprägte nächtliche Ruhe. Lediglich null Komma vierundachtzig Prozent der Einwohner sind nach Einbruch der Dunkelheit Schienen- oder Straßenlärm ausgesetzt. Dies stellt einen der geringsten Werte im gesamten Vergleich dar. Auch tagsüber bleibt die Lärmbelastung mit rund zehn Prozent moderat. Ergänzt wird dieses Bild durch eine niedrige Kriminalitätsrate von einundzwanzig Komma sechzig Punkten und eine relativ geringe Luftbelastung.
Mit Tartu auf dem dritten Platz kann Estland eine weitere Stadt im vorderen Segment positionieren. Tartu verzeichnet mit sieben Komma einundsiebzig Prozent die geringste Lärmbelastung am Tag unter allen untersuchten Städten. Einziger Schwachpunkt der Universitätsstadt ist der vergleichsweise geringe Grünflächenanteil von gut fünfzehn Prozent, was den Erholungswert im Vergleich zu anderen Städten schmälert.
Ebenfalls im nördlichen Europa überzeugt Trondheim in Norwegen auf dem vierten Platz. Die Stadt verfügt über einen sehr hohen Grünflächenanteil von über einundvierzig Prozent und einen niedrigen Kriminalitätsindex von einundzwanzig Komma fünfzig. Allerdings offenbart die Studie hier Defizite bei der Infrastruktur für Fußgänger. Mit lediglich zwei Komma zwanzig Kilometern Fußgängerwegen pro Quadratkilometer ist die Stadt weniger einladend für Erkundungen zu Fuß als andere Destinationen. Zudem ist die Lärmbelastung am Tag mit fast achtundzwanzig Prozent relativ hoch.
Sicherheit und Mobilität in der Schweiz und den Niederlanden
Zürich belegt mit achtundachtzig Komma einem Punkt den zweiten Rang. Die Schweizer Metropole zeichnet sich durch eine hervorragende Infrastruktur für Fußgänger aus, mit über zweiundzwanzig Kilometern begehbaren Wegen pro Quadratkilometer. Auch der Grünflächenanteil ist mit fast achtundzwanzig Prozent überdurchschnittlich hoch. Ein dämpfender Faktor ist jedoch die Luftverschmutzung, die mit einundsechzig Punkten im mittleren Bereich der Studie liegt und damit schlechter abschneidet als bei den Mitbewerbern im Norden.
Genf, das den achten Platz belegt, teilt viele der positiven Eigenschaften Zürichs. Als eine der am besten zu Fuß zu erkundenden Städte der Untersuchung bietet sie Besuchern kurze Wege. Der Kriminalitätsindex ist mit knapp dreißig Punkten etwas höher als in Zürich, liegt aber immer noch im stabilen und sicheren Bereich im Vergleich zu den restlichen untersuchten Destinationen.
Eine herausragende Rolle im Bereich der persönlichen Sicherheit nimmt die niederländische Stadt Den Haag auf dem sechsten Platz ein. Mit einem Sicherheitsindex von achtundsiebzig Komma neunzig und einem entsprechend niedrigen Kriminalitätswert von einundzwanzig Komma zehn gilt die Stadt als sicherster Ort im gesamten Untersuchungsfeld. Dieser Vorteil wiegt für viele Reisende die leicht erhöhten Lärmwerte auf, die tagsüber bei vierundzwanzig Prozent liegen.
Die Herausforderungen südeuropäischer Großstädte
Am anderen Ende der Skala zeigt die Untersuchung erhebliche Mängel in mehreren beliebten Reisezielen auf. Neapel in Italien bildet das Schlusslicht der Studie mit lediglich achtundvierzig Komma drei Punkten. Die Stadt leidet unter einer sehr geringen Sicherheitsbewertung von siebenunddreißig Komma siebzig und einer entsprechend hohen Kriminalitätsrate von zweiundsechzig Komma dreißig. Zudem ist der Anteil an Grünflächen mit weniger als acht Prozent äußerst gering, was kaum Rückzugsmöglichkeiten vom hektischen Stadtleben bietet.
Auch Griechenland ist mit zwei Städten im hinteren Bereich vertreten. Athen leidet unter einer der höchsten Luftverschmutzungsraten der Studie mit vierundneunzig Punkten, dicht gefolgt von Thessaloniki. Beide Städte weisen zudem eine hohe Lärmbelastung und eine dichte Bebauung auf, was den Erholungsfaktor für Touristen erheblich einschränkt.
Ähnliche Probleme zeigen sich in Frankreich, wo Marseille und Lyon hintere Plätze belegen. Lyon ist durch eine hohe Lärmbelastung am Tag von über dreiundvierzig Prozent geprägt und weist mit vierzig Komma achtzig einen der schwächsten Sicherheitswerte auf. In Marseille erschweren ähnliche Bedingungen ein entspanntes Reisen.
Strukturelle Belastungen in West- und Osteuropa
Auch außerhalb des Mittelmeerraums stehen einige Großstädte vor erheblichen strukturellen Problemen. Bukarest in Rumänien kombiniert eine hohe Lärmbelastung von über vierundvierzig Prozent am Tag und neunzehn Prozent in der Nacht mit einer starken Luftverschmutzung von fünfundachtzig Punkten. Dies führt zu einer Platzierung im untersten Segment der Tabelle.
In Westeuropa fallen Antwerpen in Belgien und Birmingham im Vereinigten Königreich negativ auf. Antwerpen verzeichnet mit fast fünfundvierzig Prozent die zweithöchste Lärmbelastung am Tag im gesamten Untersuchungsfeld. Birmingham kämpft neben der Lärmproblematik auch mit einer im Vergleich zu anderen britischen Städten ungünstigeren Sicherheitslage, was sich in einer Gesamtbewertung von nur neunundfünfzig Punkten widerspiegelt. Selbst das nordische Malmö in Schweden rutscht aufgrund spezifischer Herausforderungen bei der Sicherheitswahrnehmung und punktueller Lärmbelastungen in das hintere Drittel der Tabelle ab.
Die Studie von Vape and Go verdeutlicht, dass die Wahl des Reiseziels erhebliche Auswirkungen auf den Stresspegel während eines Urlaubs haben kann. Wer Wert auf Ruhe, Sicherheit und saubere Luft legt, findet im Jahr 2026 vor allem in den kleineren und mittleren Städten Nord- und Osteuropas geeignete Ziele. Die großen Metropolen West- und Südeuropas bieten zwar oft ein reichhaltigeres Kulturangebot, fordern von den Besuchern jedoch eine höhere Toleranz gegenüber Lärm, Hektik und Sicherheitsrisiken. Für Stadtplaner liefern die Daten wertvolle Hinweise darauf, in welchen Bereichen Verbesserungen der Infrastruktur und der Verkehrsberuhigung am dringendsten erforderlich sind, um die Attraktivität für Besucher und die Lebensqualität für die Bewohner gleichermaßen zu sichern.