Die Fluggesellschaft Emirates hat im Rahmen ihres milliardenschweren Modernisierungsprogramms das hundertste Flugzeug mit einer neuen Kabinenausstattung versehen.
Seit dem Start der Arbeiten im November 2022 wurden in den werkseigenen Hangars in Dubai insgesamt 47 Airbus A380 und 53 Boeing 777 umgerüstet. Das Vorhaben, das ein Gesamtvolumen von fünf Milliarden US-Dollar umfasst, sieht vor, bis zum Ende des Jahres 2026 rund 20 weitere Maschinen fertigzustellen, womit etwas mehr als die Hälfte der geplanten Gesamtflotte von 219 Flugzeugen modifiziert wäre.
Der Schwerpunkt der Umbaumaßnahmen liegt auf der flächendeckenden Integration einer neuen Premium-Economy-Klasse, für die bislang über 3.800 Sitze neu installiert wurden. Nach Angaben der Fluggesellschaft erfordert die Umrüstung pro Flugzeug den Austausch tausender Einzelteile und beanspruchte in den vergangenen 44 Monaten rund 4,4 Millionen Arbeitsstunden der technischen Abteilung. Ab Oktober soll das Programm in eine nächste Phase übergehen, in der leichtere Sitzmodelle des Herstellers Safran sowie neue Bildschirmtechnologien in den Kabinen verbaut werden. Um die anfallenden Materialmengen der demontierten Inneneinrichtungen zu reduzieren, lässt das Unternehmen Altleder und Textilien teilweise zu Reisegepäck und Taschen für wohltätige Zwecke verarbeiten.
Luftfahrtanalysten betrachten die enormen Investitionen in die Bestandsflotte auch als Reaktion auf die anhaltenden Lieferverzögerungen bei neuen Flugzeugtypen. Da sich die Auslieferungen der bestellten Boeing 777X und weiterer neuer Maschinen um Jahre verzögern, sind Fluggesellschaften weltweit gezwungen, die Dienstzeit ihrer älteren Großraumflugzeuge deutlich zu verlängern. Die aufwendige Modernisierung im eigenen Betrieb sichert Emirates zwar die Unabhängigkeit von externen Werften, bindet jedoch langfristig erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen in der Wartung, die bei einer pünktlichen Flottenerneuerung anderweitig hätten eingesetzt werden können.
Zudem birgt die Umrüstung im laufenden Betrieb logistische Risiken, da Flugzeuge für die Dauer der Arbeiten aus dem aktiven Dienst gezogen werden müssen, was die Flugplanplanung einschränkt. Ob sich die hohen Ausgaben für das Kabinenprodukt im harten Konkurrenzkampf mit anderen Golf-Airlines amortisieren, hängt maßgeblich davon ab, ob Passagiere bereit sind, die höheren Tarife für die Premium-Economy-Klasse auf den umgerüsteten Strecken dauerhaft zu zahlen.