Die chinesische Fluggesellschaft Hainan Airlines hat mit dem europäischen Flugzeugbauer Airbus einen Kaufvertrag über 40 Flugzeuge der A320neo-Modellfamilie unterzeichnet.
Laut einer entsprechenden Pflichtmitteilung an die Börse beläuft sich der Listenpreis der Bestellung auf insgesamt bis zu 5,36 Milliarden US-Dollar, was umgerechnet rund 4,69 Milliarden Euro entspricht. In der Luftfahrtbranche sind bei Abnahmen dieser Größenordnung allerdings erhebliche Preisnachlässe üblich. Die Übergabe der Schmalrumpfflugzeuge soll nach dem vereinbarten Zeitplan schrittweise im Zeitraum zwischen den Jahren 2028 und 2032 erfolgen.
Die Entscheidung für Flugzeuge des europäischen Herstellers erfolgt in einer Phase, in der chinesische Fluggesellschaften ihre Kapazitäten auf Inlands- und Regionalstrecken nach den Auswirkungen der Pandemie neu ausrichten. Hainan Airlines, die nach finanziellen Restrukturierungen unter dem Dach der Grand China Air und der Fangda Group agiert, setzt mit der Bestellung auf die Modernisierung ihrer Mittelstreckenflotte. Der Markt für Kurz- und Mittelstrecken in China verzeichnet ein kontinuierliches Passagierwachstum, was bei den Fluglinien zu einem erhöhten Bedarf an Flugzeugen dieser Größenordnung führt.
Branchenbeobachter werten das Geschäft auch vor dem Hintergrund geopolitischer und handelspolitischer Spannungen. Die Vergabe von Großaufträgen chinesischer Airlines an europäische oder US-amerikanische Hersteller unterliegt in der Volksrepublik China strengen staatlichen Genehmigungsprozessen. Der Zuschlag für Airbus spiegelt die starke Marktposition wider, die sich der europäische Konzern durch seine Endmontagelinien im chinesischen Tianjin erarbeitet hat. Gleichzeitig steht der US-Konkurrent Boeing auf dem chinesischen Markt weiterhin vor Herausforderungen, während Chinas eigener Staatskonzern COMAC mit der C919 schrittweise als heimischer Mitbewerber aufgebaut wird.
Kritisch sehen Luftfahrtanalysten jedoch die bestehenden Engpässe in den globalen Lieferketten. Airbus kämpft wie die gesamte Branche mit Verzögerungen bei Triebwerkszulieferern und Komponentenherstellern, was bereits zu Anpassungen bei den monatlichen Produktionsraten führte. Ob der vereinbarte Auslieferungszeitraum von 2028 bis 2032 ohne Verzögerungen eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Zudem bedeutet der Milliardenkauf für die Muttergesellschaft von Hainan Airlines eine erhebliche finanzielle Verpflichtung, deren Rentabilität von der weiteren Entwicklung der Ticketpreise und der Kaufkraft der Passagiere auf dem chinesischen Heimatmarkt abhängt.