Die kanadische Bundesregierung und die Provinzregierung von Ontario sind in eine politische Kontroverse über die künftige Ausrichtung des Flughafens Toronto Billy Bishop City Centre geraten.
Der kanadische Verkehrsminister Steven MacKinnon erklärte öffentlich, dass die Regierung in Ottawa Pläne zur Öffnung des stadtnahen Flughafens für den regulären Betrieb mit Strahlflugzeugen ablehnt. Dieser Stellungnahme ging eine breite Bürgerbefragung voraus, an der sich mehr als 87.000 Personen beteiligten. Trotz der ablehnenden Haltung der Bundesbehörden hält die Provinzregierung in Toronto an den Plänen fest. Der Verkehrsminister von Ontario, Prabmeet Sarkaria, betonte, dass die Provinz die Ausbauabsichten weiter verfolgen werde. Unabhängig von dieser Debatte finden derzeit bauliche Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit an den Start- und Landebahnen statt, die jedoch nicht für den Betrieb von großen Strahlflugzeugen ausgelegt sind.
Unterschiedliche Positionen zwischen Bundes- und Provinzebene
Die Kontroverse um den Insel-Flughafen im Lake Ontario spiegelt grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die Infrastrukturpolitik in der Metropolregion Toronto wider. Während die Provinzregierung von Ontario unter der Führung von Verkehrsminister Prabmeet Sarkaria eine Erweiterung des Flugbetriebs anstrebt, verweist die kanadische Bundesregierung auf bestehende Vereinbarungen und gesetzliche Zuständigkeiten. Der Flughafen Billy Bishop befindet sich auf Land, das Bundesbestimmungen unterliegt, weshalb wesentliche Änderungen der Betriebserlaubnis eine Zustimmung der Behörden in Ottawa erfordern.
Die Differenzen betreffen insbesondere die Zulassung von Strahlflugzeugen, den sogenannten Jets, die im Vergleich zu den derzeit eingesetzten Turboprop-Maschinen eine höhere Passagierkapazität und eine größere Reichweite aufweisen. Der kanadische Verkehrsminister Steven MacKinnon betonte, dass die Bundesregierung keinen Anlass sieht, das Verbot für den regulären Jet-Betrieb aufzuheben. Die Provinzregierung argumentiert dagegen mit verkehrspolitischen Erfordernissen und der Entlastung anderer Verkehrsknotenpunkte in der Region.
Bürgerbefragung und öffentliche Meinungsbildung
Ein zentrales Argument in der Argumentation der Bundesregierung ist das Ergebnis einer umfangreichen öffentlichen Konsultation. Über 87.000 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, ihre Einschätzung zur Entwicklung des Flughafens auf der Insel abzugeben. Die hohe Beteiligung verdeutlicht das ausgeprägte Interesse der Bevölkerung an den städtebaulichen und betrieblichen Rahmenbedingungen des Standorts.
Aus den Rückmeldungen geht hervor, dass ein erheblicher Teil der Befragten Bedenken hinsichtlich einer Ausweitung des Flugbetriebs äußert. Verkehrsminister MacKinnon verwies darauf, dass die Position der Bundesregierung diese Rückmeldungen widerspiegele. Die Provinzverwaltung von Ontario hält dem entgegen, dass bei der Verfolgung von Infrastrukturprojekten auch langfristige wirtschaftliche Faktoren und die Anbindung der Region an den Flugverkehr berücksichtigt werden müssten. Prabmeet Sarkaria bekräftigte, dass die Provinz ihre Planungen trotz des negativen Votums aus Ottawa nicht aufgeben werde.
Aktuelle Baumaßnahmen und sicherheitstechnische Anpassungen
Unabhängig von den politischen Auseinandersetzungen über die künftige Nutzung werden auf dem Areal des Flughafens derzeit Infrastrukturarbeiten durchgeführt. Diese Maßnahmen dienen der Anpassung der Start- und Landebahnen an geltende Sicherheitsstandards für Luftfahrtanlagen. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten an den Sicherheitszonen am Ende der Landebahnen, den sogenannten Runway End Safety Areas.
Die Flughafenbetreiber stellen klar, dass diese aktuellen Baumaßnahmen nicht mit den Umbauplänen für den Betrieb von Strahlflugzeugen im Zusammenhang stehen. Die technischen Anpassungen verbessern die Sicherheitsreserven für den bestehenden Betrieb mit Turboprop-Flugzeugen und kleineren Maschinen der allgemeinen Luftfahrt. Sie schaffen jedoch weder die baulichen Voraussetzungen noch die erforderliche Pistenlänge für den Start oder die Landung von größeren Strahlflugzeugen.
Zuständigkeiten und rechtlicher Rahmen des Standorts
Die rechtliche Struktur des Flughafens Billy Bishop ist durch eine dreiseitige Vereinbarung geregelt, die im Jahr 1983 zwischen der Bundesbehörde Ports Toronto, der Stadtverwaltung von Toronto und der Flughafenbehörde geschlossen wurde. Dieses Tripartite Agreement legt fest, dass der Einsatz von Strahlflugzeugen im regulären Linienverkehr grundsätzlich untersagt ist. Eine Änderung dieser Bestimmung setzt das Einverständnis aller drei Vertragsparteien voraus.
Da die Stadtverwaltung von Toronto sowie die Bundesregierung eine Aufhebung des Verbots ablehnen, fehlen der Provinz Ontario derzeit die rechtlichen Grundlagen für eine eigenständige Umsetzung der Ausbaupläne. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass ohne eine Grundsatzänderung des Vertrags von 1983 keine rechtssichere Zulassung von Jet-Flugzeugen an diesem Standort möglich ist.
Verkehrspolitische Bedeutung in der Region Toronto
Der Flughafen Billy Bishop dient vor allem der Abwicklung von Kurzstreckenflügen innerhalb Kanadas und in die Vereinigten Staaten. Durch seine Lage in unmittelbarer Nähe zum Finanzdistrikt der Stadt wird der Standort vor allem von Geschäftsreisenden genutzt. Hauptnutzer ist die Fluggesellschaft Porter Airlines, die von hier aus Strecken mit Turboprop-Maschinen des Typs Dash 8-Q400 bedient.
Die Diskussion über den Ausbau steht auch im Zusammenhang mit der Gesamtkapazität der Verkehrsinfrastruktur im Großraum Toronto. Der internationale Flughafen Toronto Pearson übernimmt den Großteil des Langstrecken- und Schwerlastverkehrs. Befürworter einer Kapazitätserweiterung auf der Insel argumentieren, dass eine Öffnung für kleinere Strahlflugzeuge zusätzliche Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ermöglichen würde. Kritiker betonen hingegen, dass die bestehenden Kapazitäten auf der Insel ausreichend seien und der Schwerpunkt auf den Ausbau von schienengebundenen Nahverkehrsanbindungen gelegt werden sollte.