Der Lufthansa-Konzern hat im Zuge des staatlichen Privatisierungsverfahrens ein offizielles Angebot für den Einstieg bei der portugiesischen Fluggesellschaft TAP Air Portugal abgegeben. Wie die deutsche Airline-Gruppe mitteilte, wurde die Offerte am 29. Juli 2026 bei der staatlichen Holdinggesellschaft Parpública eingereicht.
Angestrebt wird zunächst der Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an dem portugiesischen Star-Alliance-Partner. Mit diesem Schritt verfolgt Lufthansa das Ziel, das Drehkreuz Lissabon als Ausgangspunkt für Verbindungen über den Südatlantik nach Südamerika – insbesondere Brasilien – sowie nach Afrika tiefer in das bestehende Konzernnetzwerk einzubinden.
Das Engagement in Portugal umfasst neben dem geplanten Aktienkauf weitere betriebliche Aktivitäten. Die Konzerntochter Lufthansa Technik baut derzeit im nordportugiesischen Santa Maria da Feira bei Porto einen neuen Standort für die Reparatur von Triebwerksteilen und Flugzeugkomponenten auf, durch den die Zahl der Beschäftigten des Konzerns in Portugal mittelfristig von derzeit gut 500 auf über 1.000 Personen ansteigen soll. Vorstandschef Carsten Spohr verwies in diesem Zusammenhang auf frühere Beteiligungen an europäischen Gesellschaften wie SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines und ITA Airways, bei denen die jeweiligen Drehkreuze und Markenidentitäten im Konzernverbund erhalten blieben.
Der Verkaufsrozess von TAP Air Portugal gestaltet sich jedoch politisch wie wettbewerbsrechtlich komplex. Neben der Lufthansa zeigen auch die europäischen Konkurrenten Air France-KLM und die IAG-Gruppe (unter anderem British Airways und Iberia) Interesse an der teilweisen Reprivatisierung der staatlichen Fluggesellschaft. Die portugiesische Regierung pocht bei der Vergabe auf Garantien für den Erhalt des Drehkreuzes Lissabon, die Sicherung der nationalen Routenstruktur sowie den Verbleib von Arbeitsplätzen im Land. Zivilgesellschaftliche Initiativen und Gewerkschaften vor Ort äußerten wiederholt Bedenken hinsichtlich eines möglichen Stellenabbaus und einer Verlagerung von Entscheidungskompetenzen ins Ausland.
Kritische Marktbeobachter verweisen zudem auf erhebliche Kapazitätsengpässe am überlasteten Flughafen Lissabon-Humberto Delgado, die das kurzfristige Wachstumspotenzial von TAP spürbar einschränken. Die Fertigstellung des geplanten neuen Großflughafens im Raum Lissabon ist erst für die kommenden Jahrzehnte vorgesehen. Zudem wird eine Übernahme durch die Europäische Kommission und die zuständigen Wettbewerbsbehörden genau geprüft werden, da Überschneidungen auf den Strecken zwischen Mitteleuropa und Südatlantik zu Auflagen bei der Abgabe von Start- und Landerechten führen könnten.