Die Zivilluftfahrtbehörden der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägyptens haben in Kairo ein Abkommen zur schrittweisen Ausweitung der gegenseitigen Verkehrsrechte unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht vor, die Kapazitäten im Luftverkehr zwischen beiden Staaten über einen Zeitraum von fünf Jahren kontinuierlich zu erhöhen.
Das Ziel der Regierungsvertreter besteht darin, das Flugangebot an die steigende Nachfrage im Personen- und Frachtverkehr anzupassen. Durch die rechtliche Öffnung sollen sowohl Fluggesellschaften beider Länder als auch die Bereiche Tourismus, Handel und grenzüberschreitende Investitionen gestärkt werden.
Das Abkommen betrifft vor allem Großflughäfen wie Kairo, Kairo-West, Dubai und Abu Dhabi, auf denen der Reise- und Warenverkehr zwischen Nordafrika und der Golfregion abgewickelt wird. Insbesondere die großen Netzwerkträger der VAE wie Emirates, Etihad Airways und flydubai sowie die ägyptische Staatsairline EgyptAir erhalten dadurch mehr Spielraum bei der Taktung ihrer Strecken. Ergänzend profitieren auch Billigfluggesellschaften wie Air Arabia und Wizz Air Abu Dhabi von der schrittweisen Vergabe neuer Flugrechte auf Sekundärrouten, was die Preiskonkurrenz auf den Verbindungen anfeuern dürfte.
Trotz der vereinbarten Marktöffnung verweisen Branchenbeobachter auf bestehende strukturelle Hürden. Das drastische Kapazitätswachstum trifft an Schlüsselstandorten wie dem Flughafen Kairo auf infrastrukturelle Engpässe bei der Abfertigung am Boden und im Luftraum. Zudem sorgen wirtschaftliche Schwankungen und Währungsrisiken in Ägypten für Unsicherheiten bei der langfristigen Streckenplanung der Fluggesellschaften. Es bleibt abzuwarten, in welchem Tempo die beteiligten Airlines die neu eingeräumten Frequenzen in vollem Umfang nutzen können.
Kritisch gesehen wird zudem das ungleiche Kräfteverhältnis zwischen den stark kapitalisierten Golf-Carriern und den staatlichen sowie privaten Fluggesellschaften Ägyptens. Während die Fluggesellschaften aus den VAE über moderne Flotten und weltweite Drehkreuze verfügen, steht EgyptAir unter hohem Druck, die eigenen Marktanteile auf den ertragreichen Strecken im Nahen Osten zu verteidigen. Die Umsetzung der Vereinbarung wird daher genau beobachtet werden müssen, um zu sehen, ob beide Seiten gleichermaßen von der schrittweisen Marktliberalisierung profitieren.