Bei der kanadischen Fluggesellschaft Westjet hat der angekündigte Streik der Flugbegleiter begonnen, was zu erheblichen Beeinträchtigungen im nordamerikanischen Luftverkehr führt. Wie das Unternehmen mitteilte, müssen sämtliche planmäßigen Flüge mit den Flugzeugtypen Boeing 737 und Boeing 787 vorübergehend ausgesetzt werden.
Nach ersten Schätzungen der Fluggesellschaft sind bereits rund 250.000 Fluggäste von den Ausfällen betroffen. Sollte der Tarifkonflikt andauern, ist in den kommenden Tagen mit weiteren Streichungen im nationalen und internationalen Streckennetz zu rechnen.
Hintergrund des Arbeitskampfes sind festgefahrene Tarifverhandlungen zwischen der Unternehmensführung und der Gewerkschaft Canadian Union of Public Employees (CUPE). Die Belegschaft fordert eine Vergütung für die gesamte tatsächliche Arbeitszeit. Bislang werden Flugbegleiter im nordamerikanischen Luftfahrtsektor häufig erst ab dem Schließen der Flugzeugtüren bezahlt, wodurch Tätigkeiten wie das Boarding der Passagiere, Sicherheitskontrollen am Boden und witterungsbedingte Wartezeiten unvergütet bleiben. Zudem fordert die Gewerkschaft spürbare Lohnsteigerungen, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen und insbesondere die Einstiegsgehälter für jüngere Beschäftigte anzuheben.
Der Streik trifft Westjet in einer Phase hoher Auslastung und verschärft die Lage für Reisende in Kanada und den USA. Die Fluggesellschaft versucht, betroffene Passagiere auf Partnergesellschaften umzubuchen oder Ticketpreise zu erstatten, jedoch stoßen die Kapazitäten im Markt an ihre Grenzen. Die kanadische Arbeitsbehörde und Regierungsvertreter beobachten die Entwicklung aufmerksam, da der Ausfall eines der größten Verkehrsträger des Landes erhebliche wirtschaftliche Folgen für den Reise- und Logistiksektor nach sich zieht.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass die Debatte um die Bezahlung von Bodenzeiten ein branchenweites Thema in Nordamerika darstellt, da immer mehr Gewerkschaften diese Praxis in neuen Tarifverträgen beenden wollen. Für Westjet bedeutet eine Nachgabe in den Verhandlungen eine dauerhafte Erhöhung der operativen Personalkosten. Sollten sich die Parteien nicht zeitnah auf einen Kompromiss einigen, droht eine langwierige Unterbrechung des Betriebes mit entsprechend finanziellen Verlusten für das Unternehmen.