Am Flughafen Düsseldorf ist ein Streit zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und dem Bodenabfertigungsunternehmen AHS Düsseldorf über die fristgerechte Auszahlung von Lohn- und Zeitguthaben entbrannt.
Die Gewerkschaft wirft dem Dienstleister vor, fällige Arbeitszeitguthaben von knapp 100 Beschäftigten nicht rechtzeitig ausgezahlt zu haben. Nach Angaben der Gewerkschaftsführung betreffe die Verzögerung Jahresarbeitszeitkonten, die zu den Stichtagen Ende März sowie Ende April 2026 zurückgesetzt worden seien. Die daraus resultierenden finanziellen Ansprüche hätten spätestens Ende April 2026 an die Mitarbeiter überwiesen werden müssen. Das Unternehmen AHS Düsseldorf widerspricht den Vorwürfen einer systematischen Benachteiligung, räumt jedoch administrative Unstimmigkeiten und Verzögerungen im Zusammenhang mit der Übernahme von Personal eines früheren Dienstleisters ein. Der Vorfall wirft ein Licht auf die komplexen personalwirtschaftlichen Herausforderungen und organisatorischen Abläufe bei den Bodenabfertigungsdiensten an deutschen Großflughäfen.
Vorwürfe der Gewerkschaft und Verzögerungen bei Lohnzahlungen
Nach Darstellung von Verdi-Gewerkschaftssekretär Andrej Bill waren die entsprechenden Gelder für die betroffenen Mitarbeiter Anfang Mai 2026 noch nicht auf den Konten eingegangen, wodurch sich das Unternehmen im Zahlungsverzug befunden habe. Zudem kritisiert die Gewerkschaft, dass die Unternehmensleitung die Belegschaft im Vorfeld nicht aktiv über die Verzögerungen bei der Entgeltabwicklung informiert habe. Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung handelt es sich dabei nicht um einen Einzelfall im laufenden Jahr. Bereits im März 2026 sei es bei Teilen der Düsseldorfer Belegschaft zu verspäteten Überweisungen der regulären Monatslöhne gekommen.
Die Gewerkschaft sieht in den wiederholten Unregelmäßigkeiten eine erhebliche Belastung für die Beschäftigten im Bodenverkehrsdienst, die im Schichtbetrieb für den reibungslosen Ablauf der Flugabfertigung an den Terminals und auf dem Vorfeld sorgen. Verdi hat den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geraten, sämtliche Lohnabrechnungen sowie die monatlichen Stände der Arbeitszeitkonten eigenständig und detailliert zu überprüfen. Im Zweifelsfall sollten rechtliche Ansprüche fristgerecht gegenüber dem Arbeitgeber geltend gemacht werden, um ein Verfallen von Guthaben durch Ausschlussfristen zu verhindern.
Darstellung der AHS Düsseldorf und betriebliche Hintergründe
Das Unternehmen AHS Düsseldorf trat den Vorwürfen in wesentlichen Punkten entgegen und erläuterte die betrieblichen Hintergründe der Verzögerungen. Nach Angaben der Unternehmensführung stand die Auszahlung der Arbeitszeitguthaben im direkten Zusammenhang mit dem Betriebsübergang und der Übernahme ehemaliger Beschäftigter des früheren Dienstleisters Acciona. Die Zuordnung der Arbeitszeitkonten sei zwar zu den festgelegten Stichtagen erfolgt, die bilanzielle Berücksichtigung und die darauffolgende Auszahlung der Beträge seien jedoch turnusgemäß zeitversetzt im jeweils nachfolgenden Monat durchgeführt worden.
Dabei sei es in einzelnen Fällen zu Zuordnungsproblemen in den Stammdaten gekommen, da die vorherige Zugehörigkeit zum Dienstleister Acciona in den Personalsystemen nicht auf Anhieb eindeutig erkennbar gewesen sei. Diese Fälle seien nach manueller Überprüfung nachträglich korrigiert und zur Auszahlung gebracht worden. Bei denjenigen Mitarbeitern, die bereits Ende 2025 oder Anfang 2026 reguläre Arbeitsverträge direkt bei AHS erhalten hatten, sei der Ausgleich der Arbeitszeitkonten hingegen schon zu einem früheren Zeitpunkt ordnungsgemäß abgewickelt worden. Das Unternehmen betonte, dass die ausstehenden Hauptforderungen mittlerweile beglichen seien. Lediglich die Berechnung und Auszahlung von entstandenen Verzugszinsen im Zusammenhang mit den verspäteten Lohnzahlungen nehme in einzelnen Fällen noch zusätzliche Bearbeitungszeit in Anspruch.
Administrative Unstimmigkeiten bei der Erfassung von Arbeitszeiten
Unabhängig von den Fristfragen bestätigte AHS Düsseldorf, dass im Rahmen der internen Prüfungen vereinzelte Unstimmigkeiten bei der Verwaltung der Arbeitszeitkonten aufgetreten sind. Diese betrafen unter anderem die Korrektheit bei der Zuordnung von genommenen Urlaubs- und Krankheitstagen sowie Fehler bei der Übertragung von geleisteten Überstunden auf die jeweiligen Jahresarbeitszeit- oder Freizeitkonten. Zur Bereinigung dieser Einzelfälle habe die Personalabteilung in enger Abstimmung mit den zentralen HR Services und der lokalen Stationsleitung am Flughafen Düsseldorf eine detaillierte Prüfung eingeleitet.
Eine gezielte oder bewusste Benachteiligung der Beschäftigten weist das Management ausdrücklich zurück. Dennoch haben die zahlreichen Rückfragen aus der Belegschaft nach Unternehmensangaben gezeigt, dass die internen Regelungen zur Handhabung der Jahresarbeitszeit- und Freizeitkonten für die Mitarbeiter transparenter und verständlicher aufbereitet werden müssen. Zu diesem Zweck wurden interne Projektgruppen eingerichtet, die die bestehenden Prozesse analysieren, Fehlerquellen in den Abrechnungssystemen identifizieren und dauerhafte Optimierungen der Abläufe erarbeiten sollen.
Dialog mit dem Betriebsrat und Einordnung im Marktumfeld
Während des gesamten Überprüfungs- und Korrekturprozesses hat das Unternehmen nach eigenen Angaben im ständigen Austausch mit dem örtlichen Betriebsrat gestanden. Bei konkreten Einzelanfragen sei zudem der Kontakt zur Gewerkschaft Verdi gesucht worden. Die aufgetretenen Verzögerungen bei den Lohnzahlungen wurden darüber hinaus im Rahmen einer außerordentlichen Betriebsversammlung gegenüber der Belegschaft offengelegt und diskutiert.
Der Vorfall verdeutlicht die organisatorische Komplexität bei der Personalverwaltung in der Bodenabfertigungsbranche. Durch Wechsel von Dienstleistern an den Großflughäfen, variierende Flugpläne und den Einsatz flexibler Arbeitszeitmodelle wie Jahresarbeitszeitkonten entstehen hohe Anforderungen an die Lohnbuchhaltung. Für die Fluggesellschaften und Passagiere am Flughafen Düsseldorf ist eine verlässliche und zufriedene Personalstruktur bei den Abfertigungsdiensten von grundlegender Bedeutung, da organisatorische Probleme bei den Dienstleistern direkte Auswirkungen auf die Pünktlichkeit der Flugabfertigung haben können.