Die im Juni 2026 bei einem Zwischenfall am Flughafen Frankfurt am Main beschädigte Boeing 787-9 der Lufthansa wird repariert und soll noch im Laufe des aktuellen Jahres wieder in den regulären Liniendienst integriert werden.
Dies gab Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr im Rahmen der Bilanzpressekonferenz zum ersten Halbjahr bekannt. Unmittelbar nach dem Vorfall war der Umfang der strukturellen Schäden am Rumpf und am Fahrwerkssystem noch unklar, weshalb zeitweise ein Totalschaden der betroffenen Maschine nicht ausgeschlossen werden konnte.
Der Vorfall ereignete sich am 4. Juni am Gate A15 des Frankfurter Drehkreuzes, als das Bugfahrwerk des Langstreckenflugzeugs mit dem Taufnamen „Herne“ während der Bodenvorbereitungen für den Flug LH450 nach Los Angeles einknickte. Zum Zeitpunkt des Unfalls befanden sich keine Passagiere an Bord, jedoch erlitten mehrere Besatzungsmitglieder sowie Mitarbeiter des Bodendienstes Verletzungen. Ein erster Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) deutet darauf hin, dass ein fehlerhafter oder fehlender Sicherungsstift beim Abschlepp- beziehungsweise Parkvorgang das ungewollte Einfahren des Fahrwerks ausgelöst haben könnte. Das Flugzeug war erst im Januar 2026 fabrikneu vom Hersteller an die Fluggesellschaft übergeben worden.
Um den Ausfall der Langstreckenkapazität mitten im Sommerflugplan zu kompensieren, musste die Fluggesellschaft kurzfristig auf bestehende Reserven zurückgreifen. Die Lufthansa reaktivierte dafür ein Flugzeug des Typs Airbus A340-300, das ursprünglich nur als operative Reserve vorgesehen war, um den Flugplan nach Nordamerika aufrechtzuerhalten. Die Reparatur der Boeing 787 erfordert die Einbindung von Spezialisten des Herstellers, da die kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffstruktur (CFK) des Rumpfes im Bereich der Bugradaufhängung genauen Prüf- und Instandsetzungsverfahren unterzogen werden muss.
Luftfahrt- und Sicherheitsexperten verweisen darauf, dass Zwischenfälle an Parkpositionen nicht nur direkte Reparaturbeträge im zweistelligen Millionenbereich verursachen, sondern auch komplexe versicherungsrechtliche Fragen zwischen Airline, Flughafenbetreiber und Bodenabfertigungsdiensten aufwerfen. Der genaue Hergang der Wartungs- und Vorbereitungsschritte am Taggrund bleibt Gegenstand der laufenden Ermittlungen der Luftfahrtbehörden. Die Wiederinbetriebnahme der Maschine wird nach Abschluss aller technischen Abnahmen und Testflüge erwartet.