Airbus A320neo (Foto: Air Astana).
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Air Astana: Erlössteigerungen durch höhere Flugpreise bei simultanem Rutsch in die Verlustzone

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Die kasachische Fluggesellschaft Air Astana, zu der auch der Günstigflieger FlyArystan gehört, verzeichnete im zweiten Quartal 2026 ein deutliches Umsatzwachstum, rutschte jedoch aufgrund massiver Ausgabensteigerungen im ersten Halbjahr 2026 in die Verlustzone.

Trotz weitgehend gleichbleibender Flugkapazitäten und eines leicht rückläufigen Passagieraufkommens stiegen die Gesamteinnahmen der Unternehmensgruppe im zweiten Quartal 2026 um 18,3 Prozent auf 433,0 Millionen US-Dollar. Haupttreiber dieser Entwicklung waren gestiegene Ticketpreise sowie höhere Erlöse pro angebotenem Sitzplatzkilometer. Gleichzeitig führten stark veränderte Kerosinpreise an internationalen Stationen, Währungseffekte bei der Landeswährung Tenge sowie anhaltende Aufwendungen im Zusammenhang mit Triebwerksinspektionen zu einem deutlichen Anstieg der Stückkosten. Für die ersten sechs Monate des Jahres 2026 weist die Unternehmensgruppe einen Nettoverlust von 21,2 Millionen US-Dollar aus, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 10,7 Millionen US-Dollar erwirtschaftet werden konnte.

Auseinanderdriften von Einnahmen und Betriebsausgaben im zweiten Quartal

Die finanzielle Schere zwischen den Erträgen und den Aufwendungen öffnete sich im zweiten Quartal 2026 spürbar. Während die Erlöse pro angebotenem Sitzplatzkilometer um 18,5 Prozent zulegten, kletterten die Gesamtkosten pro Einheit im selben Zeitraum um 24,3 Prozent. In der Konsequenz sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasingaufwendungen (EBITDAR) im zweiten Quartal um 3,7 Prozent auf 93,6 Millionen US-Dollar. Die Zahl der beförderten Passagiere ging im Quartalsvergleich leicht um 1,7 Prozent auf 2,45 Millionen Fluggäste zurück, was verdeutlicht, dass das Umsatzplus primär über das Preisniveau und nicht über ein Volumenwachstum generiert wurde.

Einen erheblichen Teil des Ausgabensprungs führt das Management auf die Preisentwicklung beim Flugkraftstoff an den ausländischen Vertretungen zurück. Die durchschnittlichen Kerosinkosten an den internationalen Stationen der Air Astana haben sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt. Das Unternehmen führt diese Schwankungen auf geopolitische Verwerfungen und veränderte Lieferketten im Zuge der Auseinandersetzungen im Nahen Osten zurück. Zusätzliche finanzielle Belastungen entstanden durch eine Festigung des kasachischen Tenge, gestiegene Personalaufwendungen sowie höhere Aufwendungen für Flugzeugeigentum und Instandhaltungsmaßnahmen.

Einfluss der Pratt & Whitney-Triebwerksprobleme auf den Flotteneinsatz

Neben den Treibstoffkosten stellten die branchenweiten Triebwerksprobleme des Herstellers Pratt & Whitney einen anhaltenden Belastungsfaktor dar. Ein Großteil der Flotte der Airbus A320-Familie von Air Astana und FlyArystan ist mit diesen Aggregaten ausgerüstet, die seit 2023 weltweit vorgezogene Inspektionen und verlängerte Werkstattaufenthalte erforderlich machen. Diese ungeplanten Bodenzeiten führten in den vergangenen Geschäftsjahren zu Kapazitätsengpässen und Ausweichchartern.

Nach Angaben der Unternehmensleitung zeichnet sich bei dieser Problematik jedoch eine schrittweise Entlastung ab. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lag die Zahl der am Boden stehenden Flugzeuge im zweiten Quartal 2026 um etwa 60 Prozent niedriger. Für die Sommersaison 2027 rechnet das Management damit, dass keine Maschinen mehr aufgrund dieser spezifischen Inspektionen stillstehen müssen. Unternehmenschef Ibrahim Canliel erklärte, dass die Visibilität hinsichtlich der Triebwerksausfälle deutlich zugenommen habe und das zweite Quartal 2026 einen Wendepunkt bei der operativen Beeinträchtigung der Flottenkapazität darstelle.

Ausbau des internationalen Streckennetzes und Fokus auf Asien

Trotz des finanziellen Drucks setzte Air Astana den Ausbau des internationalen Streckennetzes im ersten Halbjahr 2026 fort. Ein Schwerpunkt der Netzwerkausrichtung lag auf dem chinesischen Markt, wo die angebotene Sitzplatzkapazität im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 81 Prozent gesteigert wurde. Air Astana richtete eine neue Linienverbindung zwischen der Hauptstadt Astana und Guangzhou ein. Die Tochtergesellschaft FlyArystan nahm Flüge von Aktau nach Urumqi sowie von Almaty nach Xi’an und Chongqing auf. Zusammen mit einer bereits zuvor eingeführten Verbindung nach Shanghai plant die Unternehmensgruppe, bis Ende 2026 insgesamt neun Städte in China anzufliegen.

Darüber hinaus verdoppelte die Fluggesellschaft ihre Frequenzen auf der Strecke zwischen Almaty und Delhi auf zwei tägliche Verbindungen und stockte die Flugdichten nach London, Frankfurt am Main und Istanbul auf. Ergänzt wurde das Flugprogramm durch saisonale Zielorte wie Larnaka auf Zypern und Dalaman in der Türkei sowie die Wiederaufnahme von Sommerrouten nach Batumi in Georgien und Da Nang in Vietnam. Dieser Netzausbau führte zu einem Anstieg des Transitverkehrs über die Drehkreuze Almaty und Astana um 82 Prozent im zweiten Quartal 2026, was die Bedeutung Zentralasiens als Umsteigeregion im Ost-West-Verkehr unterstreicht.

Für die nahe Zukunft stellt sich die Unternehmensgruppe auf anhaltenden Kostendruck ein. Die Führung kündigte an, die Kapazitäten auf einzelnen Routen bei Bedarf anzupassen, um die Gewinnspannen vor weiteren Eintrübungen zu schützen. Mittel- bis langfristig hält Air Astana an ihren Ausbauplänen fest. Bis zum Jahr 2030 soll die kombinierte Flotte von Air Astana und FlyArystan auf insgesamt 86 Flugzeuge anwachsen. Mittelfristig wird zudem angestrebt, die EBITDAR-Marge wieder in den mittleren bis hohen Bereich von über 20 Prozent zurückzuführen.

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