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Untersagung der Übernahme der NHV Group durch GD Helicopter Finance

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Die belgische Regierungsbehörde für ausländische Direktinvestitionen hat die geplante Übernahme des Hubschrauberbetreibers NHV Group durch den irischen Leasinganbieter GD Helicopter Finance blockiert.

Wie das in Ostende ansässige Unternehmen NHV Group am 5. August 2026 mitteilte, wird die im Dezember 2025 angekündigte Transaktion aufgrund der Entscheidung des Interföderalen Prüfungsausschusses nicht vollzogen. Damit verbleiben die Eigentums- und Kontrollverhältnisse des Luftfahrtunternehmens unverändert. Mehrheitseigentümer der NHV Group bleibt die französische Private-Equity-Gesellschaft Ardian, die das Unternehmen bereits seit dem Jahr 2013 im Portfolio führt. Ausschlaggebend für die behördliche Untersagung waren Bedenken bezüglich der Eigentümerstruktur des Käufers, der zwar seinen Sitz in Dublin hat, aber über seine Muttergesellschaft unter dem Einfluss chinesischer Eigner steht. Dies führte vor dem Hintergrund militärischer Wartungsaufträge und kritischer Infrastrukturaufgaben zu einer eingehenden Sicherheitsüberprüfung.

Eigentümerstruktur von GD Helicopter Finance und behördliches Prüfverfahren

Der Kaufinteressent GD Helicopter Finance ist in Irland registriert und wird von Geschäftsführer Michael York geleitet. Das Unternehmen fungiert jedoch als Tochtergesellschaft der GDAT Group mit Sitz in Shanghai. Dieses im Jahr 2012 gegründete chinesische Luftfahrtunternehmen wird von Peter Jiang geführt, der auch das Eigentum an der irischen Leasinggesellschaft hält. Die GDAT-Gruppe betreibt in China rund 100 Hubschrauber der Hersteller Airbus und Leonardo. GD Helicopter Finance wurde im Jahr 2024 ins Leben gerufen, um Fluggeräte zu verwalten, die ursprünglich von der chinesischen Muttergesellschaft bestellt worden waren.

Die rechtliche Grundlage für das Einschreiten der belgischen Behörden bildet der am 1. Juli 2023 in Kraft getretene nationale Prüfmechanismus für ausländische Direktinvestitionen. Dieser ermächtigt die Behörden, Übernahmen von belgischen Unternehmen in sensitiven Sektoren durch Investoren aus Nicht-EU-Staaten zu untersuchen und bei Bedarf zu unterbinden. Zu den geschützten Sektoren zählen unter anderem die Energieversorgung, die Verteidigungsinfrastruktur sowie kritische Transportnetze. Der zuständige Interföderale Prüfungsausschuss setzt sich aus zwölf Vertretern der föderalen Ebene, der Regionen und der Gemeinschaften Belgiens zusammen. Im konkreten Fall waren zudem der Föderale Öffentliche Dienst Wirtschaft sowie die belgische Wettbewerbsbehörde an den Analysen beteiligt.

Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit militärischen Instandhaltungsaufträgen

Ein wesentlicher Auslöser für die strenge Prüfung und die spätere Ablehnung der Übernahme waren die Verbindungen der NHV Group zu Verteidigungsprojekten des belgischen Staates. Der flämische öffentliche Rundfunksender VRT NWS berichtete am 7. Februar 2026, dass der belgische Militärnachrichtendienst ADIV die Überprüfung des Vorgangs übernommen hatte. Neben der Bedeutung der NHV Group für die Logistik der Offshore-Energieerzeugung in der Nordsee richtete sich das Augenmerk der Sicherheitsbehörden auf eine geplante Einbindung des Unternehmens in die Wartung von Militärhubschraubern.

Belgien hat über die NATO Support and Procurement Agency insgesamt 20 Hubschrauber des Typs Airbus H145M geordert, wovon 15 Maschinen für die Streitkräfte und fünf für die Föderale Polizei bestimmt sind. Das erste Exemplar dieser Tranche wurde am 24. Juni 2026 ausgeliefert. Während der Hersteller Airbus den Hauptvertrag für die Instandhaltung hält, bewarb sich die NHV Group als Subunternehmer für die Durchführung dieser Arbeiten. Vertreter des Verteidigungsministeriums erklärten, dass die Vergabe dieser Aufträge bis zur Klärung der Eigentümerverhältnisse ausgesetzt wurde. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass das Unternehmen die Wartung von Militärgerät im Falle einer Übernahme durch ein Unternehmen mit chinesischer Eigentümerstruktur nicht hätte durchführen können. Zudem verfügte die NHV Group zum Zeitpunkt der Prüfung über keine Sicherheitsunbedenklichkeitsbescheinigung der Nationalen Sicherheitsbehörde.

Einordnung in internationale Entwicklungen bei Beteiligungsprüfungen

Die Entscheidung der belgischen Behörden reiht sich ein in eine Abfolge verschärfter Überprüfungsverfahren westlicher Staaten gegenüber chinesischen Unternehmensbeteiligungen im Luft- und Raumfahrtsektor. In den vergangenen Jahren haben behördliche Aufsichtsgremien in Europa und Nordamerika die Sicherheitsüberprüfungen bei Transaktionen verstärkt, die den Transfer von Technologie, Wartungskapazitäten oder sensiblen Infrastrukturdaten an Akteure aus Drittstaaten betreffen könnten. Beispiele wie die Überprüfung der Eigentumsverhältnisse beim US-Flugzeugbauer Cirrus Aircraft oder der Verkauf von Continental Aerospace verdeutlichen diese Entwicklung im internationalen Luftfahrtmarkt.

Die Kontrollen erstrecken sich zunehmend auch auf Dienstleistungs- und Zulieferbetriebe, die nicht primär im Rüstungsbereich tätig sind, aber durch ihre operative Rolle Zugang zu militärischen Einrichtungen oder kritischen Logistikketten besitzen. Die Ablehnung des Verkaufs der NHV Group unterstreicht, dass behördliche Investitionsprüfungen in Europa verstärkt als Instrument der Sicherheits- und Verteidigungspolitik eingesetzt werden.

Operativer Geschäftsbetrieb und bestehende Leasingbeziehungen

Die 1997 gegründete NHV Group gehört zu den etablierten Anbietern von Hubschrauberdienstleistungen in Europa. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter und verfügt über eine Flotte von rund 28 Hubschraubern. Für das Geschäftsjahr 2025 wies die Gruppe einen Jahresumsatz von rund 155 Millionen Euro aus. Das Leistungsspektrum umfasst den Personaltransport zu Öl- und Gasplattformen sowie zu Offshore-Windparks in der Nordsee und in Westafrika, Such- und Rettungsdienste, medizinische Notfalleinsätze, Versetzdienste für Seelotsen sowie Schulungen und Instandhaltungsleistungen. Die NHV Group war zudem der weltweite Erstkunde für das Hubschraubermodell Airbus H175.

Trotz der behördlichen Absage des Unternehmensverkaufs bleiben die bestehenden rein kommerziellen Geschäftsbeziehungen zwischen der NHV Group und GD Helicopter Finance aufrecht. Im Verlauf des Jahres 2026 stellte die NHV Group zwei Hubschrauber des Typs Airbus H160 in Dienst, die von GD Helicopter Finance geleast wurden und primär vom niederländischen Standort Den Helder aus eingesetzt werden. In einer Stellungnahme betonte das Management der NHV Group, dass die Unternehmensführung, der operative Flugbetrieb, die Verpflichtungen gegenüber den Kunden sowie die strategische Ausrichtung von der behördlichen Entscheidung unberührt bleiben und der Geschäftsbetrieb in vollem Umfang fortgeführt wird.

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