Der Verband der nigerianischen Fluggesellschaften (Airline Operators of Nigeria, AON) warnt vor einer drohenden Einstellung des Flugbetriebs mehrerer inländischer Airlines innerhalb der nächsten 30 Tage.
Allen Onyema, Vizepräsident des Verbandes und Chef der größten nigerianischen Fluggesellschaft Air Peace, wies bei einer Branchenveranstaltung in Lagos auf die kritische Finanzlage der Unternehmen hin. Als Hauptgründe für die geringe Rentabilität nannte er stark gestiegene Betriebskosten, administrative Hürden sowie anhaltende Probleme bei der Währungskonvertierung und der Treibstoffversorgung im Land.
Parallel zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten richtete der AON-Vizepräsident einen Appell an die Gewerkschaften des Transport- und Luftfahrtsektors, geplante Streikmaßnahmen und Protestaktionen vorerst auszusetzen. Hintergrund des Konflikts sind Vorwürfe bezüglich angeblich nicht abgeführter Ticketabgaben an staatliche Luftfahrtbehörden. Onyema kündigte an, dass im Falle eines Streiks gegen eine einzelne Fluggesellschaft die übrigen Inlandsanbieter ihren Betrieb aus Solidarität geschlossen ruhen lassen würden. Zwar erkenne die Branche die Notwendigkeit staatlicher Einnahmen an, weitere finanzielle Sonderbelastungen oder Abgabenerhöhungen seien in der aktuellen Lage jedoch nicht tragbar.
Der Markt für die zivile Luftfahrt in Nigeria steht seit längerer Zeit unter erheblichem Druck. Neben der hohen Inflation schwächt die Abwertung der Landeswährung Naira die Kaufkraft der Passagiere und verteuert die in US-Dollar abzurechnenden Instandhaltungs- sowie Leasingsätze für Flugzeuge erheblich. Auch die Beschaffung von Kerosin stellt für viele regionale Gesellschaften wie Arik Air, Max Air oder Ibom Air ein kontinuierliches finanzielles Risiko dar, was in der Vergangenheit wiederholt zu Flugstreichungen und Verspätungen im gesamten Streckennetz führte.
Branchenbeobachter bewerten die Warnungen des Verbandes als Druckmittel gegenüber der Regierung in Abuja, um steuerliche Erleichterungen, einen verbesserten Zugang zu Devisen und ein Einfrieren staatlicher Gebühren durchzusetzen. Eine flächendeckende Einstellung des inländischen Flugverkehrs hätte jedoch gravierende Folgen für die gesamte nigerianische Wirtschaft, da das Straßennetz in Teilen des Landes als unsicher gilt und der Luftverkehr die wichtigste Infrastruktur für den Personen- und Geschäftsreiseverkehr darstellt.