Airbus A321neo (Foto: Lufthansa).
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Lufthansa: Wiederaufnahme von Hedgingaktivitäten zur Stabilisierung der Treibstoffkosten

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Der Deutsche Lufthansa Konzern nimmt nach einer vorübergehenden Unterbrechung seine derivativen Preissicherungsgeschäfte für Flugkraftstoffe wieder auf. Wie Finanzvorstand Till Streichert vor Finanzanalysten in Frankfurt am Main mitteilte, hat das Unternehmen seine Hedgingaktivitäten im Verlauf des zweiten Quartals 2026 reaktiviert, um die Treibstoffkosten für die kommenden Geschäftsjahre abzusichern. Für das Jahr 2027 hat die Airline derzeit eine Preissicherungsquote von etwas über 50 Prozent erreicht.

Ziel des Managements ist es, schrittweise zu der vor Ausbruch der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten verfolgten Strategie zurückzukehren und jeweils sechs Monate vor dem jeweiligen Abflugtermin eine Hedgingquote von 85 Prozent aufzubauen. Ergänzend zu den Finanzmarktgeschäften setzt der Luftfahrtkonzern auf operative Kapazitätsanpassungen im Streckennetz, um den anhaltenden Kostendruck in der Zivilluftfahrt zu steuern.

Verlauf der Treibstoffpreise und Auswirkung der Sicherungsgeschäfte

Flugkraftstoff bildet einen der größten einzelnen Ausgabenblöcke in der Erfolgsrechnung von Luftfahrtgesellschaften. Um sich gegen plötzliche Ausschläge an den internationalen Rohöl- und Raffineriemärkten zu schützen, setzen viele Fluggesellschaften auf finanzielle Absicherungsinstrumente wie Optionen, Futures und Swaps. Vor dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hatte die Lufthansa für 85 Prozent ihres für das Jahr 2026 erwarteten Kerosinbedarfs Obergrenzen bei den Einkaufspreisen fixiert.

Diese Sicherungsgeschäfte federten die sprunghaften Preisanstiege beim Kerosin ab, als die Marktpreise infolge der militärischen Auseinandersetzungen stiegen. Dennoch verblieb ein ungesicherter Restbedarf, der zu spürbaren finanziellen Mehrbelastungen führte. Allein für das zweite Quartal 2026 beziffert die Lufthansa die krisenbedingten Mehrausgaben für Treibstoff auf rund 750 Millionen Euro. Im Zuge der starken Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten entschied das Management vorübergehend, keine neuen Sicherungsverträge abzuschließen, um sich nicht auf einem überhöhten Preisniveau festzulegen.

Prognosen für die Treibstoffrechnung und finanzielle Kennzahlen

Nach der Stabilisierung der Notierungen an den Energiebörsen hat der Konzern seine Erwartungen für die Gesamtausgaben beim Treibstoffeinkauf im Jahr 2026 angepasst. Das Management rechnet nunmehr mit einer jährlichen Treibstoffrechnung von rund 8,7 Milliarden Euro. Dieser Wert liegt um etwa 200 Millionen Euro unter der Prognose, die der Vorstand im Mai 2026 veröffentlicht hatte.

Die Anpassung der Schätzung resultiert aus einer leichten Erholung der Raffineriemargen sowie aus leicht gesunkenen Rohölpreisen auf den Weltmärkten im Vergleich zu den Höchstständen des Frühjahrs. Gleichwohl verbleiben die Ausgaben für Kraftstoff auf einem im mehrjährigen Vergleich hohen Niveau, weshalb die schrittweise Wiederaufnahme der Kontrakte für das Folgejahr 2027 von der Konzernführung als Notwendigkeit zur Sicherung der Kalkulationsgrundlage gesehen wird.

Operative Maßnahmen im Streckennetz und Kapazitätsanpassungen

Neben den finanzwirtschaftlichen Absicherungsmaßnahmen begegnet die Lufthansa den Kostensteigerungen durch Eingriffe in das operative Flugangebot. Das Unternehmen hat Teile des Zubringernetzes an seinen Drehkreuzen ausgedünnt, um die Auslastung der verbleibenden Verbindungen zu erhöhen und schwach ausgelastete Flüge zu reduzieren.

Im Rahmen dieser Sparmaßnahmen wurde die Regionalfluggesellschaft Lufthansa Cityline im April 2026 stillgelegt. In der Folge wurden 23 Flugzeuge des Typs Bombardier CRJ-900 aus dem aktiven Dienst genommen und nicht mehr im Streckennetz eingesetzt. Konzernchef Carsten Spohr deutete an, dass das Streckenangebot im Bedarfsfall um ein weiteres Prozent reduziert werden könnte, falls die Kerosinpreise erneut steigen oder die Gesamtnachfrage im Passagierverkehr nachgeben sollte.

Rückkehr zur langfristigen Absicherungsstrategie für 2027

Für die Planung des Geschäftsjahres 2027 strebt der Konzern wieder ein schrittweises Anwachsen der Absicherungsquoten an. Mit dem Erreichen der Marke von etwas über 50 Prozent ist ein erster Schritt vollzogen. Die angestrebte Zielmarke sieht vor, jeweils ein halbes Jahr vor dem jeweiligen Durchführungsdatum der Flüge wieder eine Absicherungsquote von 85 Prozent des erwarteten Kerosinbedarfs erreicht zu haben.

Diese Strategie soll die Planbarkeit der operativen Aufwendungen erhöhen und den Konzern vor unvorhergesehenen Kurssprüngen an den Rohstoffbörsen schützen. Ob dieses Ziel ohne übermäßige Absicherungskosten erreicht werden kann, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der globalen Ölreserven, den Raffineriekapazitäten sowie der geopolitischen Lage in den Förderregionen ab.

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