Terminal D - Flughafen Scheremetjewo (Foto: Alex Beltyukov - RuSpotters Team).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

lughafen Moskau-Scheremetjewo: Staat kündigt Verkauf seiner Minderheitsbeteiligung an

Werbung

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den rechtlichen Rahmen für die Veräußerung der staatlichen Anteile am Flughafen Moskau-Scheremetjewo geschaffen. Durch ein präsidiales Dekret wurde die staatliche Beteiligung in Höhe von 30,4 Prozent von der Liste der strategisch bedeutsamen Unternehmen gestrichen, was den Weg für ein privatwirtschaftliches Bieterverfahren ebnet.

Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund spürbarer fiskalischer Belastungen des russischen Staatshaushalts, der durch die fortdauernden militärischen Auseinandersetzungen mit der Ukraine und die damit verbundenen Ausgaben unter Druck steht. Gleichwohl verzichtet die Staatsführung nicht vollständig auf ihren Einfluss im laufenden Betrieb. Über ein Sonderrecht in Form einer sogenannten goldenen Aktie behält sich der Kreml ein Vetorecht bei grundlegenden Unternehmensentscheidungen vor. Zudem schließt die Verordnung ausländische Investoren vom Erwerb der Anteile aus und verpflichtet den künftigen Miteigentümer zur Fortführung des operativen Flughafengeschäfts sowie der begonnenen Infrastrukturprojekte.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Lage des russischen Staatshaushalts

Die Veräußerung der staatlichen Minderheitsbeteiligung fällt in eine Phase erhöhter Haushaltsdefizite in der Russischen Föderation. Nach den im Juli 2026 vorgelegten Daten des Finanzministeriums droht das Haushaltsdefizit für das Gesamtjahr 2026 die ursprünglichen Planungen der Regierung um mehr als eine Billion Rubel zu überschreiten, was umgerechnet rund zehn Milliarden Euro entspricht. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 summierte sich das Fehlbetrag im Staatshaushalt auf 5,73 Billionen Rubel beziehungsweise 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dieser Wert liegt um das 1,7-Fache über dem Defizit des entsprechenden Vorjahreszeitraums 2025.

Die Einnahmensituation des Staates leidet unter den Auswirkungen internationaler Sanktionen, Beschränkungen im Rohstoffexport sowie gestiegenen Aufwendungen für den Rüstungs- und Verteidigungssektor. Um die entstandene Lücke in der Staatskasse ohne unkontrollierte Geldmengenausweitung zu schließen, greift die Regierung verstärkt auf die Privatisierung von Staatsvermögen, Sondersteuern für Großunternehmen sowie die Erschließung verbliebener Inlandsreserven zurück. Der Verkauf von Anteilen an profitablen Infrastrukturobjekten wie dem Drehkreuz Scheremetjewo stellt dabei einen Baustein zur kurzfristigen Einnahmengenerierung dar.

Regulierung der Eigentumsverhältnisse und Sonderrechte des Staates

Trotz des geplanten Verkaufs von 30,4 Prozent des Aktienkapitals sichert sich der russische Staat eine entscheidende Kontrollposition im Unternehmen. Das präsidiale Dekret verankert den Einsatz einer goldenen Aktie im Statut der Betreibergesellschaft. Dieses juristische Instrument räumt den Regierungsvertretern im Aufsichtsrat umfassende Vetorechte bei strategischen Beschlüssen ein. Dazu zählen Umstrukturierungen der Eignergesellschaft, Änderungen des Satzungszwecks, große Kapitalmaßnahmen oder der Verkauf wesentlicher Vermögenswerte des Flughafens.

Darüber hinaus schließt der Erlass Investoren aus Staaten außerhalb der Russischen Föderation explizit von der Teilnahme am Verkaufsverfahren aus. Künftige Erwerber müssen Inländer sein und den Nachweis erbringen, dass der operative Flugbetrieb ohne Unterbrechung fortgeführt werden kann. Der neue Anteilseigner wird zudem verpflichtet, die vertraglich vereinbarten Modernisierungs- und Ausbauarbeiten an den Terminalgebäuden, Landebahnen und Logistikanlagen des Drehkreuzes auf eigene Kosten weiterzubetreiben. Damit soll sichergestellt werden, dass die betriebliche Infrastruktur der zivilen Luftfahrt auch bei einem vollständigen Rückzug des Staates aus der Stammkapitalstruktur erhalten bleibt.

Struktur der Mehrheitseigentümer und historische Verflechtungen

Die verbleibenden 66 Prozent der Geschäftsanteile am Flughafen Moskau-Scheremetjewo befinden sich im Besitz der russischen Gesellschaft Scheremetjewo Holding. Die genaue Struktur der wirtschaftlich Berechtigten dieser Holding wird in den öffentlichen Registern derzeit nicht transparent ausgewiesen. Bekannt ist jedoch, dass die Holding vor der Verlegung ihres Firmensitzes von Zypern nach Russland im Jahr 2022 von Unternehmensstrukturen kontrolliert wurde, die dem Geschäftsmann Arkadi Rotenberg und dessen Geschäftspartnern zugerechnet werden.

Die Reduzierung des staatlichen Direktbesitzes fügt sich in die langfristige Entwicklung der Eigentümerstruktur des größten Moskauer Flughafens ein. Scheremetjewo dient als Heimatflughafen der nationalen Fluggesellschaft Aeroflot und fertigt einen Großteil des Passagier- und Frachtverkehrs der russischen Hauptstadt ab. Mit der Übertragung weiterer Spielräume an private Eignergesellschaften verstärkt sich die Konzentration von Infrastrukturvermögen in den Händen inländischer Unternehmungen, die eng mit den Vorgaben der staatlichen Luftfahrtpolitik verbunden sind.

Herausforderungen für den Flugbetrieb und den Luftverkehrssektor

Die künftige Eigentümerstruktur von Scheremetjewo steht vor der Aufgabe, den Flughafen unter veränderten Rahmenbedingungen im zivilen Luftverkehr wirtschaftlich zu führen. Die Beschränkungen des europäischen und nordamerikanischen Luftraums für russische Fluggesellschaften sowie die Einstellung von Flügen westlicher Airlines nach Moskau haben die Passagierströme auf den internationalen Routen verschoben. Das Drehkreuz verzeichnet zwar eine Ausweitung des Inlandsreiseverkehrs sowie von Verbindungen in Staaten Asiens, des Nahen Ostens und Lateinamerikas, hat jedoch das Vorkrisenniveau im internationalen Langstreckenverkehr noch nicht wieder erreicht.

Zudem stellen Ersatzteilbeschaffung, Instandhaltung der Fluggastbrücken, Gepäckförderanlagen und IT-Systeme, die ursprünglich von westlichen Herstellern geliefert wurden, hohe Anforderungen an die Betreibergesellschaft. Der künftige Käufer des staatlichen 30,4-Prozent-Pakets übernimmt somit nicht nur einen Sachwert mit stetigem Gebührenaufkommen aus dem Inlandsverkehr, sondern auch erhebliche Investitionspflichten zur Aufrechterhaltung des technischen Standards in den kommenden Jahren.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung