Die deutsche Charterfluggesellschaft Leav Aviation richtet ab dem 17. August 2026 eine neue Flugverbindung vom Flughafen Köln/Bonn nach Aleppo ein.
Vorgesehen sind zwei wöchentliche Nonstop-Flüge – jeweils montags und samstags – mit einer Flugdauer von rund vier Stunden. Zum Einsatz kommt ein Flugzeug des Typs Airbus A320-200. Es handelt sich um die erste direkte Linien- beziehungsweise Charterverbindung zwischen dem nordrhein-westfälischen Flughafen und der nordsyrischen Großstadt. Die Flüge richten sich vorrangig an die in Deutschland lebende syrische Diaspora für Verwandten- und Familienbesuche.
Die Aufnahme von Flügen nach Syrien erfolgt vor dem Hintergrund eines komplexen politischen und rechtlichen Umfelds. Der zivile Luftverkehr nach Syrien war infolge des langjährigen Bürgerkriegs und der gegen das syrische Regime verhängten internationalen Sanktionen jahrelang stark eingeschränkt. Während EU-Sanktionen und europäische Luftfahrtbestimmungen den Betrieb von staatlichen syrischen Fluggesellschaften in den EU-Luftraum untersagen, nutzen private und ausländische Chartergesellschaften rechtliche Spielräume für den Passagierverkehr. Neben Köln/Bonn bedienen vereinzelte Sonder- und Charterflüge syrische Ziele auch von anderen europäischen Großstädten aus.
Die Betreibergesellschaft des Flughafens Köln/Bonn sowie Leav Aviation begründen den Schritt mit einer hohen Nachfrage nach Direktverbindungen ohne zeitaufwendige Zwischenstopps in Drittstaaten wie der Türkei oder dem Libanon. Allerdings verweisen Sicherheits- und Luftfahrtexperten auf die anhaltenden Risiken von Flugbetrieb in Regionen mit instabiler Sicherheitslage. Der Flughafen von Aleppo war in der Vergangenheit mehrfach Ziel militärischer Auseinandersetzungen und Luftangriffe. Die Durchführung von Passagierflügen erfordert daher kontinuierliche Risikobewertungen durch die Luftfahrtbehörden und die beteiligten Fluggesellschaften.
Zudem wirft die logistische Abwicklung Fragen hinsichtlich der operativen Verlässlichkeit auf. Ein Großteil der Infrastruktur in syrischen Städten und an dortigen Flughäfen gilt nach den Kriegsjahren als beschädigt oder technisch veraltet. Die dauerhafte Bereitstellung von Treibstoff, Abfertigungskapazitäten und Bodenabfertigungsdiensten unterliegt schwankenden Rahmenbedingungen. Wie sich die Auslastung und die betriebliche Stabilität der Verbindung im regulären Flugbetrieb entwickeln, hängt maßgeblich von der weiteren politischen Lageentwicklung in der Region ab.