Ein Triebwerksschaden mit Trümmerflug an einer Passagiermaschine des Typs Boeing 737-800 hat am 10. Juli 2026 zu einem schweren Zwischenfall über Griechenland geführt. Wie aus dem vorläufigen Untersuchungsbericht der US-amerikanischen Flugsicherheitsbehörde NTSB hervorgeht, wurden im beschädigten rechten Triebwerk des Flugzeugs Reste und Federn von Vögeln nachgewiesen.
Der Vorfall ereignete sich kurz nach dem Start in Thessaloniki, als ein abgebrochenes Fan-Blatt das Triebwerksgehäuse durchschlug und Trümmerteile gegen den Rumpf sowie das Höhenleitwerk der Maschine schleuderte. Ein Fragment durchschlug ein Kabinenfenster in Reihe 11, was zu einem schlagartigen Druckabfall führte. Ein 61-jähriger Passagier wurde durch den Druckunterschied teilweise durch die Fensteröffnung gezogen, bevor Mitreisende ihn in die Kabine zurückziehen konnten. Der Mann erlitt Verletzungen an Nacken und Schultern sowie Schürfwunden. Die Besatzung kehrte um und landete das Flugzeug sicher am Ausgangsflughafen. Die Ermittlungen richten sich nun auf die Vorgeschichte des Triebwerks sowie auf die Effektivität von Prüf- und Wartungsverfahren.
Rekonstruktion des Flugverlaufs und Geschehnisse in der Kabine
Das betroffene Flugzeug mit dem Kennzeichen 9H-QEU wurde von der Tochtergesellschaft Malta Air im Auftrag von Ryanair betrieben und befand sich auf dem Flug von Thessaloniki nach Memmingen. An Bord befanden sich Passagiere und Besatzungsmitglieder, als die Maschine nach dem Start gegen 17:00 Uhr Ortszeit auf eine Höhe von rund 16.000 Fuß stieg. In dieser Phase traten plötzliche, starke Vibrationen im rechten Triebwerk auf, gefolgt von einem lauten Knall.
Kabinenkräfte berichteten von einer anhaltenden Erschütterung des gesamten Rumpfes sowie von einer leichten Rauch- oder Nebelbildung im Passagierraum, bevor die Sauerstoffmasken automatisch von der Decke fielen. Durch den Bruch des Fensters entwich die komprimierte Luft schlagartig aus der Kabine. Die Insassen reagierten rasch und hielten den verletzten Passagier fest, bis der Sinkflug auf eine sichere Atemhöhe eingeleitet werden konnte. Rund eine Stunde nach dem Start setzte die Boeing 787-800 wieder auf der Start- und Landebahn in Thessaloniki auf. Medizinische Rettungskräfte übernahmen die Erstversorgung des verletzten Passagiers am Boden.
Technische Befunde und Vorgeschichte des Triebwerks
Die Untersuchungen der NTSB-Ermittler konzentrieren sich auf das Triebwerk Nummer zwei der Maschine. Bei der Demontage und Inspektionsarbeit wurden drei lose Fragmente eines abgebrochenen Fan-Blattes geborgen. Zudem identifizierten die Experten organische Rückstände von Vögeln in den inneren Komponenten des Aggregats.
Aus den Wartungsprotokollen geht hervor, dass genau dieses Triebwerk in den vorangegangenen zwölf Monaten vor dem Zwischenfall am 10. Juli 2026 bereits in vier andere vermutete Vogelschlag-Ereignisse verwickelt war. Bei zwei dieser früheren Vorfälle hatten Techniker nach der Landung ebenfalls Vogelreste im Triebwerk gefunden. Die darauffolgenden Inspektionen gemäß den Vorschriften des Herstellers zeigten damals jedoch keine sichtbaren Strukturschäden an den Bauteilen. Zudem waren die Fan-Blätter des Aggregats im November 2025 und erneut im Mai 2026 Ultraschallprüfungen unterzogen worden. Bei beiden Routineuntersuchungen wurden keine Risse oder Materialermüdungen festgestellt.
Vergleich mit früheren Triebwerksschäden und behördlichen Vorgaben
Der Zwischenfall weist Parallelen zu früheren Ereignissen bei Flugzeugen der Modellreihe Boeing 737 Next Generation auf. Insbesondere der Unfall von Southwest-Airlines-Flug 1380 im Jahr 2018, bei dem ebenfalls Trümmerteile eines gebrochenen Fan-Blattes ein Kabinenfenster durchschlugen und eine Passagierin tödlich verletzt wurde, führte zu verstärkten Überprüfungen durch die Luftfahrtbehörden.
Als Reaktion auf diese historischen Unfälle erließ die US-Luftfahrtbehörde FAA im Jahr 2025 drei Lufttüchtigkeitsanweisungen. Diese Schreiben verpflichten die Fluggesellschaften zu technischen Anpassungen an den Triebwerksverkleidungen und Halterungen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, das Risiko zu verringern, dass Trümmerstücke bei einem Fan-Blatt-Bruch die Verkleidung durchschlagen und den Rumpf beschädigen. Die betroffene Ryanair-Maschine hatte diese umfangreichen Modifikationen zum Zeitpunkt des Unfalls noch nicht erhalten. Die Behörden hatten den Anwendern für die Umsetzung der Richtlinien eine Übergangsfrist bis Juli 2028 eingeräumt. Die NTSB betonte in ihrem Zwischenbericht, dass bisher nicht festgestellt wurde, ob das Fehlen dieser Umrüstungen direkt zum Ausmaß des Schadens im Juli 2026 beigetragen hat.
Risikofaktor Vogelschlag in der zivilen Luftfahrt
Vogelschläge stellen für die Luftfahrtbranche eine anhaltende operative Herausforderung dar. Die Mehrheit solcher Kollisionen ereignet sich in niedrigen Flughöhen während der Start- und Landephasen. Während kleinere Vögel häufig nur geringfügige Spuren hinterlassen, kann das Einsaugen größerer Tiere oder ganzer Schwärme in die Triebwerke zu schweren mechanischen Beschädigungen, Triebwerksbränden oder dem vollständigen Ausfall der Verdichterstufen führen.
Die Betreiber von Verkehrsflughäfen setzen verschiedene Verpressungssysteme, akustische Signale und Greifvögel ein, um Vogelschwärme von den Start- und Landebahnen fernzuhalten. Dennoch lassen sich Zusammenstöße im Steigflug außerhalb des unmittelbaren Flughafengeländes nicht gänzlich verhindern. Die Ermittlungen der NTSB und der griechischen Unfalluntersuchungsstelle werden fortgesetzt, um die genauen dynamischen Belastungen zu analysieren, die zum Bruch des Fan-Blattes geführt haben.