Boeing 777X (Foto: Boeing.
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B777X: Lufthansa fordert finanzielle Ausgleichszahlungen für frühe Serienmodelle

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Die Deutsche Lufthansa verhandelt mit dem US-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing über die konkreten Bedingungen zur Übernahme der ersten Einheiten des Großraumflugzeugs B777-9. Wie der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa Gruppe, Carsten Spohr, während einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des zweiten Quartals 2026 mitteilte, fordert das Unternehmen finanzielle Zugeständnisse des Herstellers, falls Flugzeuge aus der frühen Produktionsphase abgenommen werden sollen.

Hintergrund dieser Verhandlungen sind notwendige Nachrüstungen an den ersten gefertigten Maschinen, um diese auf den endgültigen Serienstandard zu bringen. Lufthansa befindet sich bezüglich der Qualitäts- und Nacharbeitsanforderungen in einer ähnlichen Position wie die Golf-Airline Emirates, die die Annahme früher B777-9-Exemplare öffentlich ablehnt. Um möglichen weiteren Verzögerungen im Auslieferungsplan vorzubeugen, hält die deutsche Fluggesellschaft betriebliche Ausweichpläne bereit und plant vorerst weiterhin mit dem Einsatz älterer Flugzeugtypen wie der Airbus A340-300.

Verhandlungspositionen bei der Übernahme früher Produktionsmodelle

Die Diskussionen zwischen Lufthansa und Boeing drehen sich um die physische Beschaffenheit der ersten produzierten Einheiten des neuen Musters B777-9. Flugzeuge, die früh im Test- und Zertifizierungsprozess gebaut werden, weichen häufig in Details von der späteren Serienausführung ab. Um diese Maschinen auf den vollen kommerziellen Standard zu bringen, sind nachträgliche Modifikationen und Umbauarbeiten erforderlich, die mit betrieblichen Ausfallzeiten und logistischem Aufwand für die Airlines verbunden sind.

Carsten Spohr erläuterte, dass Lufthansa genau prüfe, welche der angebotenen Maschinen für den regulären Liniendienst infrage kommen und welche Einheiten modernisiert werden können. Eine Abnahme dieser frühen Flugzeuge macht die Fluggesellschaft von finanziellen Kompensationen seitens des Herstellers abhängig. Während Emirates-Chef Tim Clark öffentlich erklärte, keine der frühesten B777-9 übernehmen zu wollen, wählt Lufthansa einen weniger öffentlichen, in der Sache jedoch vergleichbaren Verhandlungsansatz. Als Erstkunde des B777X-Programms fordert die Airline eine Entschädigung für die Unannehmlichkeiten und Zusatzkosten, die durch die Nachrüstung der Frühserienmodelle entstehen.

Zeitplan für den Ersteinsatz und Absicherung durch Ausweichszenarien

Nach den aktuellen Vorgaben von Boeing ist der kommerzielle Erstflug der B777-9 für den Sommer 2027 vorgesehen, wobei die ersten Auslieferungen an Kunden im ersten Quartal 2027 stattfinden sollen. Das Programm verzeichnet jedoch bereits mehrjährige Verzögerungen gegenüber den ursprünglichen Planungen, was die Flottensteuerung der betroffenen Fluggesellschaften vor Herausforderungen stellt.

Um die Verlässlichkeit des Flugplans zu gewährleisten, hat der Lufthansa-Konzern zwei parallele Szenarien ausgearbeitet. Das erste Szenario geht von einer planmäßigen Indienststellung der B777-9 ab 2027 aus. Im zweiten Szenario bereitet sich das Unternehmen auf weitere Verzögerungen vor. In diesem Fall plant Lufthansa, ältere Flugzeuge vom Typ Airbus A340-300 weiterzubetreiben oder zu reaktivieren, die speziell zu diesem Zweck in der Flotte gehalten werden. In den veröffentlichten Flugplänen setzt die Airline vorerst weiterhin auf den Einsatz der A340-300, da dies nach Angaben des Managements die verlässlichere Planungsgrundlage darstellt, solange der Lieferplan von Boeing nicht endgültig gesichert ist.

Stand des Zertifizierungsprogramms und Ausmaß der Flugzeugbestellungen

Boeing gab im Juli 2026 bekannt, dass das Test- und Zertifizierungsprogramm für die B777-9 die Hälfte der erforderlichen Schritte überschritten hat. Der Hersteller konzentriert sich derzeit darauf, die verbleibenden regulatorischen Anforderungen abzuarbeiten, um die behördlichen Genehmigungen vor den ersten Auslieferungen im Jahr 2027 zu erhalten. Hierzu gehört unter anderem der Nachweis der Zuverlässigkeit für Flüge nach ETOPS-Standards, die den Betrieb auf Langstrecken über unbewohntem Gebiet oder Ozeanen regeln. Bis zum Sommer 2026 absolvierte die Testflotte der B777-9 mehr als 4.800 Flugstunden.

Der wirtschaftliche Umfang des B777X-Programms ist für Boeing von zentraler Bedeutung. Laut Branchendaten liegen dem Hersteller insgesamt mehr als 650 Bestellungen für die B777X-Familie vor. Lufthansa hat insgesamt 20 Flugzeuge des Typs B777-9 bestellt, die die bestehende Langstreckenflotte verjüngen und kapazitiv erweitern sollen. Demgegenüber umfasst der Auftrag von Emirates 235 Einheiten der B777-9 sowie zusätzlich 35 Maschinen der kleineren Variante B777-8. Die Haltung dieser Großkunden setzt den Flugzeugbauer unter Zugzwang, die Fertigungsqualität zu sichern und Lösungen für die betroffenen Frühserienflugzeuge anzubieten.

Auswirkungen auf die Flottenplanung im europäischen Luftverkehr

Die Verzögerungen bei der Bereitstellung neuer Großraumflugzeuge beeinflussen die operativen Abläufe und die Kapazitätsplanung europäischer Fluggesellschaften. Der Weiterbetrieb älterer Vierstrahler wie der Airbus A340-300 bindet zusätzliche Kapazitäten im Wartungs- und Instandhaltungsbereich und erfordert eine flexible Zuordnung des Fliegenden Personals.

Gleichzeitig veranschaulicht das Vorgehen der Lufthansa die veränderte Machtdynamik zwischen Fluggesellschaften und Flugzeugbauern. Angesichts anhaltender Lieferkettenprobleme und Verzögerungen bei der Zulassung neuer Flugzeugmuster verlangen die Abnehmer klare Garantien und finanzielle Ausgleiche für Abweichungen vom vereinbarten Lieferstandard. Die Verhandlungen zwischen Frankfurt und Seattle zeigen, dass Großkunden nicht mehr bereit sind, die betrieblichen Folgen von Produktionsabweichungen ohne Gegenleistung zu tragen.

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