Easyjet-Logo in Venedig Marco Polo (Foto: Jan Gruber).
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Prüfung von Kooperationsmodellen zwischen Easyjet und Air France-KLM

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Der britische Low-Cost-Anbieter Easyjet prüft nach Informationen aus Branchenkreisen die Aufnahme kommerzieller Partnerschaften mit etablierten Netzwerk-Fluggesellschaften. Im Zentrum der Sondierungen steht eine mögliche Zusammenarbeit mit der französisch-niederländischen Luftfahrtgruppe Air France-KLM.

Erwogen werden Kooperationsformen wie Codeshare- oder Interline-Abkommen, wobei die Drehkreuze Paris und Amsterdam als logische Verknüpfungspunkte im Streckennetz gelten. Die Gespräche befinden sich in einem vorläufigen Stadium, und bisher liegt keine offizielle Bestätigung für formelle Verhandlungen von den beteiligten Unternehmen vor. Die Überlegungen fallen zeitlich mit der Übernahme von Easyjet durch den US-amerikanischen Finanzinvestor Apollo Global Management zusammen, der die Anbindung an internationale Streckennetze als Hebel zur Wertsteigerung identifiziert hat. Dies wirft die Frage auf, inwieweit das Punkt-zu-Punkt-Modell von Billigfluggesellschaften künftig als Zubringer für klassische Netzwerkträger auf der Langstrecke fungieren kann.

Vorgeschichte und operative Ausrichtung der Beteiligten

Anlass für die Spekulationen ist unter anderem die bevorstehende Eigentümerstruktur von Easyjet. Die Übernahme der Fluggesellschaft durch Apollo Global Management für rund 5,7 Milliarden Britische Pfund wurde nach der Zustimmung des Board of Directors eingeleitet. Im Rahmen des Übernahmeangebots verwies der Investor explizit darauf, dass Partnerschaften im Streckennetz und im Vertrieb zentrale Bausteine der zukünftigen Unternehmensausrichtung darstellen sollen. Der Fokus soll dabei auf der Evaluierung von Interline- und Codeshare-Möglichkeiten mit anderen Luftfahrtunternehmen liegen.

Ein entsprechendes Modell ist für Easyjet nicht völlig neu. Bereits im Jahr 2017 startete die Fluggesellschaft das Programm „Worldwide by Easyjet“, das Passagieren die Buchung von Umsteigeverbindungen mit Partner-Airlines auf einer Plattform ermöglichte. Eine Vertiefung dieser Partnerschaften durch direkte Codeshare-Vereinbarungen würde es den Fluggästen erlauben, Tickets für kombinierte Kurz- und Langstreckenflüge aus einer Hand zu erwerben, inklusive durchgechecktem Gepäck und abgestimmten Anschlussverbindungen. Für Easyjet entsteht dadurch die Option, Passagieren den Zugang zu globalen Zielorten zu eröffnen, ohne eigene Großraumflugzeuge für die Langstrecke beschaffen zu müssen.

Auch bei Air France-KLM existiert grundsätzliches Interesse an flexiblen Partnermodellen. Konzernchef Ben Smith signalisierte in der Vergangenheit Bereitschaft für Kooperationen mit Anbietern im Niedrigpreissegment, um die Auslastung auf europäischen Zubringerstrecken zu optimieren. Das dichte Streckennetz und die etablierten Start- und Landerechte von Easyjet an wichtigen europäischen Verkehrsflughäfen machen die Airline zu einem Partner für etablierte Allianzen.

Die strategische Bedeutung der Drehkreuze Paris und Amsterdam

Die betriebswirtschaftliche Logik der im Raum stehenden Kooperation basiert auf der geografischen Verteilung der jeweiligen Streckennetze. Die Flughäfen Paris Charles de Gaulle und Amsterdam Schiphol fungieren als Hauptknotenpunkte für Air France und KLM. An beiden Standorten verfügt Easyjet bereits über eine eigenständige Präsenz mit zahlreichen europäischen Direktverbindungen.

Am Flughafen Paris Charles de Gaulle bedient Easyjet rund 45 Routen, während die Airline in Amsterdam Schiphol 46 Zielorte anfliegt. Diese Verbindungen könnten dazu genutzt werden, Passagiere aus kleineren und mittleren europäischen Städten an die beiden Großflughäfen zu befördern, von wo aus Air France und KLM ihre Langstreckenverbindungen nach Nordamerika, Asien und Afrika betreiben. Ergänzt wird dieses Bild durch die Präsenz am Pariser Flughafen Orly mit 24 Routen sowie an den Flughäfen Genf und London Gatwick.

Im Vergleich zu Wettbewerbern wie Ryanair unterscheidet sich Easyjet vor allem durch die Auswahl der angeflogenen Flughäfen. Während Ryanair primär Sekundärflugplätze nutzt und in Paris Charles de Gaulle gar nicht vertreten ist, konzentriert sich Easyjet auf die großen Hauptflughäfen Kontinentaleuropas. Dies macht die Infrastruktur von Easyjet für die Netze von Linienfluggesellschaften kompatibel.

Eine weitere Option ergibt sich aus der laufenden Privatisierung der portugiesischen Nationalgesellschaft TAP Air Portugal. Air France-KLM hat Ende Juli 2026 ein verbindliches Angebot für die Übernahme eines Anteils von bis zu 49,9 Prozent an TAP eingereicht. Sollte dieser Zuschlag erfolgen, könnte das Netz von Easyjet am Flughafen Lissabon mit 33 Verbindungen als Zubringer für die Lateinamerika- und Afrika-Routen von TAP dienen.

Mögliche Verflechtungen innerhalb des SkyTeam-Ökosystems

Neben den Überlegungen bezüglich Air France-KLM gibt es Hinweise auf Sondierungsgespräche zwischen Easyjet und der britischen Langstrecken-Fluggesellschaft Virgin Atlantic. Beide Unternehmen arbeiteten bereits im Rahmen des Programms „Worldwide by Easyjet“ am Flughafen London Gatwick zusammen. Der Finanzinvestor Apollo unterhält zudem bestehende Finanzierungsbeziehungen zu Virgin Atlantic, was Verhandlungen zwischen den beteiligten Akteuren erleichtern könnte.

Virgin Atlantic gehört der globalen Luftfahrtallianz SkyTeam an und betreibt gemeinsam mit Delta Air Lines, Air France und KLM ein transatlantisches Joint Venture. Delta hält Beteiligungen an Virgin Atlantic sowie an Air France-KLM. Ein bilaterales Abkommen zwischen Easyjet und einzelnen Mitgliedern dieser Allianz würde den Bündnispartnern den Zugriff auf ein europäisches Zubringernetz ermöglichen, ohne dass Easyjet der Allianz formell beitreten müsste. Als Präzedenzfall für ein solches Modell dient die Kooperation von Delta, Air France-KLM und Virgin mit der indischen Fluggesellschaft IndiGo, bei der der indische Inlandsmarkt als Zubringer für interkontinentale Fluggäste genutzt wird.

Der Flughafen London Gatwick, an dem Easyjet mit über 100 Routen die führende Position einnimmt, könnte im Falle einer Intensivierung der Gespräche als weiterer Umsteigeknotenpunkt dienen. Zwar haben Virgin Atlantic und Delta ihre Abläufe primär auf den Flughafen London Heathrow ausgerichtet, doch die Verfügbarkeit von Zubringerfahrgästen in Gatwick bietet Flexibilität für künftige Netzentscheidungen.

Herausforderungen bei der operativen Integration

Trotz der potenziellen Effizienzvorteile stehen der Umsetzung solcher Vereinbarungen erhebliche operative und technische Hürden entgegen. Das Geschäftsmodell von Niedrigpreis-Airlines wie Easyjet ist auf kurze Bodenzeiten, standardisierte Flugzeugflotten und eine einfache Passagierabwicklung ausgelegt. Die Einführung von Umsteigeverbindungen, Gepäckdurchfertigungen und der Ausgleich bei Flugverspätungen erhöhen die organisatorische Komplexität und können zu Verzögerungen im gesamten Tagesflugplan führen.

Zudem unterscheiden sich die Vertriebs- und IT-Systeme von Direktflug-Anbietern fundamental von den globalen Distributionssystemen der Netzwerkträger. Die technische Anbindung zur Buchung durchgehender Tickets erfordert Investitionen in die digitale Schnittstellenarchitektur. Auch die Gewährleistung von Passagierrechten bei verpassten Anschlussflügen muss vertraglich geregelt werden. Es bleibt abzuwarten, ob die beteiligten Unternehmen Lösungen finden, die die Kostenvorteile des Punkt-zu-Punkt-Modells wahren und gleichzeitig den Anforderungen von Langstreckenpassagieren gerecht werden.

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