Die Deutsche Lufthansa führt auf ihren Langstreckenflügen schrittweise Anpassungen im Serviceangebot der Economy Class ein. Im Rahmen des intern als Project Fox bezeichneten Erneuerungsprogramms erhalten Passagiere auf Langstrecken- und Nachtflügen künftig ein kostenfreies Reiseset, bestehend aus einer Schlafmaske und Ohrstöpseln in einer Stofftasche.
Diese Maßnahme stellt eine Veränderung zur bisherigen Praxis dar, bei der in der untersten Beförderungskategorie keine derartigen Zubehörartikel ausgegeben wurden. Neben der Einführung der Reisesets erweitert die Fluggesellschaft das Spektrum der angebotenen Mahlzeiten und Getränke im Bordservice. Mit den Maßnahmen reagiert der Konzern auf den Wettbewerbsdruck internationaler Konkurrenten, die entsprechende Zusatzleistungen in der Hauptkabine bereits seit längerer Zeit anbieten.
Produktanpassungen im Rahmen des Erneuerungsprogramms Project Fox
Das sogenannte Project Fox umfasst eine Reihe technischer und konzeptioneller Überarbeitungen des Bordservices in allen Beförderungsklassen der Lufthansa. In der Economy Class liegt der Schwerpunkt der Neuerungen neben den Reisesets auf einer Überarbeitung des Verpflegungskonzepts. Auf Flügen mit einer Flugdauer von mehr als zehn Stunden haben Passagiere künftig die Wahl zwischen drei warmen Hauptgerichten. Flankiert wird dies durch den Druck physischer Menükarten, ein erweitertes Angebot an Snacks und Zwischenmahlzeiten sowie Anpassungen beim Getränkeangebot.
Der Umfang des neuen Reisesets ist im Vergleich zu den Angeboten in den höheren Buchungsklassen wie der Business Class oder First Class bewusst einfach gehalten. Während in den Premiumkabinen gewöhnlich auch Zahnpflegesets, Socken und Kosmetikartikel enthalten sind, beschränkt sich die Ausstattung in der Economy Class auf Grundutensilien zur Lärm- und Lichtreduktion. Die Einführung erfolgt auf allen Interkontinentalverbindungen und Nachtflügen ab den zentralen Drehkreuzen Frankfurt am Main und München.
Positionierung im internationalen Wettbewerbsumfeld
Mit der Ausgabe von Reisesets in der Economy Class gleicht die Lufthansa ihr Produktangebot an den Standard mehrerer internationaler Wettbewerber an. Fluggesellschaften aus der Golfregion wie Emirates, Etihad Airways sowie Qatar Airways stellen Fluggästen auf Langstreckenverbindungen seit Jahren standardmäßig Reisesets zur Verfügung. Auf dem europäischen Kontinent gehörte bislang primär Turkish Airlines zu den Anbietern, die entsprechende Produkte auch in den günstigeren Buchungsklassen bereitstellen.
In den vergangenen Jahren hatten viele europäische und nordamerikanische Fluggesellschaften kostenfreie Zusatzleistungen in der Economy Class schrittweise reduziert oder kostenpflichtig gestaltet. Die Entkopplung von Nebenleistungen und dem reinen Beförderungsentgelt diente der Senkung operativer Nebenkosten. Dass die Lufthansa in der Kabine mit der höchsten Passagierdichte wieder kostenfreie Zubehörartikel einführt, deutet auf den Versuch hin, die Kundenzufriedenheit in einem stark umkämpften Marktumfeld zu stabilisieren und die eigene Marktposition gegenüber Mitbewerbern zu behaupten.
Operativer Rahmen und Flottenstruktur der Lufthansa
Die Deutsche Lufthansa mit Sitz in Köln betreibt eine Flotte von mehr als 270 Flugzeugen und bedient global über 200 Destinationen. Als Kernmarke der Lufthansa Group bildet das Unternehmen gemeinsam mit Tochtergesellschaften wie Swiss International Air Lines, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Discover Airlines und ITA Airways einen der größten Luftfahrtkonzerne Europas. Die betriebliche Abwicklung des Langstreckennetzes konzentriert sich auf die Großflughäfen Frankfurt am Main und München.
Im Interkontinentalverkehr setzt die Lufthansa eine gemischte Flotte aus zweistrahligen und vierstrahligen Großraumflugzeugen ein. Neben modernen Baumustern wie der Boeing 787 und dem Airbus A350 betreibt die Fluggesellschaft weiterhin Großraumflugzeuge älterer Generationen, darunter die Boeing 747-8 sowie den Doppelstockjet Airbus A380. Vor allem auf Flügen mit diesen Großraumflugzeugen, die ein hohes Passagieraufkommen in der Economy Class aufweisen, wirken sich Anpassungen des Bordservices auf eine große Zahl von Reisenden aus.
Wirtschaftliche und betriebliche Einordnung
Die Maßnahmen im Bordservice erfolgen in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld für die europäische Luftfahrtbranche. Steigende Betriebskosten, Personalkosten und Gebühren an den Heimatdrehkreuzen setzen die Margen der Netzwerkcarrier unter Druck. Gleichzeitig erwarten Passagiere auch in der Economy Class von einer Vollservice-Fluggesellschaft eine Abhebung vom Produktangebot der Reinen Low-Cost-Anbieter.
Branchenbeobachter bewerten die Einführung der Reisesets und die Erweiterung der Speisenauswahl als zielgerichtete Anpassungen zur Steigerung der Produktqualität im Binnenvergleich. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwiefern die punktuellen Verbesserungen im Serviceangebot ausreichen, um veränderten Kundenerwartungen hinsichtlich des Sitzkomforts und der digitalen Infrastruktur an Bord nachhaltig gerecht zu werden. Die Umsetzung von Project Fox wird in den kommenden Monaten auf den Langstreckenverbindungen des Konzerns fortgeführt.