Die sozialistische Gewerkschaft BBTK fordert von der Unternehmensleitung von Tuifly Belgium rasche Aufklärung über die künftige Ausrichtung des Flugbetriebs, der Flottengröße und der Beschäftigungssituation in Belgien.
Anlass für die verschärfte Haltung der Arbeitnehmervertretung sind Äußerungen des Tui-Konzernchefs Sebastian Ebel über eine mögliche Reduzierung der in Belgien stationierten Flugzeuge. Obwohl das Management versuchte, die Aussagen zu relativieren, verweist die Gewerkschaft auf bereits im Betriebsrat angekündigte Netzwerkanpassungen, darunter die Einstellung einzelner Strecken bei gleichzeitiger Frequenzaufstockung auf anderen Routen. Die Arbeitnehmervertreter gaben dem Management eine Frist von sieben Tagen für die Aufnahme von Verhandlungen und drohten andernfalls mit der Einreichung einer Streikankündigung.
Die aktuellen Befürchtungen der Belegschaft reihen sich in eine Serie von Konsolidierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre ein. Tuifly Belgium hatte bereits den Betrieb auf der Langstrecke komplett eingestellt sowie die Basis am Flughafen Lüttich geschlossen. Zudem ist die Schließung des Standorts Antwerpen für März 2027 angekündigt. Parallel dazu kündigte das Unternehmen vor kurzem an, den Betrieb am Flughafen Ostende-Brügge im kommenden Winterfahrplan temporär einzustellen, was zu einer weiteren Konzentration der verbleibenden Kapazitäten auf das Hauptdrehkreuz Brüssel-Zaventem führt.
Als Begründung für eine mögliche Flottenverkleinerung führt die Tui-Führung unter anderem die von der belgischen Regierung geplante Anhebung der Passagierabgabe von fünf auf sieben Euro an. Diese Steuererhöhung schwäche die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Belgien im Vergleich zu benachbarten ausländischen Flughäfen. Branchenbeobachter und Luftfahrtanalysten betonen jedoch, dass die veränderte Standortpolitik von Tuifly Belgium primär auf strukturelle Herausforderungen zurückzuführen ist. Der gesamte Konzern sieht sich mit einer geschwächten Nachfrage im Pauschalreisesegment sowie gestiegenen Kerosin- und Personalkosten konfrontiert, was die Rentabilität einzelner dezentraler Basen unter Druck setzt.
Die bevorstehenden Verhandlungen zwischen der Unternehmensführung und den Gewerkschaften werden zeigen, ob der Flugbetrieb in Belgien weiter verkleinert wird. Ein Arbeitskampf würde den Reiseveranstalter in einer Phase der betrieblichen Neuausrichtung belasten, in der der Konzern versucht, seine Kapazitäten im europäischen Markt flexibler und kosteneffizienter einzusetzen.