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Entscheidung über Teilprivatisierung von TAP Air Portugal rückt näher

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Die portugiesische Regierung steht vor dem Abschluss des Bieterverfahrens zur Teilprivatisierung der staatlichen Fluggesellschaft TAP Air Portugal. Wie aus Verhandlungskreisen und Berichten portugiesischer Medien hervorgeht, wird eine Grundsatzentscheidung der Regierung in Lissabon für September 2026 oder Oktober 2026 erwartet.

Mit der Deutschen Lufthansa und dem französisch-niederländischen Konzern Air France-KLM haben zwei der führenden europäischen Luftfahrtgruppen verbindliche Angebote für die Übernahme von Gesellschaftsanteilen eingereicht. Gegenstand des Verfahrens ist der Verkauf von insgesamt 49,9 Prozent der Anteile an einen Investor sowie die Übertragung von fünf Prozent an die Belegschaft der Airline. Trotz eines erwarteten Erlöses im Milliardenbereich wird die Transaktion die in den vergangenen Jahren aufgewendeten staatlichen Stützungsgelder voraussichtlich nicht vollständig abdecken.

Valuation und Ertragserwartungen im Privatisierungsprozess

Nach Berechnungen des portugiesischen Wirtschaftsmediums Eco wird der Unternehmenswert von TAP Air Portugal im Rahmen der vorliegenden Angebote auf insgesamt 1,95 Milliarden Euro bis 2,07 Milliarden Euro taxiert. Durch den Konkurrenzkampf zwischen den beiden Bietern rechnet der portugiesische Staat bei einem Verkauf von 49,9 Prozent des Kapitals mit Einnahmen im Bereich von 1,12 Milliarden Euro bis 1,24 Milliarden Euro.

Diesen potenziellen Einnahmen stehen beträchtliche Mittel der öffentlichen Hand gegenüber, die zur Restrukturierung und Stabilisierung der Fluggesellschaft aufgewendet werden mussten. In den vergangenen Jahren schoss der Staat Rettungskredite und Eigenkapitalhilfen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro ein. Während der weltweiten Reisebeschränkungen in der Pandemie wurden weitere 569 Millionen Euro an staatlicher Unterstützung gewährt. Unter Berücksichtigung aufgelaufener Zinsen belaufen sich die Gesamtausgaben des Staates nach Finanzanalysen auf rund 3,34 Milliarden Euro.

Selbst bei Erreichen des oberen Endes der geschätzten Verkaufserlöse verbleibt somit eine Differenz zu den eingesetzten Steuergeldern. Die Regierung in Lissabon behält mit 50,1 Prozent zwar die Mehrheit am Grundkapital, ist für einen langfristigen Rückfluss der Mittel jedoch auf künftige Dividendenzahlungen und eine positive Wertentwicklung des verbleibenden Aktienpakets angewiesen.

Positionierung der Lufthansa und argumentative Abgrenzung

Im Vorfeld der Regierungsentscheidung werben die Bieterkonsortien um die Zustimmung der Entscheidungsträger. Lufthansa-Konzernvorstand Dieter Vranckx äußerte sich zu den finanziellen und betrieblichen Rahmenbedingungen des Gebots. Neben den monetären Konditionen spiele die künftige Einbindung in das globale Streckennetz eine zentrale Rolle. Vranckx verwies darauf, dass übernommene Fluggesellschaften im Lufthansa-Konzern in der Vergangenheit ein Kapazitätswachstum verzeichnen konnten.

Als Beispiele nannte das Management die Entwicklung nach früheren Übernahmen: Bei Swiss sei das Angebot an Sitzplatzkilometern in den ersten drei Jahren nach der Eingliederung um 30 Prozent gestiegen. Bei Brussels Airlines habe der Zuwachs im gleichen Zeitraum 25 Prozent betragen, während bei Austrian Airlines eine Steigerung um 8 Prozent verzeichnet wurde. Für TAP Air Portugal stellt die Lufthansa im Falle des Zuschlags die Aufnahme in das bestehende Nordatlantik-Bündnis A++ in Aussicht, das gemeinsam mit United Airlines und Air Canada betrieben wird. Darüber hinaus wird über ein vergrößertes Angebot an Direktverbindungen durch die Konzerntochter Eurowings verhandelt.

Verkehrspolitische Bedeutung des Drehkreuzes Lissabon

Der Marktwert von TAP Air Portugal erklärt sich primär aus der geographischen Lage des Drehkreuzes Lissabon und der starken Präsenz der Fluggesellschaft auf den Routen nach Südamerika, insbesondere nach Brasilien, sowie zu Zielen in Westafrika. Für europäische Luftfahrtkonzerne bietet die Einbindung des Drehkreuzes die Möglichkeit, Passagierströme über den Atlantik effizienter zu bündeln.

Air France-KLM strebt mit einem Einstieg ebenfalls eine Verstärkung des eigenen Südamerika-Geschäfts an und tritt damit in direkte Konkurrenz zur Lufthansa. Die Entscheidung der portugiesischen Regierung wird nicht nur von den finanziellen Eckdaten abhängen, sondern auch von Garantien bezüglich des Erhalts von Arbeitsplätzen, der Beibehaltung der Marke TAP und der Sicherung der Drehkreuzfunktion des Flughafens Lissabon.

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