Die staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines hat die Auswahlliste der vorqualifizierten Unternehmen für den Bau des neuen internationalen Flughafens in Bishoftu veröffentlicht. Bei dem Infrastrukturprojekt mit einem veranschlagten Gesamtvolumen von rund 12,5 Milliarden US-Dollar stellen Unternehmen aus der Volksrepublik China oder Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischer Beteiligung die deutliche Mehrheit der Bieter.
Neben den chinesischen Baukonzernen haben es auch Konsortien und Einzelunternehmen aus der Türkei, Italien, Frankreich, Katar, Südkorea, den USA, Portugal, Russland, Indien sowie eine äthiopisch-dschibutische Eisenbahngesellschaft auf die Liste geschafft. Die finale Vergabe der Bauaufträge wurde auf Antrag mehrerer Bieter auf Anfang Januar 2027 verschoben, um den Konsortien mehr Zeit für die Ausarbeitung ihrer technischen Angebote und die Sicherung der komplexen Finanzierungsstrukturen einzuräumen.
Dominanz chinesischer Staatskonzerne auf der Qualifikationsliste
Das Bieterfeld für das Großprojekt zeigt eine deutliche Konzentration chinesischer Bau- und Ingenieurunternehmen. Zu den qualifizierten Bewerbern gehören unter anderem die China Communications Construction Company, die China Road and Bridge Corporation, die China Civil Engineering Construction Corporation sowie die Beijing Construction Engineering Group und die Beijing Urban Construction Group. Ebenfalls vertreten sind die China Construction Eighth Engineering Division, die China First Highway Engineering Company, die China National Aero-Technology International Engineering Corporation, die China Railway Beijing Engineering Group und die Shandong Luqiao Group.
Chinesische Bauunternehmen verfügen über eine langjährige Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent und haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Großprojekte in Äthiopien realisiert, darunter Eisenbahnlinien, Straßennetze und öffentliche Gebäude. Die starke Präsenz auf der Auswahlliste unterstreicht die gewachsene Rolle Pekings beim Ausbau der afrikanischen Transport- und Logistikinfrastruktur.
Internationale Konkurrenz und Strukturierung der Baulose
Trotz der starken Vertretung chinesischer Bieter bewerben sich auch etablierte Baukonzerne aus anderen Regionen um die Aufträge. Aus der Türkei haben sich die Unternehmen IC Ictas, Kalyon Insaat und MAPA Construction qualifiziert. Aus Europa nehmen die italienischen Konzerne Webuild und ICM sowie der französische Baukonzern Vinci Construction Grands Projets am Verfahren teil. Weiterhin vertreten sind Samsung C&T aus Südkorea, The Lane Construction Corporation aus den USA, die Mota-Engil Group über ihre afrikanische Tochtergesellschaft MEECA aus Portugal, Afcons Infrastructure aus Indien sowie die katarischen Unternehmen Urbacon Trading & Contracting und GB-ACT Group. Zudem stehen die russische Holding JSC Natprojectstroy sowie die Betreibergesellschaft der Eisenbahnverbindung Ethio-Djibouti Railway auf der Liste.
Die Ausschreibung gliedert sich in vier Hauptarbeitspakete. Diese umfassen den Bau des zentralen Terminalkomplexes, die Errichtung von Unterstützungs- und Wartungseinrichtungen, die Erstellung der Start- und Landebahnen sowie des Rollfeldes und schließlich die Anbindung des Flughafengeländes an das regionale Verkehrs- und Schienennetz.
Geopolitische Interessen und Aufschub der Auftragsvergabe
Die Entscheidung über die Vergabe der vier Hauptlose sollte ursprünglich früher fallen, wurde jedoch von Ethiopian Airlines auf Anfang Januar 2027 verschoben. Die Bieter hatten um eine Verlängerung der Fristen gebeten, da die Erstellung der technischen Machbarkeitsstudien und die Bereitstellung internationaler Finanzierungssicherheiten bei einem Projekt dieser Größenordnung erhebliche Zeit in Anspruch nehmen.
Parallel zum formalen Bietungsverfahren zeichnen sich diplomatische und wirtschaftliche Einflussversuche ab. Aus den USA gibt es Bestrebungen, eine Beteiligung US-amerikanischer Unternehmen an dem Infrastrukturprojekt zu fördern. Die US-Regierung versucht dabei, Unterstützung für das Bauvorhaben mit künftigen Flugzeugbestellungen von Ethiopian Airlines beim US-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing zu verknüpfen. Das Vorhaben verdeutlicht die wirtschafts- und geostrategische Bedeutung des neuen Drehkreuzes, das als künftiger Hauptknotenpunkt für den afrikanischen Luftverkehr konzipiert ist.