Die Deutsche Bahn weist in ihrer betrieblichen Bilanz für das erste Halbjahr 2026 erneut erhebliche Defizite im Schienenfernverkehr auf.
Aus einer Antwort des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen geht hervor, dass rund jeder zwölfte Fernzug ganz oder teilweise ausgefallen ist. Die Ausfallquote im Fernverkehr stieg damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozentpunkte auf insgesamt acht Prozent. Lediglich im ersten Halbjahr 2024 lag der Wert mit damals zwölf Prozent – bedingt durch mehrtägige Streikmaßnahmen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) – noch höher.
Auch bei den Ankunftszeiten bleibt die Lage für Fahrgäste im ICE- und IC-Netz angespannt. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 erreichten im Schnitt lediglich 58,7 Prozent der Fernzüge pünktlich ihren Zielort. Die betriebliche Statistik des Konzerns erfasst einen Zug als pünktlich, sofern die Abweichung vom Fahrplan weniger als sechs Minuten beträgt. Zugausfälle fließen in diese spezifische Messgröße nicht ein, sodass die reale Belastung für Passagiere höher liegt. Im Nahverkehr fiel die Bilanz mit Pünktlichkeitswerten zwischen 85 und 89 Prozent vergleichsweise stabiler aus. Bei der kundenbezogenen Reisendenpünktlichkeit, die auch verpasste Anschlusszüge und eine Toleranzschwelle von knapp 15 Minuten berücksichtigt, fallen die Werte traditionell noch niedriger aus.
Ursächlich für die anhaltend hohe Störungsanfälligkeit des Schienennetzes sind vor allem die veraltete Infrastruktur sowie die Vielzahl zeitgleicher Baustellen auf den Hauptkorridoren. Der Sanierungsstau bei Weichen, Stellwerken und Oberleitungen führt auf stark frequentierten Streckenabschnitten regelmäßig zu Engpässen. Zudem bremsen die Arbeiten im Rahmen des laufenden Generalsanierungsprogramms den laufenden Betrieb aus, da Umleitungen und eingleisige Streckenführungen das Gesamtsystem anfällig für Folgeverspätungen machen.
Branchenanalysten und Fahrgastverbände wie Pro Bahn kritisieren die anhaltend niedrige Verlässlichkeit des Fernverkehrs scharf. Zwar sind die umfassenden Korridorsanierungen notwendig, um die Trassen langfristig zu stabilisieren, jedoch führen die Bauarbeiten kurz- und mittelfristig zu gravierenden Kapazitätseinschränkungen. Für den DB-Konzern bedeutet die unzureichende Ausführungsqualität im Fernverkehr nicht nur Einnahmenverluste durch Entschädigungszahlungen nach den Fahrgastrechteverordnungen, sondern auch einen Vertrauensverlust bei Vielfahrern und Geschäftskunden.