Der brasilianische Flugzeugbauer Embraer hat die behördliche Zulassung für sein überarbeitetes Modell Phenom 300EV erhalten. Wie das Unternehmen bekannt gab, erteilten die brasilianische Zivilluftfahrtbehörde ANAC, die US-amerikanische Federal Aviation Administration (FAA) sowie die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) zeitgleich die entsprechenden Musterzulassungen.
Damit ist das Flugzeug für den kommerziellen und privaten Betrieb in den wesentlichen globalen Flugmärkten freigegeben. Die Neuentwicklung basiert auf dem Geschäftsreisejet Phenom 300 und zeichnet sich durch die Integration des Garmin Emergency Autoland-Systems aus. Die Zertifizierung schließt eine zentrale Phase im Entwicklungsprozess ab, bevor das Flugzeug ab dem Jahr 2028 an die ersten Kunden ausgeliefert werden soll.
Automatisierte Sicherheitssysteme und technische Erweiterungen
Mit dem Garmin Emergency Autoland führt Embraer ein Notfallsystem in das Segment der leichten Geschäftsreisejets ein. Die Technologie ist darauf ausgelegt, im Falle einer Handlungsunfähigkeit des Piloten eigenständig die Kontrolle über das Luftfahrzeug zu übernehmen. Das System führt die Steuerung durch, wählt einen geeigneten Ausweichflugplatz aus, kommuniziert automatisch mit der Flugsicherung sowie den Passagieren an Bord und leitet den Anflug inklusive Landung vollautomatisch ein. Der Phenom 300EV ist das bislang größte Modell im Segment der Business-Jets, das mit diesem Sicherheitsfeature ausgerüstet ist.
Um die Voraussetzungen für die elektronische Steuerung zu schaffen, entwickelte Embraer eine Steuerungseinheit unter der Bezeichnung Multi-Purpose Electronic Controller. Diese Einheit steuert Komponenten wie die automatische Bremsanlage (Autobrake) und eine elektronische Seitenrudersteuerung (Rudder-by-Wire). Nach Angaben des Herstellers dienen diese technischen Anpassungen nicht nur der Umsetzung der automatischen Landekapazität, sondern entlasten die Piloten auch im regulären Flugbetrieb und vereinfachen die Wartungsverfahren.
Reichweitenerhöhung und Leistungsdaten im regionalen Direktverkehr
Der Phenom 300EV wurde im Vergleich zu seinen Vorgängermodellen in Bezug auf Reichweite und Nutzlast angepasst. Bei einer Besetzung mit vier Passagieren und unter Berücksichtigung der NBAA-IFR-Reservebrennstoffmengen beträgt die maximale Reichweite 2.055 nautische Meilen, was rund 3.806 Kilometern entspricht. Dies ermöglicht Direktverbindungen im Mittelstreckenbereich, beispielsweise auf Routen von Aspen nach New York, von Dubai auf die Malediven oder von São Paulo nach Manaus. Die Höchstgeschwindigkeit des Flugzeugs liegt weiterhin bei Mach 0,80.
Ergänzend zur Reichweitenerhöhung verzeichnet das Modell eine gesteigerte maximale Nutzlast. Die Integration von Lithium-Ionen-Batterien sowie modernen LED-Lande- und Taxilichtern sorgt für eine Reduzierung des Systemgewichts und eine Verbesserung der Energieeffizienz an Bord. Das Cockpit basiert auf dem Avioniksystem Garmin G3000 Prodigy Touch und umfasst Assistenzsysteme wie eine Autothrottle-Funktion, den Notabstiegmodus (Emergency Descent Mode) sowie Warnsysteme zur Vermeidung von Landebahnüberschreitungen.
Kabinenkomfort und moderne Kommunikationslösungen
Im Passagierbereich wurden Ausstattungsdetails überarbeitet. Für die Konnektivität an Bord sorgt eine ab Werk integrierte Anbindung an das Satellitennetzwerk von Gogo Galileo, das auf Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) zugreift, um Breitbandverbindungen bereitzustellen. Zusätzlich soll über ein nachträgliches Ergänzungsgutachten (Supplemental Type Certificate) ein Internetzugang über das Starlink-Netzwerk als Nachrüstlösung angeboten werden.
Die Passagierkabine behält eine maximale Kabinendruckhöhe von 6.600 Fuß bei, was den physischen Druck auf den Körper während des Fluges verringern soll. Ergänzt wird die Kabinenumgebung durch ein druckloses Vakuum-WC, ein überarbeitetes Belüftungssystem mit Luftionisation sowie Anpassungen im Verpflegungsbereich.
Marktkontext und Vorbereitung auf die Serienfertigung
Die Phenom-300-Serie gehört seit mehreren Jahren zu den weltweit am häufigsten ausgelieferten Modellen in der Kategorie der leichten Geschäftsreiseflugzeuge. Die Vorstellung der Variante 300EV erfolgte im Juli 2026, um den Vorsprung gegenüber Konkurrenzmodellen von Herstellern wie Cessna oder Textron Aviation zu behaupten.
Präsident und Vorstandsmitglied von Embraer Executive Jets, Michael Amalfitano, bezeichnete die erfolgreiche Dreifachzertifizierung als Bestätigung für die Entwicklungsarbeit des Unternehmens. Die behördlichen Freigaben der ANAC, FAA und EASA bilden die rechtliche Voraussetzung dafür, dass Embraer die Produktion der Vorfolgemodelle schrittweise auf die EV-Variante umstellen und die Auslieferungen ab dem Jahr 2028 aufnehmen kann.