Die US-amerikanische Fluggesellschaft United Airlines evaluiert derzeit strategische Optionen zur Erweiterung ihrer Präsenz am Flughafen John F. Kennedy International (JFK) in New York.
Wie der Vorstandsitzende des Unternehmens, Scott Kirby, in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNBC erläuterte, beabsichtigt die Fluggesellschaft, nach dem geplanten Wiedereintritt in das Drehkreuz weitere Start- und Landerechte (Slots) von Mitbewerbern zu erwerben. Im Fokus stehen dabei Kapazitäten anderer Fluggesellschaften, die auf ihren aktuellen Verbindungen ab dem New Yorker Flughafen keine zufriedenstellende Rentabilität erzielen. Der Vorstoß unterstreicht die Bemühungen der Fluggesellschaft, ihre Position im stark umkämpften Großraum New York parallel zum Hauptdrehkreuz Newark Liberty International zu festigen.
Partnerschaft mit JetBlue als Basis für die Rückkehr nach New York-JFK
Die Grundlage für die Rückkehr von United Airlines an den Flughafen JFK bildet eine im Mai 2025 geschlossene Kooperation mit der US-Fluggesellschaft JetBlue Airways. Diese Vereinbarung sichert United den Zugriff auf Slots für bis zu sieben tägliche Hin- und Rückflüge. Die Abwicklung dieser Flüge soll über das neu errichtete Terminal 6 erfolgen. United hatte sich im Jahr 2015 weitgehend vom Flughafen JFK zurückgezogen, um die eigenen Ressourcen am Drehkreuz Newark zu bündeln. Ein kurzzeitiger Versuch, im Jahr 2021 mit wenigen täglichen Verbindungen an die US-Westküste zurückzukehren, wurde im Herbst 2022 aufgrund unzureichender Slot-Zuteilungen wieder eingestellt.
Welche konkreten Flugrouten United Airlines ab dem Flughafen JFK bedienen wird, steht bislang nicht offiziell fest. Branchenbeobachter erwarten die Bekanntgabe der Netzpläne im Rahmen der bevorstehenden Ankündigungen zur weltweiten Streckenplanung. Die Nutzung der von JetBlue bereitgestellten Kapazitäten bildet somit den Ausgangspunkt für das Ziel der Unternehmensführung, schrittweise eine größere betriebliche Basis an einem der wichtigsten internationalen Luftverkehrskenngrößen der US-Ostküste zu etablieren.
Strukturelle Netzlücken im Südosten der USA und in Südamerika
Neben den Vorhaben im Raum New York verwies Unternehmenschef Scott Kirby auf bestehende Lücken im Streckennetz der Fluggesellschaft. Insbesondere im Südosten der Vereinigten Staaten sowie auf Marktverbindungen nach Südamerika verfügt United im Vergleich zu Mitbewerbern wie American Airlines oder Delta Air Lines über eine schwächere Marktpräsenz. Ursächlich hierfür ist das Fehlen eines eigenen Drehkreuzes in der Region.
Kirby räumte ein, dass diese Lücken aus eigener Kraft schwer zu schließen sind, da der Aufbau neuer Drehkreuze an kapazitätsbeschränkten Flughäfen im Südosten des Landes kaum realisierbar ist. Der Erwerb bestehender Infrastrukturen oder umfassende Konsolidierungsschritte im US-Luftverkehrsmarkt unterliegen jedoch strengen regulatorischen Hürden und stoßen auf Widerstände bei Mitbewerbern. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich das Management darauf, Punkt-zu-Punkt-Verbindungen auszubauen und bestehende Partnerschaften zu nutzen, um die Erreichbarkeit dieser Zielmärkte für Kunden zu verbessern.
Regulatorische und operative Herausforderungen im New Yorker Luftraum
Der Markt für Luftverkehrsdienstleistungen im Großraum New York gehört zu den profitabelsten, aber auch operativ anspruchsvollsten weltweit. Der Flughafen JFK unterliegt strengen Kapazitätsbeschränkungen, bei denen Zeitnischen für Start und Landung behördlich reguliert sind. Ein Erwerb oder die Übernahme von Slot-Leasingverträgen von anderen Fluggesellschaften erfordert neben erheblichen finanziellen Mitteln auch die Zustimmung der zuständigen US-Luftfahrtbehörden.
Zudem kämpft der Luftraum New York regelmäßig mit Überlastungen der Flugsicherung und wetterbedingten Verzögerungen. Während United Airlines in Newark erhebliche Marktanteile hält, ist das Angebot am Flughafen JFK stark fragmentiert. Ob der geplante Kauf zusätzlicher Slots von wirtschaftlich schwächelnden Mitbewerbern in vollem Umfang umgesetzt werden kann, hängt von der Verkaufsbereitschaft anderer Fluggesellschaften sowie der marktkonformen Ausgestaltung der Ticketpreise ab.