Die britische Low-Cost-Fluggesellschaft Easyjet verzeichnet eine strukturelle Verschiebung innerhalb der Altersstruktur des Kabinenpersonals. Nach Unternehmensangaben ist die Zahl der Flugbegleiter im Alter von über 50 Jahren seit dem Jahr 2022 um 127 Prozent gestiegen.
Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei den Beschäftigten über 60 Jahren aus, deren Anzahl sich im selben Zeitraum beinahe vervierfachte. Die Entwicklung geht auf gezielte Anpassungen der Rekrutierungsansätze zurück, mit denen die Fluggesellschaft verstärkt Berufsumsteiger aus anderen Branchen für die Arbeit an Bord anspricht.
Hintergrund dieser Entwicklung sind veränderte Personalbeschaffungsmaßnahmen im Nachgang der weltweiten Reisebeschränkungen, die bei vielen Fluggesellschaften zu erheblichen Personalengpässen führten. Um den Bedarf an Kabinenpersonal zu decken, rief die Airline im Jahr 2024 die Initiative „Returnships“ ins Leben. Das Programm richtet sich an Bewerber in der zweiten Lebenshälfte und bietet kostenlose Praxistage an, um Berührungsängste abzubauen. Eine vom Unternehmen durchgeführte Umfrage ergab, dass zwar drei Viertel der Befragten einen späten Berufswechsel als realistisch erachten, knapp 28 Prozent jedoch zuvor davon ausgingen, dass die Tätigkeit im Flugdienst ausschließlich jüngeren Altersgruppen vorbehalten sei.
Der demografische Wandel innerhalb der Flugbegleitermannschaften stellt viele europäische Carrier vor neue Rahmenbedingungen. Ältere Beschäftigte bringen zwar oft berufliche Vorerfahrung in Kundenservice und Krisenmanagement mit, jedoch stellt der Schichtbetrieb im Luftverkehr mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, Zeitverschiebungen und physischen Belastungen spezifische Anforderungen an die Belegschaft. Um die Fluktuation gering zu halten, passen Airlines schrittweise ihre Schulungsprogramme und Einsatzpläne an die Bedürfnisse alterssgemischter Teams an.
Luftfahrtanalysten werten das Anwerben älterer Arbeitnehmer auch als Reaktion auf die angespannte Lage am europäischen Arbeitsmarkt. Angesichts des Fachkräftemangels im Transportsektor reicht die klassische Zielgruppe der Berufseinsteiger nicht mehr aus, um den Personalbedarf während der verkehrsintensiven Sommermonate vollständig abzudecken. Die Rekrutierung von Quereinsteigern über 50 Jahren ermöglicht es den Fluggesellschaften, auf ein breiteres Potenzial an Arbeitskräften zurückzugreifen, setzt jedoch voraus, dass die physischen Eignungsprüfungen und flugsicherheitstechnischen Standards ausnahmslos erfüllt werden.