Streik (Foto: Markus Spiske/Unsplash).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Tarifkonflikt führt zu unbefristetem Streik der spanischen Airbus-Beschäftigten

Werbung

Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus in Spanien haben einen unbefristeten Streik begonnen, nachdem ein von der Unternehmensleitung vorgelegter Vorschlag zu Gehältern und Arbeitsbedingungen in einer Abstimmung abgelehnt worden war.

Der Ausstand begann am 25. August 2026 im Anschluss an dreistündige Arbeitsunterbrechungen und Personalversammlungen am Vortag. Das Streikkomitee der Arbeitnehmervertreter erklärte, dass die Arbeitsniederlegungen jeweils volle 24-Stunden-Zeiträume umfassen und vorerst ohne festes Enddatum geführt werden. Bereits vom 1. Juli 2026 bis zum 23. Juli 2026 hatte eine Serie von Warnstreiks stattgefunden, die zu verhandelten Kompromissvorschlägen führte, welche von den Belegschaften jedoch in einem Referendum verworfen wurden. Ein neuerlicher Schlichtungsversuch zwischen der Unternehmensführung und den Gewerkschaften ist für den 27. August 2026 anberaumt.

Forderungen der Belegschaft und Stand der Schlichtungsverhandlungen

Die Ursachen der Arbeitseinstellung liegen in mehreren ungelösten Tarif- und Arbeitsplatzfragen. Die Belegschaft fordert Anpassungen bei den Reallöhnen, klarere Regelungen für das Arbeiten im Homeoffice, verbindliche Vereinbarungen zu Urlaubsplanungen sowie zur betrieblichen Mitarbeiterbeförderung. Zudem steht die Anwendung des sogenannten Bradford-Faktors in der Kritik – einer Formel, mit der das Management die Häufigkeit und Dauer von Krankheitsausfällen misst und bewertet. Die Arbeitnehmerseite verlangt ferner schriftliche Garantien dafür, dass organisatorische Umstrukturierungen nicht zu Stellenabbau oder einer Verschlechterung von Arbeitsbedingungen führen. Dies betrifft insbesondere Umbauprojekte in den spanischen Raumfahrtaktivitäten des Konzerns. Ein weiterer Streitpunkt sind Lohnunterschiede zwischen jüngeren Beschäftigten und langjährigen Mitarbeitern, die vergleichbare Tätigkeiten ausüben.

Im Rahmen der Vermittlungsgespräche hatte die Führung von Airbus am 21. August 2026 ein Angebot vorgelegt, das Gehaltserhöhungen mit Koppelung an die Inflationsrate sowie Einmalzahlungen zum Ausgleich von Kaufkraftverlusten vorsah. Darüber hinaus bot das Unternehmen an, eine gerichtliche Beschwerde bezüglich Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall zurückzuziehen und zuvor einbehaltene Beträge an die Beschäftigten zurückzuerstatten. Das Streikkomitee beurteilte diesen Entwurf jedoch als unzureichend, da feste Zusagen und Fristen bei zentralen Forderungen fehlten. Trotz eines überarbeiteten Angebots der Unternehmensleitung vom 26. August 2026 stimmten die Mitarbeiterversammlungen für die Fortführung des unbefristeten Streiks bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der täglichen Verhandlungskontakte. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich am ersten vollen Streiktag rund 90 Prozent der aufrufe-berechtigten Beschäftigten an der Aktion. Airbus bestätigte diese Zahl bislang nicht und machte keine offiziellen Angaben darüber, in welchem Ausmaß die Produktion von Flugzeugen oder Bauteilen beeinträchtigt ist.

Bedeutung der spanischen Standorte für die zivile und militärische Fertigung

Airbus beschäftigt in Spanien insgesamt rund 14.000 Personen an acht Standorten. Die Tätigkeitsfelder umfassen die Zivilluftfahrt, die Militärluftfahrt, den Hubschrauberbau sowie die Fertigung von Raumfahrtsystemen. Im Zivilflugzeugbereich sind etwa 4,500 Mitarbeiter an den Standorten Getafe, Illescas und Cádiz beschäftigt. Diese Werke produzieren wesentliche Großbauteile für die gesamte Flugzeugpalette des Herstellers.

In Getafe montieren die Beschäftigten die Höhenleitwerke für die Modellfamilien A320, A330 und A350 sowie den hinteren Rumpfabschnitt der A350. Das Werk in Illescas stellt großflächige Verbundwerkstoffstrukturen her, darunter die Tragflächenabdeckungen der A350 sowie die Frachtraumtür für das Frachtflugzeug A350F. Der Standort Cádiz fertigt Komponenten für Leitwerke und Triebwerksverkleidungen der A320neo. Neben dem Zivilbereich unterhält Airbus militärische Montage- und Wartungsstätten in Getafe und Sevilla, ein Hubschrauberwerk in Albacete sowie Entwicklungs- und Produktionsstätten für Satelliten- und Raketenhardware im Großraum Madrid.

Mögliche Auswirkungen auf die globale Lieferkette des Konzerns

Aufgrund der Spezialisierung der einzelnen Werke auf bestimmte Komponenten können längere Arbeitsunterbrechungen an den spanischen Standorten Auswirkungen auf die gesamten Endmontagelinien von Airbus in Frankreich, Deutschland, den Vereinigten Staaten und China haben. Da Bauteile wie Höhenleitwerke oder Rumpfsektionen im Just-in-time-Verfahren an die Montagewerke geliefert werden, führen Engpässe in den Zulieferwerken nach gewissen Pufferzeiten zu Verzögerungen bei der Fertigstellung von Neuflugzeugen.

Die Gewerkschaften setzen mit der unbefristeten Arbeitsniederlegung auf eine schnelle Nachbesserung des Unternehmensangebots. Für den Flugzeughersteller stellt der Tarifkonflikt eine Belastung in einer Phase dar, in der die Auslieferungszahlen hoch gehalten werden sollen, um die weltweite Nachfrage nach Verkehrsflugzeugen zu bedienen. Die kommenden Schlichtungstage werden zeigen, ob eine Annäherung der beiden Tarifparteien erzielt werden kann.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung