Ryanair in Linz (Foto: Flughafen Linz GesmbH).
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Flughafen Linz: Land Oberösterreich plant die vollständige Übernahme

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Die Eigentümerstruktur des Flughafens Linz in Hörsching steht vor einer grundlegenden Umgestaltung. Das Land Oberösterreich beabsichtigt, den 50-Prozent-Anteil der Stadt Linz zu übernehmen und damit alleiniger Eigentümer des oberösterreichischen Regionalflughafens zu werden.

Ein Bewertungsgutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beziffert den Gesamtwert des Unternehmens auf Basis von Liquidationswerten auf 1,9 Millionen bis 3,4 Millionen Euro, wobei etwaige Sanierungskosten für die Start- und Landebahn sowie potenzielle Schadenersatzforderungen unberücksichtigt blieben. Es wird davon ausgegangen, dass die landeseigene OÖ Verkehrsholding GmbH den städtischen Anteil für den Mittelwert von rund 1,3 Millionen Euro erwirbt. Die Transaktion soll bis Oktober 2026 abgeschlossen werden. Die Verhandlungen fallen in eine wirtschaftlich angespannte Phase, da der Flughafen im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich ein Defizit von 8 Millionen bis 9 Millionen Euro ausweisen wird.

Hintergründe der geplanten Übernahme durch die OÖ Verkehrsholding GmbH

Die Umstrukturierung der Eigentumsverhältnisse sieht vor, dass die OÖ Verkehrsholding GmbH, die bereits jetzt die Hälfte der Anteile am Flughafen Linz hält, als Käuferin der städtischen Anteile auftritt. Die Holding bündelt wesentliche Beteiligungen des Landes im Transport- und Infrastrukturbereich. Dazu gehören unter anderem 99 Prozent an der Ennshafen OÖ GmbH, Anteile an regionalen Bahnverbindungen wie der Lokalbahn Lambach-Vorchdorf-Eggenberg mit 11,03 Prozent sowie der Lokalbahn Vöcklamarkt-Attersee mit 10,46 Prozent und eine Minderheitsbeteiligung von 2,17 Prozent an der ASFINAG Service GmbH.

Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner, der zugleich den Aufsichtsrat der Flughafen Linz GesmbH leitet, begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, den Flughafen Linz als Infrastruktureinrichtung für den Wirtschafts- und Industrie-Standort Oberösterreich dauerhaft zu sichern und organisatorisch neu auszurichten. Die Konzentration der Anteile in der Hand des Landes soll künftige Investitionsentscheidungen vereinfachen und eine einheitliche Führung der regionalen Verkehrsnetze ermöglichen.

Führungswechsel in der Geschäftsführung und operative Doppelnutzung

Parallel zur Neuordnung der Eigentümerstruktur vollzieht sich ein Wechsel an der Spitze des Managements. Jörg Ebbighausen hat im März 2026 die Geschäftsführung des Flughafens Linz übernommen. Er folgt auf Norbert Draskovits, der Ende September 2026 in den Ruhestand tritt. Bis zu diesem Zeitpunkt begleiten beide Manager die Übergangsphase gemeinsam, um einen geordneten Betriebsübergang zu gewährleisten. Jörg Ebbighausen verfügt über langjährige Erfahrung im Zivilluftfahrtsektor und war vor seinem Wechsel nach Oberösterreich unter anderem mit der Leitung verschiedener Infrastrukturprojekte am Flughafen München betraut.

Eine organisatorische Besonderheit des Standorts Hörsching liegt in seiner Doppelnutzung. Der Platz ist formal als Militärflugplatz mit dem Namen Fliegerhorst Vogler klassifiziert und wird zivil mitbenutzt. Während die militärischen Einrichtungen des Österreichischen Bundesheeres südlich der Start- und Landebahn angesiedelt sind, befinden sich das zivile Terminal und die Frachtabfertigung nördlich der Piste. Beide Einheiten nutzen dieselbe Start- und Landebahn gemeinsam, was spezifische Koordinations- und Ausgleichsvereinbarungen bezüglich der Instandhaltungs- und Betriebskosten erfordert.

Passagierentwicklung und Einschränkungen im Streckennetz

Das operative Geschäft des Flughafens verzeichnet seit der weltweiten Zivilluftfahrtkrise der Jahre 2020 und 2021 spürbare Veränderungen. Im Vorjahr hatte der Flughafen Linz zwar einen Passagierzuwachs von 45,2 Prozent auf über 262.000 Fluggäste gemeldet und damit die höchste prozentuale Steigerungsrate unter den österreichischen Verkehrsflughäfen erreicht. Allerdings liegt dieser Wert weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019, als noch mehr als 438.000 Passagiere in Hörsching gezählt wurden.

Im Sommerflugplan 2026 umfasst das Linienangebot im Wesentlichen die Anbindung an das Drehkreuz Frankfurt am Main, die an Werktagen mehrmals täglich von der Fluggesellschaft Danish Air Transport (DAT) bedient wird, sowie Verbindungen der Low-Cost-Airline Ryanair nach London-Stansted. Zudem bietet Ryanair saisonale Linienflüge nach Alicante und Bari an. Das Ferienflugsegment wird durch verschiedene Charterverbindungen abgedeckt, unter anderem zu Zielen wie Antalya, Brač, Heraklion auf Kreta, Hurghada, Kos, Rhodos, Skiathos und Palma de Mallorca.

Im Unterschied zu den Mitbewerbern an den Standorten Salzburg, Graz oder Innsbruck blieben die Passagierzahlen in Linz in den letzten Monaten hinter den Erwartungen zurück. Für zusätzliche Belastung sorgt der Beschluss der Fluggesellschaft Ryanair, die Verbindung nach London-Stansted im Herbst 2026 bis auf Weiteres einzustellen. Damit fällt eine wichtige Ganzjahresverbindung im Streckennetz weg.

Finanzielle Konsolidierung und operative Herausforderungen

Der prognostizierte Fehlbetrag von 8 Millionen bis 9 Millionen Euro für das laufende Jahr verdeutlicht den Konsolidierungsbedarf des Unternehmens. Vor den weltweiten Reisebeschränkungen erwirtschaftete der Flughafen Linz regelmäßig ausgeglichene bis positive Ergebnisse und galt als wirtschaftlich eigenständig. Die Erhöhung der Betriebskosten bei gleichzeitig verzögerter Erholung des Geschäftsreiseverkehrs belastet die Bilanz jedoch anhaltend.

Die alleinige Eigentümerschaft des Landes Oberösterreich ab Oktober 2026 versetzt die öffentliche Hand in die Pflicht, ein tragfähiges Betriebskonzept für den Standort zu erarbeiten. Dabei stehen die Anpassung der Personal- und Sachkosten, die Neuverhandlung von Anreizsystemen für Fluggesellschaften sowie die stärkere Einbindung des Frachtgeschäfts im Fokus der künftigen Unternehmensführung unter Jörg Ebbighausen.

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