Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur sowie der Klima- und Energiefonds haben im Rahmen des Programms Rail4Climate die Auswahl von vier kooperativen Forschungs- und Entwicklungsprojekten bekannt gegeben.
Die Vorhaben verfügen über eine maximale Laufzeit von 36 Monaten und zielen darauf ab, durch Digitalisierung und Automatisierung die Kapazität sowie die betriebliche Produktivität des Schienengüter- und Personenverkehrs in Österreich zu steigern. Das Investitions- und Förderprogramm unterstützt Unternehmen, Infrastrukturbetreiber und Forschungseinrichtungen dabei, technologische Prototypen zur Marktreife zu führen.
Zu den ausgewählten Initiativen gehört das Projekt INNO4LEGACY, das die technischen und zulassungsrechtlichen Grundlagen für die Nachrüstung bestehender Lokomotiven mit der Digitalen Automatischen Kupplung erarbeitet. Das Vorhaben SARI-Lumberjack 2 erprobt selbstfahrende, elektrisch angetriebene Güterwagen für den Verschub sowie Transporte auf kurzen Strecken. Mit der Auswertung von Lärm- und Radsatzüberwachungen befasst sich das Projekt HERD-AT, um eine internationale Datenbasis für die bedarfsgerechte Wartung von Waggons aufzubauen. Das vierte Vorhaben, SMACS4M, nutzt Künstliche Intelligenz und digitale Abbilder von Schienenfahrzeugen, um Instandhaltungsintervalle vorausschauend zu steuern.
Die Umrüstung von Bestandsflotten und die Einführung automatisierter Systeme gelten in der Eisenbahnbranche als zentrales Element, um die Auslastung des Schienennetzes ohne zeitaufwendigen Trassenneubau zu erhöhen. Durch die Umstellung auf die Digitale Automatische Kupplung und prädiktive Instandhaltungsverfahren lassen sich Standzeiten in den Werkstätten reduzieren und die Umlaufgeschwindigkeiten von Güterzügen steigern. Dies sichert die betriebliche Leistungsfähigkeit von Eisenbahnverkehrsunternehmen im Wettbewerb mit dem Straßengüterverkehr.
Branchenbeobachter verweisen jedoch darauf, dass der wirtschaftliche Nutzen der isoliert geförderten Einzelprojekte maßgeblich von einer europaweiten Standardisierung abhängt. Die Nachrüstung von Bestandsfahrzeugen mit komplexer Sensortechnik oder Kupplungssystemen erfordert erhebliche Folgeinvestitionen der Waggonhalter und Zugförderer. Ohne eine einheitliche Rechts- und Zulassungspraxis auf EU-Ebene sowie eine langfristig gesicherte Anschlussfinanzierung für den Serienhochlauf droht der Übergang von den Pilotanwendungen in den flächendeckenden Regelbetrieb ins Stocken zu geraten.