Ein Flug der Fluggesellschaft Eurowings von Köln/Bonn nach Palma de Mallorca ist am Samstag auf dem Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle außerplanmäßig abgebrochen worden. Die Besatzung der von Smartwings betriebenen Boeing 737-800 hatte während des Fluges einen Notfall erklärt, woraufhin das Flugzeug sicher in der französischen Hauptstadt aufsetzte.
Der Flug mit der Flugnummer EW590 wurde nicht von Eurowings selbst durchgeführt, sondern im Rahmen eines sogenannten Wet-Lease-Abkommens von der tschechischen Fluggesellschaft Smartwings abgewickelt. Ursache für die Ausweichlandung war nach Unternehmensangaben eine unvorhergesehene Dampf- beziehungsweise Rauchentwicklung im Bereich einer der Bordküchen. Personen kamen bei dem Vorfall nicht zu Schaden, die Maschine wurde nach der Landung einer technischen Überprüfung unterzogen.
Ablauf des Fluges und Notfallerklärung über Frankreich
Der Flug EW590 startete am Samstagmorgen am Flughafen Köln/Bonn mit dem Ziel Palma de Mallorca, einer der am stärksten frequentierten Ferienverbindungen im Netz der Lufthansa-Tochtergesellschaft. Während sich die Maschine im Reiseflug über französischem Luftraum befand, bemerkte das Kabinenpersonal eine Rauchentwicklung im hinteren Bereich der Passagierkabine, die auf ein Gerät in einer der Galleys zurückgeführt werden konnte.
Aus Sicherheitsgründen entschied sich die Flugkapitänin in Absprache mit der Flugsicherung zur Einleitung eines Sinkfluges und zur Deklarierung eines Notfalls über den Transpondercode 7700. Dies räumte dem Flugzeug Priorität bei der Ansteuerung des nächstgelegenen Großflughafens ein. Die Boeing 737-800 landete kurz darauf ohne weitere Zwischenfälle auf dem Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle. Rettungskräfte und die Flughafenfeuerwehr standen gemäß den standardisierten Betriebsabläufen an der Landebahn bereit, mussten jedoch nicht aktiv eingreifen.
Technische Ursachenforschung und Betreuung der Passagiere
Nach der Ankunft an der Parkposition in Paris wurden die Passagiere über die gewöhnlichen Treppenanlagen aus dem Flugzeug geleitet und im Terminalbereich betreut. Untersuchungen von Technikern vor Ort ergaben, dass eine Fehlfunktion an einem elektrischen Ofen in der Bordküche zur Erhitzung von Speisen die Ursache für die Dampf- und Rauchbildung war. Ein offenes Feuer oder ein Übergreifen der Hitzeentwicklung auf die Flugzeugstruktur lag nach bisherigen Erkenntnissen nicht vor.
Um die Weiterreise der Fluggäste nach Palma de Mallorca zu gewährleisten, organisierte der Charterpartner Smartwings in Absprache mit Eurowings ein Ersatzflugzeug sowie eine neue Besatzung. Die Passagiere konnten ihren Flug nach einer mehrstündigen Verzögerung am Nachmittag in Richtung der balearischen Hauptinsel fortsetzen. Die betroffene Boeing 737-800 verblieb für weitere Reparaturarbeiten und Systemprüfungen zunächst am Boden in Paris, bevor sie wieder in den regulären Liniendienst überführt werden konnte.
Der Einsatz von Fremdgesellschaften im Wet-Lease-Verfahren
Der Zwischenfall wirft ein Schlaglicht auf die Praxis des sogenannten Wet-Lease-Geschäfts, das in der europäischen Luftfahrtbranche insbesondere während der verkehrsreichen Sommermonate weit verbreitet ist. Dabei mieten Fluggesellschaften wie Eurowings komplette Flugzeuge samt Besatzung, Wartung und Versicherung von Partnerunternehmen an, um Spitzen bei der Nachfrage abzudecken oder eigene Kapazitätsengpässe auszugleichen.
Smartwings ist ein etablierter tschechischer Anbieter, der regelmäßig Kapazitäten für europäische Netzwerkträger bereitstellt. Obwohl die Sicherheitsstandards im europäischen Luftraum einheitlich durch die Europäische Agentur für Flugsicherheit reguliert werden, führt der Einsatz wechselnder Partnerunternehmen im Operationsbereich gelegentlich zu Abstimmungsbedarf bei internen Abläufen. Für Fluggäste ist vor dem Einsteigen oft nicht direkt ersichtlich, dass der Flug von einer Partnergesellschaft durchgeführt wird, da die Buchung und die Flugnummer unter der Marke des Hauptanbieters laufen.
Sicherheitsroutinen und betriebliche Folgen bei Kabinenrauch
Vorfälle mit Rauch- oder Dampfentwicklung in der Kabine gehören zu den Szenarien, die im Pilotentraining intensiv geschult werden. Da im Reiseflug eine Ausbreitung von Rauch im geschlossenen Druckrumpf ein erhebliches Risiko darstellen kann, verlangen die Betriebsvorschriften bei ungeklärten Ursachen eine unverzügliche Landung auf dem nächstgelegenen geeigneten Flughafen.
Die Entscheidung der Besatzung von Flug EW590, den Weiterflug nach Mallorca abzubrechen und Paris anzusteuern, entspricht den Vorgaben für das Risikomanagement im Luftverkehr. Auch wenn sich die Ursache im Nachhinein als technisch überschaubar herausstellte, hatte der Vorfall operative Auswirkungen auf den nachfolgenden Flugplan des Flugzeugs und führte zu Verzögerungen im Rotationsplan der betroffenen Airlines.