Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic treibt ihre betriebliche Umstrukturierung voran und reduziert ihre Flotte von bislang 54 auf 36 Maschinen des Typs Airbus A220-300 bis zum Jahresende.
Trotz der deutlichen Verringerung der Flugzeugkapazitäten soll die estnische Hauptstadt Tallinn nach dem Heimatdrehkreuz Riga der zweitwichtigste Standort der Fluggesellschaft bleiben. Wie der Flughafen Tallinn nach Gesprächen mit dem Management der Airline bestätigte, sichert Air Baltic als Marktführer vor Ort mit derzeit rund 25 Prozent Passagieranteil weiterhin den Flugbetrieb ab. Auch der Standort Vilnius in Litauen bleibt im Netz verankert, während die ungarische Wizz Air mit einem Marktanteil von 17 Prozent als Hauptwettbewerber in Tallinn agiert.
Der überarbeitete Geschäftsplan sieht vor, das Streckennetz insgesamt auszudünnen und unprofitable Routen einzustellen. Im Gegenzug sollen die verbliebenen Verbindungen – wie etwa die Strecke von Tallinn nach Wien – im Winterflugplan mit höheren Frequenzen bedient werden. Ursprüngliche Expansionspläne, die den Aufbau einer Flotte von bis zu 100 Flugzeugen vorsahen, wurden aufgrund der anhaltend angespannten Finanzlage verworfen. Um den laufenden Betrieb und den Umbau abzusichern, benötigt die überwiegend in staatlichem Besitz befindliche Airline eine Zwischenfinanzierung in Höhe von 225 Millionen Euro. Ein kurzfristiger Handlungsspielraum entstand zuletzt dadurch, dass Anleihegläubiger zugestimmt haben, auf die Auszahlung fälliger Zinsabschläge bis zum Jahresende zu verzichten.
Ein wichtiger Pfeiler des operativen Geschäfts bleibt die Partnerschaft mit der Lufthansa Group, die im Rahmen eines bis 2028 laufenden Wet-Lease-Vertrags Flugzeuge samt Besatzung von Air Baltic anmietet. In Nachfragespitzen kann die Lufthansa bis zu 21 Airbus A220-300 im eigenen Streckennetz einsetzen. Für den Sommerflugplan 2027 wurden die vorgesehenen Kapazitäten zwischen den beiden Unternehmen bereits verbindlich abgestimmt. Die Lufthansa-Gruppe, die mit zehn Prozent an Air Baltic beteiligt ist, strebt zwar mittelfristig eine Reduzierung von externen Charterkapazitäten an, greift zur Stabilisierung des Flugplans jedoch weiterhin auf die Kapazitäten des lettischen Partners zurück.
Einen finanziellen Beitrag zur Sanierung von Air Baltic lehnt die Lufthansa-Führung unter Konzernchef Carsten Spohr ab. Die Verantwortung für die notwendige Kapitalzufuhr liege beim lettischen Staat, der knapp 89 Prozent der Anteile an der Fluggesellschaft hält. Branchenbeobachter bewerten die Zurückhaltung des deutschen Luftfahrtkonzerns als Zeichen für das verbleibende wirtschaftliche Risiko bei der Umstrukturierung von Air Baltic. Die Airline steht vor der Herausforderung, trotz einer um ein Drittel verkleinerten Flotte ausreichend Erträge zu erwirtschaften, um die künftige Schuldentilgung ohne fortlaufende staatliche Stützungsmaßnahmen zu gewährleisten.