Bundeswehrtraining am FMO (Foto: Flughafen Münster/Osnabrück).
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Anerkennung als militärischer Ausbildungsbetrieb für Lufthansa Technical Training durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr

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Das Schulungsunternehmen Lufthansa Technical Training GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Lufthansa Technik AG, hat vom Luftfahrtamt der Bundeswehr die behördliche Zulassung als Ausbildungsorganisation nach den Vorgaben der Deutschen Militärischen Luftfahrt-Anforderungen erhalten.

Die feierliche Überreichung der entsprechenden Zertifizierungsurkunde markiert den formalen Eintritt des zivilen Bildungsanbieters in die technische Qualifizierung von Instandhaltungspersonal für militärische Luftfahrzeugmuster. Das Zulassungsverfahren umfasste eine Überprüfung der betrieblichen Abläufe sowie mehrtägige Auditierungen vor Ort. Die Genehmigung erstreckt sich zunächst auf die theoretische Ausbildung in verschiedenen Lizenzkategorien und findet ihren ersten praktischen Anwendungsbereich bei der Schulung von Personal für das neue Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug P-8A Poseidon der Deutschen Marine. Die Einbindung privater Flugzeugwartungsbetriebe in die Ausbildungskette der Streitkräfte steht im Kontext steigender Anforderungen an die Verfügbarkeit militärischer Fluggeräte und spiegelt die engere Verflechtung zwischen der zivilen Luftfahrtindustrie und der Bundeswehr wider.

Rechtliche Grundlagen der Zulassung und Auditierungsverfahren

Die Ausbildung von technischem Personal für die militärische Luftfahrt unterliegt in Deutschland gesonderten Bestimmungen, die in den Deutschen Militärischen Luftfahrt-Anforderungen geregelt sind. Diese Regelungen leiten sich aus den europäischen Standards für militärische Lufttüchtigkeit ab und stellen sicher, dass das Wartungspersonal nach einheitlichen Sicherheits- und Qualitätsmaßstäben geschult wird. Eine Zulassung als ziviler Instandhaltungsbetrieb nach den Vorgaben der europäischen Luftfahrtsicherheitsbehörde EASA ist für den militärischen Bereich rechtlich nicht ausreichend, weshalb ein eigenständiges Genehmigungsverfahren durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr erforderlich war.

Im Zuge dieses Zulassungsverfahrens musste Lufthansa Technical Training nachweisen, dass die bestehenden Lehrpläne, das Schulungspersonal und die internen Qualitätsmanagementsysteme den spezifischen Erfordernissen der Streitkräfte entsprechen. Die Prüfungen erstreckten sich über mehrere Monate und schlossen mehrtägige Organisations- und Lehrgangsaudits an den Ausbildungsstandorten ein. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Verfahrens erhält das Unternehmen die Berechtigung, die theoretische Schulung für die Lizenzkategorien B1.1 für mechanische Systeme und Triebwerke, B2 für Avionik- und Elektroniksysteme sowie C für die leitende Freigabe nach umfassenden Instandhaltungsarbeiten durchzuführen. Eine Erweiterung der Genehmigung auf praktische Ausbildungsanteile befindet sich derzeit in der behördlichen Bearbeitung und soll bis zum Jahresende 2026 abgeschlossen werden.

Erster Einsatzbereich im Programm der P-8A Poseidon für die Deutsche Marine

Die erste konkrete Anwendung der neuen Zertifizierung erfolgt im Rahmen des Beschaffungsprogramms für die P-8A Poseidon. Das von Boeing gefertigte Luftfahrzeug dient der Deutschen Marine als künftiges System zur Seefernaufklärung und U-Boot-Jagd und löst die bisherige Flotte der P-3C Orion ab. Die technische Betreuung und Wartung dieses Musters wird von einem Industriekonsortium getragen, dem neben der Lufthansa Technik Defense auch der Flugzeugbauer Boeing und der Elektronikkonzern Hensoldt angehören.

Im Auftrag des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr übernimmt Lufthansa Technical Training innerhalb dieses Konsortiums die Qualifizierung des technischen Fachpersonals. Das Schulungsprogramm ist darauf ausgelegt, die Grundlagen für den dauerhaften und sicheren Wartungs- und Flugbetrieb der Maschinen zu legen. Das Modell der P-8A Poseidon basiert konstruktiv auf dem Passagierflugzeug Boeing 737-800, weshalb Erfahrungen aus dem zivilen Flugzeugbetrieb in die Ausbildung einfließen können. Die Erteilung der Musterfreigabe durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr stellt die Voraussetzung dar, um sowohl militärisches Personal der Marine als auch zivile Techniker des Industrieteams auf das neue System geschult werden können.

Einbindung ziviler Dienstleister in den Verteidigungssektor

Die Erteilung der Ausbildungszulassung an ein ziviles Unternehmen fügt sich in die Entwicklung der Streitkräfte ein, Unterstützungsprozesse vermehrt an spezialisierte Industrieunternehmen auszulagern. Angesichts hoher Kapazitätsauslastungen und der Komplexität moderner Waffensysteme greift das Bundesministerium der Verteidigung auf die bestehende Infrastruktur und das Know-how der zivilen Luftfahrtindustrie zurück. Die Muttergesellschaft Lufthansa Technik hat hierfür den Geschäftsbereich Special Aircraft and Defense etabliert, um Aufträge der öffentlichen Hand und internationaler Streitkräfte gebündelt zu bearbeiten.

Die Führungsebene des Schulungsunternehmens betont, dass die Übernahme militärischer Schulungsmandate die technische Einsatzbereitschaft der Bundeswehr stärken soll. Durch die Nutzung etablierter ziviler Ausbildungsstrukturen sollen Engpässe bei der Qualifizierung von Wartungspersonal reduziert werden. Gleichzeitig sichert sich der Dienstleister eine Erweiterung seines Geschäftsfeldes außerhalb des schwankungsanfälligen zivilen Passagiermarktes.

Verkehrspolitische und sicherheitspolitische Einordnung

Die engere Verzahnung zwischen zivilen Luftfahrtgesellschaften und den Streitkräften ist Gegenstand anhaltender Diskussionen in der Fachöffentlichkeit. Befürworter verweisen auf die betriebswirtschaftlichen Vorteile und die Beschleunigung von Ausbildungsprozessen durch die Einbindung privater Infrastruktur. Die Verfügbarkeit von Fachkräften und gewartetem Fluggerät könne durch solche Kooperationen stabiler gehalten werden als durch rein militärische Eigenbetriebe.

Kritische Stimmen geben hingegen zu bedenken, dass eine zunehmende Abhängigkeit der Streitkräfte von privaten Industrieunternehmen bei Kernaufgaben wie der Flugzeughaltung Risiken birgt. Auftragsspitzen im zivilen Wartungsgeschäft oder personelle Engpässe auf dem privaten Arbeitsmarkt könnten sich direkt auf die Kapazitäten für die Streitkräfte auswirken. Zudem erfordert die Arbeit an militärischen Systemen erweiterte Sicherheitsüberprüfungen des zivilen Personals und besondere Schutzvorkehrungen an den Standorten. Wie belastbar die Kooperation zwischen dem Luftfahrtamt der Bundeswehr und zivilen Bildungsanbietern im Dauerbetrieb ist, wird sich bei der Einführung der P-8A Poseidon und möglichen Folgeprojekten zeigen.

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