Die börsennotierte Flughafen Wien AG hat am 1. September 2026 das neue Ausbildungsjahr begonnen. Insgesamt 29 Jugendliche starteten ihre berufliche Laufbahn am Standort Schwechat, womit die Gesamtzahl der beim Flughafenbetreiber beschäftigten Lehrlinge auf 99 steigt.
Das Ausbildungsspektrum umfasst vorwiegend technische und handwerkliche Berufsbilder wie Elektro- und Gebäudetechnik, Kraftfahrzeug- und Nutzfahrzeugtechnik, Metalltechnik sowie Sanitär-, Lüftungs- und Heizungstechnik. Ergänzend werden Lehrstellen im Informationstechnologie-Sektor und in der Reinigungstechnik angeboten.
Das Ausbildungskonzept des Flughafens basiert auf der Kombination aus betriebseigener Lehrwerkstätte und direktem Praxiseinsatz in den Terminals, Werkstätten und auf dem Vorfeld. Ergänzend zum regulären Berufsschulunterricht sieht das Unternehmen einen festen wöchentlichen Schulungstag zur fachlichen Vertiefung vor. Neben der handwerklichen Weiterbildung bietet der Flughafenbetreiber optionale Zusatzangebote wie Fremdsprachenkurse, Unterstützung beim Erwerb der Berufsreifeprüfung (Lehre mit Matura) sowie Austauschprogramme mit internationalen Partnerflughäfen an. Vorstand Günther Ofner betont dabei die Notwendigkeit, qualifizierten Nachwuchs im eigenen Haus heranzuziehen, um den betrieblichen Bedarf am Wirtschaftsstandort langfristig abzudecken.
Aus Sicht von Arbeitsmarktexperten reflektiert der Ausbau der Lehrlingsausbildung die anhaltend hohe Nachfrage nach qualifiziertem Fachpersonal in der Luftfahrt- und Infrastrukturbranche. Nach den pandemiebedingten Einbrüchen und dem darauffolgenden Personalmangel im europäischen Flugverkehr versuchen Flughafenbetreiber, Schlüsselpositionen in der technischen Instandhaltung und Logistik durch selbst ausgebildetes Personal dauerhaft zu besetzen. Die Bereitstellung einer internen Ausbildungsstruktur gilt als wichtiges Element, um der Abwanderung von Arbeitskräften in andere Industriezweige entgegenzuwirken.
Kritische Beobachter der Ausbildungsquote verweisen jedoch darauf, dass der Aufwand für die Betreuung und Weiterqualifizierung der Auszubildenden angesichts des kontinuierlichen Schichtbetriebs und der strengen Sicherheitsauflagen auf dem Flughafengelände beträchtlich ist. Der tatsächliche Nutzen für das Unternehmen wird sich daran messen lassen, wie viele der ausgebildeten Nachwuchskräfte nach dem Ende ihrer Ausbildungszeit langfristig im Betrieb gehalten werden können und wie effizient die erworbenen Qualifikationen zur Senkung externer Dienstleistungskosten beitragen.