Der Weinanbau in Dänemark entwickelt sich zu einem festen Wirtschaftsfaktor innerhalb der nordeuropäischen Landwirtschaft. Trotz der vorherrschenden Wahrnehmung Dänemarks als traditionelles Brauereiland ist die Nation bereits seit dem Jahr 2000 ein von der Europäischen Union offiziell anerkanntes Weinbauland.
Nach aktuellen Datenerhebungen existieren im Land derzeit rund 1.100 kleinere und größere Erzeugerstellen, darunter etwas mehr als 100 rein kommerziell geführte Weinbaubetriebe. Der Anbau gliedert sich geografisch in die vier Hauptanbaugebiete Jütland, Fünen, Seeland und Bornholm. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Norstat verbinden bisher lediglich zwei Prozent der deutschen Verbraucher das skandinavische Land mit der Weinproduktion, was auf ein verbleibendes Marktpotenzial im Export hinweist.
Die betriebliche Struktur der dänischen Hotellerie- und Gastronomie-Zulieferer ist stark von mittelständischen Familienbetrieben und Spezialisierungen geprägt. Als Pionierbetrieb gilt das Weingut Skærsøgaard Vin bei Kolding, das als erster zugelassener Weinbaubetrieb des Landes gilt und über etwa 25.000 Rebstöcke verfügt. Der größte Einzelbetrieb der Branche ist Dyrehøj Vingård nahe Kalundborg auf Seeland mit einem Bestand von mehr als 30.000 Pflanzen. Um klimatischen Bedingungen und Ertragsschwankungen entgegenzuwirken, setzen viele Betriebe auf Diversifizierung. Höfe wie der Vester Vedsted Vingård oder Årø Vingård kombinieren den Rebanbau mit Mikrobrauereien, Destillerien, Fruchtweinerzeugung aus Äpfeln oder Kirschen sowie angeschlossenen Gastronomie- und Hofladenstrukturen.
Aufgrund des spezifischen Nordseeklimas stützt sich der dänische Weinbau vorrangig auf pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWIs) sowie auf die Veredelung lokaler Obstsorten. Die Andersen Winery im Nationalpark Mols Bjerge hat sich beispielsweise auf die Herstellung von Schaumweinen aus regionalen Früchten spezialisiert, während der Betrieb Frederiksdal auf der Insel Lolland verarbeitete Erzeugnisse aus der Stevnsbær-Sauerkirsche für die gehobene Gastronomie herstellt. Regional gebündelte Standorte wie das Gebiet Odsherred auf Seeland nutzen geschützte Südlagen für Betriebe wie Ørnberg Vin und Vejrhøj Vingård. Die Vermarktung erfolgt zu großen Teilen im Direktvertrieb an Besucher und Urlauber, womit der Weinbau eine Schnittstelle zur regionalen Tourismuswirtschaft bildet.
Agrarökonomen verweisen jedoch darauf, dass der dänische Weinbau trotz qualitativer Fortschritte mit spürbaren Wettbewerbsnachteilen konfrontiert ist. Aufgrund vergleichsweise kleiner Anbauflächen, hoher Personalkosten und arbeitsintensiver Bewirtschaftungsverfahren liegen die Erzeugerpreise pro Flasche deutlich über dem Durchschnitt etablierter mitteleuropäischer Anbaugebiete. Der Verkauf stützt sich daher stark auf den Nischenmarkt für Premium- und Spezialitätenprodukte. Um langfristig am Markt zu bestehen, müssen die Betriebe eine hohe Wertschöpfung über den Ab-Hof-Verkauf und die Gastronomie absichern, da eine preisliche Konkurrenz zum massenhaft importierten Segment aus Südeuropa nicht realistisch ist.