Die lettische Fluggesellschaft Air Baltic hat eine Vereinbarung mit bestehenden Anleihegläubigern und Finanzinstituten über eine Liquiditätshilfe von bis zu 257 Millionen Euro geschlossen.
Das Finanzierungspaket dient der Sicherung des operativen Flugbetriebs und soll dem Management Zeit für die Umsetzung eines überarbeiteten Geschäftsplans verschaffen. Die geplante Mittelbeschaffung soll über die Ausgabe neuer Anleihen mit einer Fälligkeit zum 26. Februar 2027 abgewickelt werden. Voraussetzung für das Wirksamwerden der Vereinbarung ist die Zustimmung der Anleihegläubigerversammlung, die für den 11. September 2026 anberaumt wurde, sowie die Genehmigung durch die Hauptversammlung der Aktionäre.
Sofern die erforderlichen Beschlüsse gefasst werden, soll die Auszahlung in zwei Tranchen erfolgen. Eine erste Tranche in Höhe von 180 Millionen Euro steht kurz nach der Abstimmung der Gläubiger bereit. Das verbleibende Restvolumen von 77 Millionen Euro wird nach Erfüllung weiterer vertraglicher Bedingungen freigegeben. Der Vorstandsvorsitzende Erno Hildén betont, dass die Zufuhr liquider Mittel zwingend erforderlich sei, um das Unternehmen neu aufzustellen und die wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken. Die Zwischenfinanzierung erfordert laut Unternehmensangaben keine direkte staatliche Beihilfe, wenngleich der lettische Staat als Mehrheitsaktionär und Anleihegläubiger im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben proportional teilnehmen kann.
Die aktuelle Notwendigkeit einer Zwischenfinanzierung unterstreicht den anhaltenden Konsolidierungsdruck, unter dem die baltische Fluggesellschaft steht. Trotz steigender Passagierzahlen auf den Strecken im Ostseeraum belasten hohe Betriebskosten, Flottenanpassungen und Verpflichtungen aus früheren Anleiheemissionen die Kapitalstruktur. Zudem bereitet Air Baltic seit mehreren Jahren einen Börsengang vor, der aufgrund unruhiger Marktbedingungen und schwankender Margen im europäischen Luftverkehrssektor mehrfach verschoben werden musste.
Luftfahrtexperten verweisen darauf, dass die vereinbarte Überbrückung bis Februar 2027 das grundlegende Problem der Kapitalausstattung nur kurzfristig löst. Die vergleichsweise kurze Laufzeit der neuen Anleihen zwingt das Management dazu, innerhalb weniger Monate rentable Ergebnisse vorzulegen oder die Verhandlungen mit Investoren und potenziellen Partnern aus der Luftfahrtbranche rasch zu einem Abschluss zu bringen. Das Gelingen des Restrukturierungsplans bleibt damit die zentrale Voraussetzung für das Überleben der Fluggesellschaft als eigenständige Marke im Baltikum.