Boeing 737-800 (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Kürzungen im Sommerflugplan treffen die regionale Infrastruktur in Oberösterreich

Werbung

Der Flughafen Linz-Hörsching steht erneut vor infrastrukturellen Herausforderungen. Wie am 4. September 2026 bekannt wurde, zieht die türkische Fluggesellschaft Corendon Airlines wesentliche Kapazitäten für die Sommersaison 2027 ab.

Da das Angebot im Bereich der Linienflüge in den vergangenen Jahren stark abgenommen hat, traf diese Anpassung ein Marktsegment, das für den oberösterreichischen Airport von zentraler Bedeutung ist. Neben dem Streichen der Verbindungen nach Ägypten reduzierte der Ferienflieger die Frequenzen zu weiteren Zielgebieten im Mittelmeerraum. Während die Leitung des Flughafens nach Ersatzlösungen sucht, laufen auf politischer Ebene die Verhandlungen über die künftige Eigentümerstruktur des Standorts.

Spürbare Einschnitte im Ferienflugverkehr ab dem Frühjahr 2027

Die Anpassungen im Flugplan betreffen beliebte Destinationen für Urlaubsgäste. Ab Ende März 2027 stellt Corendon Airlines die Verbindung ins ägyptische Hurghada während des Sommerhalbjahrs vollständig ein. Im laufenden Flugplan bedient die Airline diese Route noch zweimal wöchentlich. Für die anstehende Wintersaison bleibt die Destination nach Angaben des Flughafens vorerst im Angebot.

Auch auf weiteren Strecken kommt es zu Ausdünnungen. Die Flüge nach Heraklion auf Kreta werden von drei auf zwei wöchentliche Frequenzen gekürzt. Das Angebot in das türkische Antalya sinkt im Corendon-Flugplan von bisher vier auf zwei Verbindungen pro Woche.

Bereits im Juni 2026 hatte die Fluggesellschaft ihr Angebot in Hörsching punktuell reduziert und verwies damals auf geopolitische Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Lage im Nahen Osten. Der nun angekündigte Schritt bedeutet eine tiefgreifendere Anpassung für das gesamte Sommerhalbjahr 2027.

Betriebswirtschaftliche Ursachen und Rahmenbedingungen in der Luftfahrt

Vonseiten der Fluggesellschaft und des Flughafenbetreibers wird betont, dass die Reduzierung der Flüge nicht aus mangelndem Passagierinteresse resultiert. Die betroffenen Flüge wiesen nach Angaben der Verantwortlichen eine solide Auslastung auf. Das Management von Corendon verweist auf Anpassungen der Flugpläne an Marktveränderungen, Wettbewerbsfaktoren und Kostenstrukturen.

In der Luftfahrtbranche wird auf die steigenden Belastungen durch hohe Treibstoffpreise hingewiesen. Diese Kostenfaktoren treffen zwar den gesamten europäischen Markt, führen bei Fluggesellschaften aber verstärkt zu einer Überprüfung von Strecken an kleineren regionalen Flughäfen. Die Entscheidung basiert auf der Notwendigkeit, Flugzeuge auf Routen mit den höchsten Erträgen einzusetzen.

Fortlaufender Druck auf den Linzer Passagiermarkt

Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der der Passagierverkehr am Linzer Flughafen ohnehin unter starkem Druck steht. Nach krisenbedingten Tiefständen zählte der Airport im Jahr 2025 zwar wieder 262.347 Fluggäste, blieb damit jedoch deutlich hinter den Werten anderer österreichischer Bundesländer-Flughäfen wie Innsbruck oder Graz zurück. In den vergangenen Jahren schrumpfte das klassische Liniennetz spürbar, weshalb der Urlaubs- und Charterverkehr eine tragende Säule im Passagiergeschäft übernahm.

Zusätzlich zur Entscheidung von Corendon ergeben sich Änderungen bei den Billigfluggesellschaften. Der irische Anbieter Ryanair, der Linz mit Zielen wie Bari und Alicante verbindet, strich die Route nach London aus dem Programm des kommenden Winters. Das Unternehmen begründete diesen Schritt offiziell mit der Höhe der österreichischen Flugabgabe. Marktbeobachter verweisen zudem darauf, dass die Passagierauslastung auf dieser Strecke unter dem konzernweiten Durchschnitt des Anbieters lag.

Suche nach Ersatzanbietern und politische Weichenstellungen

Um die entstehenden Kapazitätslücken zu schließen, führt das Flughafenmanagement bereits Verhandlungen mit anderen Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern. Flughafensprecher Ingo Hagedorn äußerte sich zuversichtlich, dass Ziele wie Hurghada, Antalya und Heraklion den Passagieren aus der Region auch im Sommer 2027 zur Verfügung stehen werden.

Für die Strecke nach Antalya gelang es dem Flughafen bereits, eine zusätzliche Verbindung mit einem weiteren Anbieter abzusichern. Dadurch soll das Ziel in der kommenden Sommersaison mindestens dreimal wöchentlich erreichbar bleiben. Der Name der ausführenden Fluggesellschaft steht bisher noch nicht fest. Für die Flugverbindungen nach Ägypten und Griechenland stehen finale Vereinbarungen mit Partnern noch aus, Ergebnisse sollen in den nächsten Wochen vorliegen.

Parallel zu den betrieblichen Entwicklungen verändern sich die Rahmenbedingungen auf Eigentümerebene. Derzeit halten das Land Oberösterreich und die Stadt Linz jeweils 50 Prozent der Anteile am Flughafen. Es laufen Verhandlungen darüber, dass das Land den Anteil der Stadt Linz übernimmt und damit vorübergehend die vollständige Kontrolle über die Infrastruktur erhält. Im Anschluss daran wird die Möglichkeit einer Teilprivatisierung geprüft, um den Standort langfristig neu auszurichten und betriebswirtschaftlich abzusichern.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung