Ein Frachtflugzeug vom Typ Boeing 767-300F schoss am 6. September 2026 bei der Landung auf dem internationalen Flughafen Miami über die Landebahn hinaus.
Nach dem Verlassen der Piste geriet die Maschine in Brand und kollidierte mit mehreren Fahrzeugen. Bei dem Zwischenfall kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Unfall führte zu erheblichen Einschränkungen im internationalen Flugverkehr, Rettungskräfte und Ermittlungsbehörden leiteten umgehend einen Großeinsatz sowie Untersuchungen zur Klärung der Unfallursache ein.
Unfallablauf und Einsatz der Rettungskräfte
Die betroffene Maschine mit dem Kennzeichen N1997A befand sich auf dem Flug 7598, der vom internationalen Flughafen Luis Muñoz Marín in San Juan, Puerto Rico, ausging. Der Abflug erfolgte pünktlich um 11.42 Uhr Ortszeit. Nach einem rund zweistündigen Flug setzte das Flugzeug um 13.54 Uhr auf der Landebahn 30 in Miami auf.
Aus Aufzeichnungen des Flugfunks geht hervor, dass die Besatzung im Vorfeld der Landung keine technischen Probleme oder Notsignale an die Luftverkehrskontrolle meldete. Telemetriedaten weisen jedoch darauf hin, dass die Maschine mit einer Geschwindigkeit von knapp 200 Meilen pro Stunde, was etwa 173 Knoten entspricht, auf der Piste aufsetzte. Die reguläre Anflug- und Landegeschwindigkeit für eine Frachtmaschine dieses Typs liegt üblicherweise zwischen 135 und 140 Knoten. Beim Erreichen des Bahnendes wies das Flugzeug noch eine Restgeschwindigkeit von rund 112 Knoten auf, woraufhin es über das Ende der Start- und Landebahn hinausschoss.
Im Anschluss an das Hinausschießen geriet die Frachtmaschine in Brand und stieß im Umfeld des Flughafengeländes mit mehreren Fahrzeugen zusammen. Die Feuerwehr von Miami-Dade rückte mit mehr als 60 Rettungseinheiten an die Unfallstelle aus. Vor Ort trafen die Einsatzkräfte auf eine starke Rauchentwicklung und offene Flammen. Die Rettungs- und Löscharbeiten dauerten mehrere Stunden an, während zeitgleich die Erstversorgung der Verletzten eingeleitet wurde. Drei Personen erlitten kritische Verletzungen und wurden in umliegende Krankenhäuser transportiert.
Auswirkungen auf den Flugbetrieb und Ausweichmaßnahmen
Aufgrund des Unfalls ordneten die Behörden eine vorübergehende Schließung des internationalen Flughafens Miami an und verhängten ein Start- und Landeverbot. Die Sperrung der Infrastruktur führte zu spürbaren Behinderungen im zivilen Luftverkehr. Bis zum Abend des 6. September 2026 wurden laut Auswertungen des Flugverfolgungsdienstes FlightAware 324 Verspätungen und 164 Flugstreichungen am Flughafen Miami registriert.
Um den Luftverkehr zu entlasten, übernahmen benachbarte Flughäfen die Abwicklung diverser Ausweichflüge. Insbesondere der internationale Flughafen Orlando nahm eine Vielzahl von Maschinen auf, die ursprünglich für Miami vorgesehen waren. Die Betreibergesellschaften riefen Passagiere dazu auf, sich vor Reiseantritt direkt bei ihren jeweiligen Fluggesellschaften über den aktuellen Status ihrer Verbindungen zu informieren.
Rahmendaten zum Flugzeug und betriebliche Hintergründe
Das verunglückte Flugzeug verweist auf eine lange Betriebsgeschichte. Die Boeing 767-300F stammte aus dem Baujahr 1994 und wies somit ein Alter von 32 Jahren auf. Vor dem Umbau zu einem Frachtflugzeug diente die Maschine über viele Jahre hinweg dem zivilen Passagiertransport. Im Jahr 2015 erfolgte die Übergabe an die Fluggesellschaft Atlas Air, bevor das Flugzeug ab 2016 im Auftrag der Frachtsparte des Onlinehändlers Amazon zum Einsatz kam. Im Jahr 2025 wechselte das Flugzeug zur Chartergesellschaft 21 Air mit Sitz in North Carolina, die den Jet leaste und sowohl für eigene Frachtaufträge als auch für Transportdienste im Logistiknetzwerk von Amazon nutzte.
Obwohl das Flugzeug äußere Markierungen des Logistikdienstleisters trug, lag die operative Durchführung des Fluges bei der Fluggesellschaft 21 Air. Das Unternehmen betreibt in seiner Flotte elf Flugzeuge des Typs Boeing 767-300F. Trotz einer Markenanpassung des Logistiknetzwerks im Jahr 2017 blieben frühere Schriftzüge auf Teilen der Flotte erhalten. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass der beschädigte Flugzeugrumpf aufgrund der Strukturschäden und des Feuers als Totalschaden eingestuft werden muss, eine offizielle Bestätigung der Behörden zur Verwertung der Zelle steht jedoch noch aus.
Ermittlungsansätze zur Unfallursache
Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration sowie die nationale Transportsicherheitsbehörde leiteten umgehend Untersuchungen am Unfallort ein. Bislang gibt es keine offiziellen Angaben dazu, welche technischen oder menschlichen Faktoren zu der erhöhten Landegeschwindigkeit geführt haben.
In Fachkreisen wird unter anderem diskutiert, ob mechanische Fehlfunktionen an den Landeklappen oder den Bremsklappen vorgelegen haben könnten. Abweichungen in der Konfiguration dieser Steuerungselemente können dazu führen, dass Piloten für den Anflug eine höhere Geschwindigkeit wählen müssen, um den Auftrieb stabil zu halten. Weder die Betreibergesellschaft 21 Air noch der Auftraggeber Amazon gaben bisher detaillierte Stellungnahmen zu den genauen Unfallursachen ab und verwiesen auf die laufenden Untersuchungen der Ermittlungsteams vor Ort.