Das Schweizer Technologieunternehmen Synhelion hat mit Regierungsstellen des Königreichs Marokko eine Absichtserklärung über die Entwicklung einer Produktionsstätte für synthetische Treibstoffe unterzeichnet.
Zu den Partnern auf marokkanischer Seite gehören das Ministerium für Industrie und Handel, das Ministerium für Energiewende sowie die Agentur für Investitions- und Exportförderung (AMDIE). Das Projekt sieht die Errichtung einer Industrieanlage in der südmarokkanischen Provinz Tan-Tan innerhalb der Region Guelmim-Oued Noun vor. Ziel ist die Herstellung von jährlich 100.000 Tonnen synthetischem Kerosin, Diesel und Benzin für den Transportsektor.
Für die Umsetzung des Vorhabens hat das Unternehmen ein Areal vor Ort reserviert und die Tochtergesellschaft Synhelion Morocco gegründet, die den Status in der Finanzzone Casablanca Finance City erhalten hat. Mit dem Abkommen beabsichtigt Synhelion, seine Technologie zur Umwandlung von Prozessenergie in flüssige Energieträger weiter zu skalieren. Die geplanten Endprodukte sind als sogenannte Drop-in-Treibstoffe konzipiert, die ohne technische Modifikationen an bestehenden Motoren oder Logistikketten in der Zivilluftfahrt, Schifffahrt und im Straßenverkehr eingesetzt werden können.
Das Projekt fügt sich in die Industriestrategie Marokkos ein, das sich als Exportstandort für synthetische Energieträger und chemische Grundstoffe positionieren möchte. Für Synhelion folgt das Vorhaben auf den Betrieb der Pilotanlage DAWN im deutschen Jülich, an der die Verfahrenstechnik im kleineren Maßstab erprobt wird. Die Großanlage in North Africa soll dazu beitragen, die Produktionsmengen schrittweise zu erhöhen und die Gestehungskosten pro Liter Treibstoff an das Niveau herkömmlicher Energieträger anzunähern.
Branchenexperten betonen jedoch, dass das Projekt vor erheblichen finanziellen und technischen Herausforderungen steht. Die Errichtung großtechnischer Syntheseanlagen in ariden Regionen erfordert hohe Investitionsmittel für die thermische und chemische Prozessinfrastruktur sowie gesicherte Wasser- und Rohstoffquellen. Zudem bleibt abzuwarten, wie schnell die finale Finanzierung für das Vorhaben gesichert werden kann, da Absichtserklärungen im internationalen Anlagengeschäft noch keine rechtsverbindlichen Bauentscheidungen darstellen.