Der Flughafen Nürnberg erweitert sein Ausbildungskonzept für das Bodenpersonal und setzt beim Ramp Service auf Virtual-Reality-Technologie. Jährlich durchlaufen rund 50 neue Mitarbeiter im Abfertigungsbereich die Schulungen für Tätigkeiten auf dem Vorfeld, ergänzt durch regelmäßige Fortbildungen für das Bestands personal.
Das neue Schulungsmodul wird zwischen dem theoretischen Unterricht und den praktischen Übungen am Flugzeug eingesetzt, um Arbeitsabläufe wie das Einwinken von Maschinen, den Umgang mit Gepäckförderbändern, das Anschließen von Bodenstromgeräten sowie Pushback-Manöver gefahrlos zu trainieren.
Die technische Lösung für das virtuelle Training stammt von der Kölner Draxon GmbH, die sich auf Simulationen für die Bodenabfertigung an Verkehrsflughäfen spezialisiert hat. Die virtuellen Lerninhalte orientieren sich an den Vorgaben der International Air Transport Association (IATA) und ermöglichen es den Ausbildern, Lernfortschritte über eine zentrale Trainer-Plattform zu begleiten. Neben Regelabläufen werden im virtuellen Raum gezielt kritische Gefahrensituationen und Fehlerquellen eingespult, um die Entscheidungsfindung des Personals unter Stressbedingungen ohne Unfallrisiken oder Sachschäden an Flugzeugen zu schulen.
Die Einführung der Simulationstechnik erfolgt vor dem Hintergrund hoher Sicherheitsanforderungen im Ground Handling sowie eines kontinuierlichen Bedarfs an qualifizierten Nachwuchskräften. Im Vorfeld- und Abfertigungsbetrieb führen Fehlverhalten oder mangelnde Absprachen zwischen Bodenpersonal und Cockpit immer wieder zu kostenintensiven Beschädigungen an Flugzeugrümpfen oder Fahrwerken. Zur Ergänzung der virtuellen Einheiten plant der Flughafen Nürnberg zudem die Anschaffung eines haptischen Übungscontainers, an dem das manuelle Be- und Entladen sowie das Andocken von Bodengeräten unter realen Bedingungen geübt werden kann.
Luftfahrt- und Arbeitsschutzexperten werten den Einsatz von Virtual Reality im Ground Handling als zweckmäßige Ergänzung zur Reduzierung der Einarbeitungszeit und zur Steigerung der Arbeitssicherheit. Dennoch betonen Branchenkenner, dass die virtuelle Simulation die physische Erfahrung auf dem Vorfeld – etwa Witterungseinflüsse, Lärmbelastung und zeitlichen Druck im realen Taktbetrieb – nur bedingt abbilden kann. Die Wirksamkeit des Konzepts hängt somit maßgeblich davon ab, wie gut die virtuell erlernten Handgriffe im anschließenden Realbetrieb auf dem Rollfeld umgesetzt werden.