Wasserflasche (Foto: Jan Gruber).
Redakteur
Letztes Update
Give a coffee
Informationen sollten frei für alle sein, doch guter Journalismus kostet viel Geld.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie Aviation.Direct freiwillig auf eine Tasse Kaffee einladen.
Damit unterstützen Sie die journalistische Arbeit unseres unabhängigen Fachportals für Luftfahrt, Reisen und Touristik mit Schwerpunkt D-A-CH-Region und zwar freiwillig ohne Paywall-Zwang.
Wenn Ihnen der Artikel nicht gefallen hat, so freuen wir uns auf Ihre konstruktive Kritik und/oder Ihre Hinweise wahlweise direkt an den Redakteur oder an das Team unter unter diesem Link oder alternativ über die Kommentare.
Ihr
Aviation.Direct-Team

Mögliche Aufhebung der Wasserflaschen-Beschränkung an US-Flughäfen für TSA-PreCheck-Mitglieder

Werbung

Eine der bekanntesten Vorgaben an den Sicherheitsschleusen von US-amerikanischen Flughäfen – das Austrinken, Entsorgen oder Abgeben von Wasserflaschen vor dem Erreichen des Röntgenbandes – könnte für einen Teil der Reisenden schrittweise entfallen.

Nach Informationen aus Regierungskreisen prüft die Transportsicherheitsbehörde Transportation Security Administration (TSA) die Möglichkeit, registrierten Mitgliedern des Schnellprüfprogramms TSA PreCheck die Mitnahme von gefüllten Wasserflaschen im Handgepäck an ausgewählten Flughäfen zu gestatten. Diese Überlegungen bedeuten jedoch nicht das unmittelbare Ende der bundesweit geltenden Regelung für Flüssigkeiten. Die sogenannte 3-1-1-Vorschrift, die flüssige Inhalte in Handgepäckbehältern auf maximal 100 Milliliter beziehungsweise 3,4 Unzen begrenzt, bleibt vorerst im gesamten Bundesgebiet für alle übrigen Passagiere und Flüssigkeitsbehälter in Kraft.

Technologische Voraussetzungen und stufenweise Umsetzung

Die Erprobung einer möglichen Ausnahme soll sich nach Angaben von Regierungsvertretern zunächst ausschließlich auf TSA-PreCheck-Reisende an Sicherheitskontrollpunkten beschränken, die mit Computertomographie-Scannern (CT) der neueren Generation und automatisierten Erkennungssystemen ausgestattet sind. Diese Systeme ermöglichen es, Wasser anhand seiner chemischen und physikalischen Eigenschaften im Scanbild von anderen, potenziell gefährlichen Flüssigkeiten zu unterscheiden. Welche Standorte zuerst an dem Pilotprojekt teilnehmen werden, ist von Behördenseite noch nicht offiziell festgelegt worden. Ein Hauptgrund dafür ist der Umstand, dass die Sicherheitsbehörde noch nicht über ausreichend geeignete Geräte und entsprechende Finanzmittel verfügt, um eine flächendeckende Ausrollung in den USA vorzunehmen.

Die Überlegungen zur teilweisen Freigabe von Wasserflaschen fügen sich in ein breiteres Konzept zur Erneuerung der Passagierkontrollen ein. Neben 3D-Gepäckscannern und modernisierten Körperscannern kommen dabei an ausgewählten Schleusen automatisierte Zugangsportale mit Gesichtserkennungstechnologie zum Einsatz. Nach Einschätzung von Branchenkennern könnte die vollständige Einführung solcher modernisierten Kontrollspuren rund ein Jahr in Anspruch nehmen. Die Überlegungen der Behörde beziehen sich zudem ausdrücklich nur auf Trinkwasser; Beschränkungen für größere Behälter mit Kosmetika, Shampoos, Gels oder anderen Flüssigkeiten bleiben hiervon unberührt.

Diskussion über Flüssigkeitsregeln und Programmwachstum

Die Debatte über eine Lockerung der Flüssigkeitsbestimmungen hat bereits eine längere Vorgeschichte. Im Juli 2025 stellte die damalige Heimatschutzministerin Kristi Noem die Notwendigkeit der bisherigen Begrenzungen öffentlich infrage, kurz nachdem die TSA die routinemäßige Pflicht zum Ausziehen der Schuhe an den Standard-Kontrollpunkten aufgehoben hatte. Noem deutete damals an, dass Anpassungen bei den Mengengrenzen für Flüssigkeiten ein logischer nächster Schritt sein könnten, wies jedoch gleichzeitig darauf hin, dass eine schnelle Entscheidung nicht zu erwarten sei.

Ein Exklusivrecht für PreCheck-Nutzer würde dennoch eine große Gruppe von Reisenden betreffen. Das Sonderprogramm der TSA verzeichnet seit Jahren kontinuierlichen Zulauf und zählt mittlerweile über 20 Millionen aktive Mitglieder, wobei jährlich etwa drei Millionen Neuanmeldungen hinzukommen. Die Ausweitung des Programms auf eine wachsende Anzahl von Flughäfen wird durch die zunehmende Nutzung biometrischer Verfahren unterstützt. Diese ermöglichen es Berechtigten, ihre Identität berührungslos und ohne das Vorzeigen physischer Dokumente zu bestätigen.

Funktionsweise der modernisierten Kontrolltechnik

Die an den Kontrollpunkten eingesetzten Technologien erfüllen unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Prüfkette. Während die elektronischen Zugangsportale (eGates) der Feststellung der Passagieridentität dienen, prüfen die CT-Scanner die Inhalte der mitgeführten Taschen. Im Gegensatz zu konventionellen Röntgengeräten erzeugen CT-Scanner dreidimensionale Bilder, die vom Sicherheitspersonal am Bildschirm gedreht und in einzelnen Schichten analysiert werden können. Dadurch lassen sich verbotene Gegenstände genauer identifizieren, ohne dass Passagiere elektronische Geräte oder Flüssigkeitsbeutel separat aus dem Gepäck nehmen müssen.

Erprobungen neuer Infrastrukturen finden derzeit an verschiedenen großen Knotenpunkten statt. Am Flughafen Charlotte Douglas International startete im Sommer der Testbetrieb von acht elektronischen Portalen an einem der zentralen Kontrollpunkte. Auch an den Flughäfen von Los Angeles, Newark Liberty sowie am Ronald Reagan Washington National Airport werden moderne Systemkomponenten und CT-Geräte erprobt. Am Flughafen Harry Reid International in Las Vegas betreibt die TSA zudem einen Testbereich, in dem Selbstbedienungssysteme mit automatisiertem Gepäcktransport und Scannern im Realbetrieb untersucht werden. Trotz dieser Testläufe ist bisher für keinen dieser Standorte offiziell bestätigt worden, dass dort das Mitführen von Wasserflaschen im Handgepäck kurzfristig erlaubt wird.

Hintergrund der Beschränkungen und internationaler Vergleich

Die strengen Vorgaben für Flüssigkeiten im Handgepäck gehen auf den August 2006 zurück. Damals deckten britische Sicherheitsbehörden einen Plan auf, bei dem Sprengstoffkomponenten in Getränkeflaschen an Bord von Transatlantikflügen geschmuggelt werden sollten. Als Reaktion darauf führten Behörden weltweit die Begrenzung auf Einzelbehälter mit maximal 100 Millilitern ein, die in einem transparenten, wiederverschließbaren Ein-Liter-Beutel transportiert werden müssen.

Der Übergang zu CT-Scannern bietet zwar die technische Grundlage für eine Überprüfung von Flüssigkeiten im Behälter, die Umsetzung verläuft jedoch auch international uneinheitlich. In Großbritannien erlauben einige große Flughäfen nach der Aufrüstung ihrer Scanner wieder Behälter mit bis zu zwei Litern Inhalt. Andere Flughäfen des Landes halten hingegen trotz installierter Neugeräte an der 100-Milliliter-Grenze fest. Die britischen Behörden weisen Reisende daher ausdrücklich darauf hin, sich vor jedem Flug über die konkret geltenden Bestimmungen an allen Abflug- und Umsteigeorten zu informieren.

Ein vergleichender Blick zeigt die unterschiedliche Handhabung in der Übersicht:

RegelungsebeneBisherige Standardpraxis (3-1-1)Geplante TSA-PreCheck-ErprobungBritische Flughäfen (mit CT-Upgrade)
BehältergrößeMaximal 100 ml pro BehälterUnbegrenzt für TrinkwasserflaschenBis zu 2 Liter an einzelnen Standorten
ZielgruppeAlle PassagiereAusschließlich PreCheck-MitgliederAlle Passagiere am jeweiligen Terminal
VerpackungTransparentes 1-Liter-KissenVerbleib im Handgepäck erlaubtVerbleib im Handgepäck erlaubt
Erfasste FlüssigkeitenAlle Gels, Cremes, Aerosole, GetränkeAusschließlich Trinkwasser im FokusBreites Spektrum an Alltagsflüssigkeiten

Eine schrittweise Erprobung in den USA könnte zu einer Phase führen, in der die Mitnahmeregeln von mehreren Faktoren abhängen – darunter der gebuchte Tarif, der Vielfliegerstatus, der jeweilige Flughafen, das genutzte Terminal oder die vorhandene Gerätegeneration an der einzelnen Kontrollspur. Ein Reisender könnte somit auf dem Hinflug eine gefüllte Wasserflasche durch die Kontrolle nehmen, müsste diese vor dem Rückflug an einem anderen Flughafen jedoch wie gewohnt entsorgen. Der Ausstieg aus der pauschalen Beschränkung stellt somit keinen abrupten Regelwechsel dar, sondern den Beginn eines mehrjährigen technischen Anpassungsprozesses.

Werbung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Werbung