Der europäische Flughafendachverband ACI Europe fordert von den politischen Entscheidungsträgern in Bosnien und Herzegowina grundlegende Reformen zur Stärkung der regionalen Luftverkehrsanbindung.
Bei Terminen in Sarajevo beriet Generaldirektor Olivier Jankovec mit Regierungsvertretern auf Staats-, Föderations- und Kantons-Ebene sowie Führungskräften der Zivilluftfahrtbehörde BHDCA und der Flugsicherung BHANSA über die operative und regulatorische Ausrichtung des Sektors. Das Passagieraufkommen am Hauptstadtdrehkreuz Sarajevo verzeichnete zuletzt einen Anstieg von 28,6 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau des Jahres 2019, während das Flugangebot im selben Zeitraum um 40 Prozent ausgeweitet wurde.
Zur Sicherung der internationalen Einbindung mahnt der Branchenverband die Abschaffung der Passagierabgabe an, die auf jeden abreisenden Fluggast erhoben wird und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Flughäfen im Vergleich zu benachbarten Standorten belastet. Darüber hinaus fordert ACI Europe die Bereitstellung finanzieller Anreizprogramme für Fluggesellschaften, um Streckenverbindungen zu sichern. Weitere Kernelemente des Forderungskatalogs sind die Beschleunigung der Angleichung an das EU-Luftfahrtrecht im Rahmen des ECAA-Abkommens sowie die Umsetzung des „One-Stop-Security“-Prinzips zur Vereinfachung der Kontrollprozesse bei Umsteigeverbindungen nach Europa.
Auf infrastruktureller Ebene steht die Anpassung des Masterplans 2028–2048 für den Flughafen Sarajevo im Mittelpunkt. Vorgesehen sind unter anderem die Sanierung und Verlängerung der Start- und Landebahn, der Ausbau der Terminal- und Hangarkapazitäten, die Verlegung der Treibstofflager sowie die Verbesserung der landseitigen Verkehrsanbindung. Um den künftigen Flächenbedarf abzusichern, verlangt der Verband die rechtliche Ausweisung von Entwicklungskorridoren durch die örtlichen Baubehörden. Neben dem Flughafen Sarajevo wurden in den Konsultationen auch die Entwicklungsoptionen für die Regionalflughäfen Mostar und Bihać thematisiert.
Luftfahrtanalysten weisen darauf hin, dass die Entfaltung der Passagierzahlen in Sarajevo stark von der Marktpräsenz europäischer Low-Cost-Fluggesellschaften abhängt, die sehr sensibel auf staatliche Gebühren reagieren. Die verlangte Abschaffung der Passagierabgabe könnte das FIS-Verkehrsauskommen kurzfristig steigern, würde jedoch den Einnahmenhaushalt der nationalen Luftfahrtaufsicht BHDCA belasten. Für die Umsetzung des Masterplans bleibt zudem die verlässliche Bereitstellung öffentlicher Haushaltsmittel und europäischer Finanzierungsinstrumente an die politische Stabilität im Land gekoppelt.