Die japanische Fluggesellschaft Japan Airlines hat in Zusammenarbeit mit dem französischen Drohnenhersteller Donecle ein Projekt zur Automatisierung von äußeren Flugzeuginspektionen gestartet. Wie beide Unternehmen am 11. September 2026 bekanntgaben, handelt es sich um den ersten gemeinsamen Einsatz vollautomatischer Inspektionsdrohnen im zivilen Luftfahrtsektor Japans.
Das System stützt sich auf das Drohnenmodell Iris GVI, das in den Wartungshallen der Fluggesellschaft hochauflösende Aufnahmen der Außenhaut von Luftfahrzeugen anfertigt. Das Vorhaben zielt darauf ab, manuelle Sichtprüfungen zu ersetzen, die bisher einen erheblichen Zeitaufwand erforderten und von Wartungstechnikern oft in großen Höhen durchgeführt werden mussten. Neben einer Erhöhung der Arbeitssicherheit verspricht der Einsatz automatisierter Bildauswertungsverfahren eine höhere Standardisierung bei der Erfassung von Strukturschäden.
Technologische Grundlagen und Funktionsweise der Inspektionstechnik
Die visuellen Inspektionen von Flugzeugoberflächen gehören zu den regelmäßigen Wartungsvorgängen in der Luftfahrtindustrie. Bislang untersuchten Techniker Rumpf, Tragflächen und Leitwerk manuell unter Zuhilfenahme von Hebebühnen und Gerüsten. Dieser Prozess nimmt bei Großraumflugzeugen mehrere Stunden in Anspruch und birgt durch die Arbeit in erhöhten Positionen ein gewisses Gefahrenpotenzial für das Personal.
Japan Airlines begann Ende Juni 2026 mit vergleichenden Tests zwischen herkömmlichen manuellen Prüfverfahren und drohnengestützten Bildaufnahmen, um die Grundlagen für das laufende Verifikationsprojekt zu schaffen. Die eingesetzte Drohne des Typs Iris GVI fliegt vollautomatisch und berührungslos um das im Hangar abgestellte Flugzeug. Das Gerät verfügt über eine eingebaute Hinderniserkennung, die einen Sicherheitsabstand zur Struktur aufrechterhält. Die Aufnahmen erfolgen nach fest vorgegebenen Parametern, wodurch die Abhängigkeit der Bildqualität vom jeweiligen Bediener entfällt.
Technische Spezifikationen und Zulassung des Fluggeräts
Das Drohnensystem Iris GVI des Herstellers Donecle weist eine Länge und Breite von jeweils 855 Millimetern sowie eine Höhe von 245 Millimetern auf. Das Gesamtgewicht inklusive der Batterie beträgt 3.700 Gramm. Das Fluggerät ist für den vollautonomen Betrieb innerhalb von Hallengebäuden konzipiert und benötigt für die Ausrichtung keine GPS-Signale, sondern nutzt optische Sensoren zur Positionsbestimmung im Raum.
Ein wesentliches Element der Technologie bildet die integrierte Bildanalysesoftware. Das System kartiert die aufgenommenen Fotos auf einem digitalen Modell des Luftfahrzeugs und ermöglicht die präzise Vermessung von Schäden wie Kratzern, Dellen oder Nietfehlern. Die Technologie von Donecle ist bereits in den offiziellen Wartungshandbüchern der Flugzeughersteller Airbus und Boeing gelistet. Diese herstellerseitige Dokumentation vereinfacht die regulatorische Integration in die bestehenden Instandhaltungsabläufe von Fluggesellschaften und Wartungsbetrieben.
Auswirkungen auf Betriebsabläufe und vorausschauende Instandhaltung
Die Reduzierung des Zeitaufwands bei Routineinspektionen erlaubt es der Fluggesellschaft, frei werdende Personalkapazitäten umzuleiten. Japan Airlines beabsichtigt, die gewonnenen Zeitressourcen verstärkt für Maßnahmen der vorausschauenden Instandhaltung zu nutzen, um die technische Zuverlässigkeit der Flotte zu erhöhen und ungeplante Ausfallzeiten zu verringern.
In weiteren Projektphasen planen Japan Airlines und Donecle, den Einsatzbereich der Drohnen über Testläufe im Hangar hinaus auszuweiten. Vorgesehen ist unter anderem die Anwendung bei außerplanmäßigen Inspektionen nach Blitzeinschlägen. Solche Ereignisse erforderten bisher zeitintensive Sonderprüfungen am Boden, was wiederholt zu Verzögerungen im Flugbetrieb führte. Durch den Drohneneinsatz sollen diese Kontrollen beschleunigt und die Pünktlichkeit im Linienverkehr verbessert werden. Ein weiteres Anwendungsfeld bildet die regelmäßige Zustandsüberwachung von Flugzeuglackierungen.
Zusammenarbeit mit Behörden und Perspektiven für den Markt
Die Erprobung und Einführung der automatisierten Inspektionsverfahren erfolgt in enger Abstimmung mit dem japanischen Ministerium für Landwirtschaft, Infrastruktur, Transport und Tourismus, das für die zivile Luftfahrtaufsicht in Japan zuständig ist. Die Behörde begleitet das Projekt, um die Einhaltung sämtlicher Sicherheitsstandards im Luftfahrtbereich zu überwachen und gegebenenfalls neue Richtlinien für den Regelbetrieb automatisierter Systeme in Wartungsbetrieben zu definieren.
Donecle setzt seine Inspektionssysteme bereits bei mehreren internationalen Fluggesellschaften sowie zivilen und militärischen Instandhaltungsbetrieben weltweit ein. Die Kooperation mit Japan Airlines stellt jedoch den ersten operativen Schritt auf dem japanischen Markt dar. Der Trend zur Automatisierung von Inspektionsprozessen wird in der Luftfahrtbranche aufmerksam verfolgt, da Fluggesellschaften weltweit nach Möglichkeiten suchen, Standzeiten von Flugzeugen am Boden zu verkürzen und die Effizienz ihrer Wartungssparten zu steigern.