Eine vom Umweltverband Transport & Environment (T&E) veröffentlichte Untersuchung unter dem Titel „Overshoot: How expansion plans break European airports‘ carbon limits“ thematisiert geplante Kapazitätserhöhungen an europäischen Verkehrsflughäfen.
Die Analyse erfasst die Ausbauvorhaben von 20 großen Luftverkehrsknotenpunkten in zehn europäischen Ländern, darunter auch den Flughafen Brüssel. Die Organisation vergleicht die prognostizierten Verkehrs- und Emissionsentwicklungen mit CO2-Budgets, die auf den Parametern des Pariser Klimabudgets basieren. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die analysierten Ausbauprojekte bei unreguliertem Wachstum zu signifikanten zusätzlichen Schadstoffemissionen im europäischen Luftraum führen würden.
Im Zentrum der Untersuchung steht der Einwand, dass infrastrukturelle Erweiterungen wie neue Terminals, Landebahnen oder Vorfeldflächen langfristige Kapazitäten schaffen, die das Flugaufkommen über Jahrzehnte hinweg auf hohem Niveau konservieren. Für den Flughafen Brüssel sowie für die weiteren untersuchten Drehkreuzflughäfen wird in der Studie eine Diskrepanz zwischen den prognostizierten Passagierzahlen und den anzusetzenden Verbrauchs- und Emissionsgrenzen festgestellt. Während Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften die Notwendigkeit von Kapazitätserweiterungen mit der Aufrechterhaltung der internationalen Anbindung und der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Luftverkehrs begründen, bewertet die Umweltorganisation den ungebremsten Infrastrukturausbau als Risiko für die Erreichung europäischer Klimaziele.
In der Debatte um die Kompensation von Emissionssteigerungen verweist die Studie auf die Grenzen technologischer Fortschritte. Der Einsatz flottenmodernerer Flugzeuge und die Beimischung von nachhaltigen Flugkraftstoffen (Sustainable Aviation Fuels, SAF) führen zwar zu einer Reduzierung des spezifischen Treibstoffverbrauchs pro Passagierkilometer. Laut der Analyse von T&E reichen diese Effizienzgewinne jedoch nicht aus, um den absoluten Emissionsanstieg durch das prozentuale Wachstum der Passagier- und Flugzahlen vollständig auszugleichen. Als regulatives Instrument schlägt die Organisation daher die Einführung flughafenspezifischer Emissionsobergrenzen vor, an denen künftige Infrastrukturprojekte gemessen werden müssten.
Die Ergebnisse der Untersuchung spiegeln die anhaltenden Zielkonflikte in der europäischen Luftfahrtpolitik wider. Auf der einen Seite stehen die wirtschaftlichen Interessen von Flughafenbetreibern, die auf eine steigende Nachfrage im Passagier- und Frachtverkehr reagieren und die Auslastung ihrer Bodeninfrastruktur sichern wollen. Auf der anderen Seite fordern Nichtregierungsorganisationen und Teile der Politik eine strengere Kapazitätsbegrenzung, um den Luftverkehrssektor stärker in die Pflicht zu nehmen. Die Diskussion um die künftige Ausrichtung des Flughafens Brüssel steht exemplarisch für die Herausforderung, die ökonomische Leistungsfähigkeit der europäischen Luftverkehrswirtschaft mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der EU in Einklang zu bringen.