Die deutsche Fluggesellschaft Condor befindet sich in einer Phase der Restrukturierung und finanziellen Neuausrichtung. Der Mehrheitsgesellschafter Attestor fordert von dem Unternehmen deutliche Kostensenkungen in Höhe von jeweils 100 Millionen Euro in den kommenden zwei Geschäftsjahren.
Die Sparvorgaben betreffen sowohl Lieferanten- und Lizenzverträge als auch die Personalkosten. Während das Management unter der Leitung von Peter Gerber den Übergang von einem reinen Ferienflieger zu einer Netzwerkfluggesellschaft vorantreibt, stehen Verhandlungen über einen Zukunftspakt mit den Arbeitnehmervertretungen bevor. Parallel dazu zeichnen sich Veränderungen in der Eigentümerstruktur ab, da der Investor Attestor eine vollständige Übernahme der Firmenanteile vorbereitet, bevor ein Weiterverkauf an neue Investoren geprüft wird.
Vorgaben des Mehrheitsseigners und Konsolidierungskurs
Der Finanzinvestor Attestor, der derzeit 51 Prozent der Anteile an Condor hält und rund 450 Millionen Euro in die Fluggesellschaft eingebracht hat, erhöht den Druck auf das Management zur Steigerung der Ausgabendisziplin. Im Rahmen einer Betriebsversammlung wurden die Grundzüge eines Sparprogramms bekannt gegeben. Demnach soll die Fluggesellschaft in den nächsten zwei Geschäftsjahren Einsparungen von insgesamt 200 Millionen Euro realisieren. Die Gewerkschaft Ufo informierte ihre Mitglieder darüber, dass der Investor seine Bereitschaft zur weiteren Finanzierung des Unternehmenswachstums an die Erreichung dieser Einsparziele knüpft.
Von den angestrebten 100 Millionen Euro pro Geschäftsjahr sollen etwa 65 Millionen Euro durch die Nachverhandlung von Verträgen mit Dienstleistern, Partnern und Lizenzgebern eingespart werden. Die verbleibenden 35 Millionen Euro pro Jahr entfallen auf das Personal. Davon sollen nach Angaben der Kabinengewerkschaft Ufo jährlich rund 10 Millionen Euro im Bereich des Kabinenpersonals eingespart werden. Vom Management geforderte Nullrunden bei den Gehaltsanpassungen bis zum Jahr 2030 wurden von den Gewerkschaftsvertretern zunächst abgelehnt. Weitere Detailgespräche zwischen Unternehmensführung und Personalvertretungen sind angesetzt.
Verhandlungen über einen Zukunftspakt mit dem Personal
Seitens der Unternehmensführung wird die Notwendigkeit von Anpassungen mit anspruchsvollen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und externen Belastungsfaktoren begründet. Eine Sprecherin von Condor erklärte, dass man sich mit den Personalvertretern grundsätzlich auf die Erarbeitung eines Zukunftspakts verständigt habe. Dieser soll die wirtschaftliche Basis des Unternehmens stärken und die Voraussetzungen für die Beibehaltung des bisherigen Kurses schaffen. Detaillierte Angaben zu den exakten Einsparsummen machte das Unternehmen mit Verweis auf laufende Gespräche nicht.
Die Gewerkschaften bestehen auf transparenten Verhandlungen und fordern verlässliche Zusagen für die Beschäftigten. Die Umgestaltung des Streckennetzes und die Einführung neuer Linienverbindungen bringen veränderte Arbeitsabläufe für das fliegende Personal mit sich. Während das Management betont, die Zusammenarbeit mit dem Mehrheitseigner verfahre vertrauensvoll, verweisen Arbeitnehmervertreter auf die Belastungen der Belegschaft durch die geforderten Zugeständnisse.
Finanzielle Kennzahlen und bilanzielle Belastungen
Die finanziellen Ergebnisse der Fluggesellschaft zeigen ein zweigeteiltes Bild. Im Geschäftsjahr 2024/2025 konnte Condor den operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern um 25,2 Prozent auf 151 Millionen Euro steigern. Trotz dieser operativen Verbesserung schloss das Unternehmen das Geschäftsjahr unter dem Strich mit einem Nettoverlust von 110,43 Millionen Euro ab, was einer Ausweitung des Fehlbetrags um 13,7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum entspricht.
Für das verbleibende Defizit sind im Wesentlichen bilanzielle Effekte und Finanzierungskosten verantwortlich. Hierzu zählen interne Darlehenszinsen gegenüber dem Eigner Attestor sowie Bewertungsanpassungen für geleaste Flugzeuge im Rahmen der Flottenerneuerung. Zudem belasten branchenweite Preissteigerungen bei Kerosin und erhöhte Entgelte an deutschen Flughafenstandorten die Ertragslage des Unternehmens. Zum Monatsende schließt Condor das aktuelle Geschäftsjahr ab, woraufhin genaue Zahlen zur Jahresbilanz erwartet werden.
Perspektiven der Eigentümerstruktur und Beteiligung der öffentlichen Hand
Neben den betrieblichen Einsparungen steht die künftige Eigentümerstruktur von Condor im Fokus der Entwicklung. Derzeit halten das Land Hessen und der Bund über die Treuhandgesellschaft SG Luftfahrt noch 49 Prozent der Unternehmensanteile. Diese Beteiligung geht auf staatliche Hilfsmaßnahmen im Zuge früherer Restrukturierungsphasen zurück. Nach vorliegenden Informationen wird geprüft, ob Attestor die Staatsanteile übernimmt, um das Unternehmen vor einem möglichen Weiterverkauf an neue Investoren vollständig im Eigenbesitz zu halten.
Condor-Chef Peter Gerber hatte öffentlich das Interesse verschiedener Investorengruppen an der Fluggesellschaft betont. Das Unternehmen sucht mittelfristig nach Partnern, um die Kapitalbasis zu verbreitern und die Marktposition im internationalen Luftverkehr zu behaupten. Die Verwirklichung des Konsolidierungsprogramms gilt als Voraussetzung, um das Unternehmen für potenzielle Käufer oder strategische Partner attraktiv zu halten.