Das AIT Austrian Institute of Technology und die Künz GmbH haben bei der Verleihung des VCÖ-Mobilitätspreises Österreich 2026 in Wien den Hauptpreis in der Kategorie „Digitalisierung, Technologie und Automatisierung“ erhalten.
Prämiert wurde das gemeinsam entwickelte Assistenzsystem „Trailer Assist“, das die Abläufe beim Umschlag von Sattelaufliegern an intermodalen Frachtterminals optimieren soll. Die Software verbindet Künstliche Intelligenz, Sensorfusion sowie automatisierte Bildverarbeitung, um Kranführer bei der Positionierung von Ladeeinheiten zu unterstützen und Fehlmanöver bei ungünstigen Witterungs- oder Sichtverhältnissen zu reduzieren.
Die technische Entwicklung ermöglicht zudem eine bauliche Umgestaltung des Arbeitsplatzes. Durch die Verlagerung der Kransteuerung aus der traditionellen Fahrerkabine in der Höhe hin zu bodennahen Remote-Bedienständen können ergonomisch angepasste Arbeitsplätze geschaffen werden, die physische Zugangshürden verringern. Im operativen Testbetrieb auf drei Intermodalkranen an polnischen Terminalstandorten verzeichneten die Entwickler nach eigenen Angaben eine Steigerung der Umschlagleistung um 18 Prozent. Weitere Ausstattungen sind an zusätzlichen Terminals geplant, während für mehrere österreichische Knotenpunkte der ÖBB in Wolfurt, Wien und Wels entsprechende Implementierungen verhandelt werden.
Branchenexperten und Logistikanalysten betonen, dass die Effizienz an den Schnittstellen zwischen Verkehrsträgern maßgeblich für die Konkurrenzfähigkeit des Schienengüterverkehrs gegenüber dem Straßentransport ist. Zeitverluste beim Terminalumschlag und Engpässe bei der Verfügbarkeit von Fachpersonal stellen im kombinieren Verkehr seit Jahren wesentliche Nadelöhre dar. Der Einsatz digitaler Assistenzsysteme gilt daher in der Logistikbranche als notwendiger Schritt, um Durchsatzraten zu erhöhen und den Automatisierungsgrad schrittweise zu steigern.
Dennoch stehen Betreiber von Güterterminals bei der Integration solcher Assistenzsysteme vor Herausforderungen. Neben den Anschaffungs- und Umrüstungskosten verweisen Kritiker darauf, dass eine tatsächliche Steigerung der Gesamtproduktivität stark von der Verlässlichkeit der Sensortechnik im Ganzjahresbetrieb abhängt. Zudem erfordert die Akzeptanz neuer digitaler Steuerungskonzepte bei den Beschäftigten umfassende Schulungen, um den reibungslosen Ablauf an hochfrequentierten Güterknotenpunkten dauerhaft zu gewährleisten.