Die Schweizer Reedereigruppe Mediterranean Shipping Company (MSC) führt Verhandlungen über eine mögliche Übernahme der staatlichen Beteiligungen an der Papenburger Meyer Werft.
Nach dem Rettungspaket aus dem Jahr 2024 halten die Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen jeweils 40 Prozent der Anteile am traditionsreichen Schiffbauunternehmen, während die Gründerfamilie Meyer die verbliebenen 20 Prozent besitzt. Die Gespräche über den Erwerb des 80-prozentigen Staatspakets befinden sich nach Angaben aus Branchenkreisen in einem ergebnisoffenen Stadium, wobei auch weitere Interessenten für einen Anteilsverkauf infrage kommen.
Der Einstieg der öffentlichen Hand war im Jahr 2024 erforderlich geworden, nachdem der Kreuzfahrtschiffbauer aufgrund stark gestiegener Material- und Finanzierungskosten in eine existenzbedrohende Liquiditätskrise geraten war. Bund und Land stützten den Betrieb damals mit 400 Millionen Euro Eigenkapital sowie Bürgschaften über 2,6 Milliarden Euro. Der Staatsvertrag sieht grundsätzlich vor, die Anteile nach einer wirtschaftlichen Konsolidierung des Unternehmens wieder an private Investoren zu veräußern. Eine verbindliche Frist für den Ausstieg der öffentlichen Hand besteht nach Aussagen der niedersächsischen Landesregierung jedoch nicht.
Zwischen der Meyer Werft und der Kreuzfahrtsparte von MSC besteht bereits eine vertragliche Vorvereinbarung. Ende 2025 unterzeichneten beide Partner eine Absichtserklärung über den Bau von vier Kreuzfahrtschiffen einer neuen Modellreihe mit Kapazitäten für bis zu 5.400 Passagiere sowie Optionen für zwei weitere Einheiten. Liefertermine sind ab dem Jahr 2030 vorgesehen. Ein fester Werftvertrag für diese Schiffsklasse steht bislang allerdings noch aus, weshalb eine Übernahme der Mehrheitsanteile durch MSC als Möglichkeit gesehen wird, die Auslastung der Dockanlagen in Papenburg und Rostock langfristig abzusichern.
Industrieanalysten verweisen jedoch auf mögliche Zielkonflikte, sollte ein einziger Kreuzfahrtkonzern die Kontrolle über eine der weltweit führenden Spezialwerften übernehmen. Zu den Kunden von Meyer gehören konkurrierende Reedergruppen wie Carnival Corporation und Disney Cruise Line. Ein Mehrheitseinstieg von MSC könnte Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit bei der Vergabe von Bauplätzen, der Preisgestaltung und der Vertraulichkeit von Konstruktionsdaten aufwerfen. Für die rund 5.000 Beschäftigten an den deutschen Standorten bleibt der Ausgang der Verhandlungen maßgeblich für die künftige Eigentümerstruktur.