Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat die Pläne des Lufthansa-Konzerns für die Abwicklung der Belegschaft der Tochtergesellschaft Lufthansa CityLine scharf verurteilt. Hintergrund ist der im Raum stehende Beschluss eines sogenannten „Sozialplans Null“, der keinerlei finanzielle Ausgleichs- oder Abfindungsleistungen für die von der Einstellung des Flugbetriebs betroffenen Mitarbeiter vorsieht.
Die Personalvertretung der CityLine hatte bereits vor der für April 2026 terminierten Stilllegung der Fluggesellschaft Verhandlungen über einen Nachteilsausgleich aufgenommen, wirft dem Management jedoch vor, die Gespräche über Monate hinweg ohne konkrete Ergebnisse verzögert zu haben.
Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung betrifft die geplante Betriebseinstellung langjährig Beschäftigte im Cockpit- und Kabinenbereich. VC-Vorständin Anja Granvogl, die selbst als Kapitänin bei der CityLine tätig ist, bezeichnete die Verweigerung finanzieller Zugeständnisse als unberechtigte Härte gegenüber dem Personal. Die Fluggesellschaft habe als 100-prozentige Konzerntochter über Jahrzehnte hinweg Zubringerdienste für das Drehkreuzgeschäft der Kernmarke Lufthansa sowie für Lufthansa Cargo geleistet. Auch nach der Pandemie sei ein beträchtlicher Teil der Flugleistung über externe Wet-Lease-Partner abgewickelt worden, was das interne Produktionsvolumen künstlich belastet habe.
Die Gewerkschaft zieht zudem Parallelen zur wirtschaftlichen Gesamtlage des Mutterkonzerns. Während die Lufthansa-Gruppe in den vergangenen Geschäftsjahren wieder operative Milliardengewinne verzeichnete und Führungskräfteboni vollumfänglich auszahlte, werde den Beschäftigten der Tochtergesellschaft eine angemessene Absicherung verwehrt. Der Konflikt fügt sich in die Neuordnung der Regionalflugaktivitäten des Konzerns ein, bei der Streckennetze und Flottenkapazitäten schrittweise auf neu gegründete oder kostengünstigere Flugbetriebe wie City Airlines übertragen werden.
Die Vereinigung Cockpit fordert die Konzernführung auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und gemeinsam mit der Personalvertretung einen materiell dotierten Sozialplan zu vereinbaren. Sollte die Arbeitgeberseite an der Nullvariante festhalten, droht eine weitere Verschärfung der arbeitsrechtlichen und tarifpolitischen Auseinandersetzungen im Konzern.